Newsticker

Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf höchstem Stand seit April
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Große Pläne für das Fuggerschloss in Babenhausen

Babenhausen

28.09.2018

Große Pläne für das Fuggerschloss in Babenhausen

Sie wollen das Fuggerschloss in Babenhausen aus seinem Dornröschenschlag erwecken: Alexander Graf Fugger von Babenhausen (links) und Bürgermeister Otto Göppel. Das Bild zeigt sie im Innenhof.
4 Bilder
Sie wollen das Fuggerschloss in Babenhausen aus seinem Dornröschenschlag erwecken: Alexander Graf Fugger von Babenhausen (links) und Bürgermeister Otto Göppel. Das Bild zeigt sie im Innenhof.
Bild: Alexander Kaya

Plus Alexander Graf Fugger und Bürgermeister Otto Göppel sprechen im Interview über den Zehentstadel, schlaflose Nächte und einen „großen Wurf“.

Graf Fugger, wir sitzen in einem gemütlichen Zimmer im Rechbergschloss. Welche Bereiche des Fuggerareals werden zurzeit genutzt?

Graf Alexander Fugger: Teile des Rechbergschlosses nutzen wir als Wohnraum. Schon mein Vater und seine Geschwister sind dort aufgewachsen. Im Langschloss und teils im Westtrakt ist das Museum untergebracht. Hier wohnt auch der Museumswart mit Familie und unser Baumeister. Dann gibt es noch den Kanzleibau neben dem Haupttor. Ein Teil ist als Arztpraxis vermietet, in einem anderen wohnt mein Onkel. Auch das Forstbüro befindet sich dort. Letztlich ist das Schloss aber so groß, dass es leider nicht überall Nutzung beherbergt und einige Flächen seit Jahren leerstehen.

Manchem fällt es schon schwer, eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Schuss zu halten. Wie pflegt man ein so großes Schloss samt Außenanlagen?

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Fugger: Die Fläche, über die wir hier reden, entspricht fast sechs Hektar – und die vielen, zum Großteil denkmalgeschützten Gebäude altern rapide. Es ist eine gewaltige Herausforderung, allein den Status quo zu halten. Der ist für alle – ob für die Gemeinde, die Babenhauser und allen voran für uns – kein Zustand, über den wir glücklich sind.

Herr Göppel, welche Bedeutung hat das Fuggerschloss für Babenhausen?

Otto Göppel: Das Schloss ist unser Wahrzeichen, unser Ortskern. Es wurde aber auch als ein Bauwerk von nationaler Bedeutung deklariert. Momentan wird das Potenzial des Areals aber in keinster Weise genutzt. Man könnte sich hier sehr, sehr viel vorstellen.

Experten haben das Fuggerareal zuletzt genau geprüft. Vorschläge zu Sanierung und Nutzung wurden unterbreitet. Was sind die Kernpunkte?

Fugger: Es gibt viele spannende technische und bauhistorische Erkenntnisse. Analysiert wurde unter anderem die Statik, vor allem die Dachstühle. Angesichts der Ergebnisse wurde klar, dass das östliche Langschloss und der Zehentstadel am dringendsten eine Sanierung benötigen. Ein wichtiges Ergebnis des „Vorprojekts“ ist auch eine detaillierte Kostenschätzung der Maßnahmen. Die verpasst einem natürlich schlaflose Nächte. Da geht es um Summen, die unsere eigenen finanziellen Möglichkeiten weit überschreiten und deshalb nur über Förderungen, Partnerschaften und Investoren realisierbar sind.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Fugger: Das Ziel, eine gute Nutzung für das Gebäude zu finden, ist genauso wichtig wie die Sanierung an sich. Solche Gebäude bleiben nur erhalten, wenn sie mit Leben gefüllt werden. Sonst gehen sie schneller kaputt, beim Brauereiareal sieht man das drastisch. Im Zuge der einzelnen Bauabschnitte – die sich wahrscheinlich über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg ziehen werden – wollen wir sinnvolle, umsetzbare Nutzungsmöglichkeiten finden, bei denen man sagen kann: Das ist ein großer Schritt für das Areal, für Babenhausen und die Region.

Wie sieht dieser große Schritt aus?

Fugger: Es gibt unterschiedliche Bausteine, die zusammenpassen müssen. Da kann man nichts isoliert betrachten. Es gibt zum Beispiel Bereiche im Schloss wie den Ahnensaal, der nur bestimmte Nutzungen zulässt. Eine Umnutzung des Zehenstadels in ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum zum Beispiel, zieht wichtige Fragen nach sich wie den Abriss der ungenutzten Brauereigebäude, eine sinnvolle Planung des Außenbereichs und die Schaffung nötiger Infrastruktur. Grundsätzlich ist es in unserem Interesse, das Schloss zu öffnen.

Fugger: "Eine Gastronomie und Veranstaltungen wären zusätzliche Anziehungspunkte."

Wie wollen Sie das anstellen?

Fugger: Bisher können die Babenhauser und Touristen das Schloss nur im Museum oder im Park erleben. Damit ist das Areal aber nicht so bespielt, wie wir uns das vorstellen. Eine Gastronomie und Veranstaltungen wären zusätzliche Anziehungspunkte. Außerdem wollen wir das Gelände auch baulich öffnen – etwa mit einem weiteren Zugang zur Fürst-Fugger-Straße.

Wann sollen die Bagger anrollen?

Fugger: Die unterschiedlichen Maßnahmen greifen ineinander – da müssen wir aufpassen, dass wir nicht an einem Eck mit den Arbeiten beginnen und am zweiten realisieren, dass wir eine Ineffizienz hineingebracht haben. Und auch die komplexen Finanzierungskonzepte müssen stehen. Unsere Zielsetzung ist es, dass wir 2019 eine Planung beschließen, die eine Bauphase nach sich zieht.

Das Fuggerschloss ragt über Babenhausen. Ebenfalls zu sehen: die Pfarrkirche.
Bild: Fritz Settele (Archivbild)

Apropos Finanzierung. Allein für die Instandsetzung des Fugger’schen Zehentstadels steht eine geschätzte Summe von mehr als acht Millionen Euro im Raum. Zuschüsse müssten zwischen 80 bis 90 Prozent der Kosten decken. Denken Sie, das ist realisierbar?

Fugger: Ja, aufgrund der laufenden Gespräche mit den zuständigen Behörden sind wir zuversichtlich. Fest steht: Die Aufwertung des Areals ist für uns als Familie allein nicht zu stemmen. Das geht nur mit Fördermitteln und Partnerschaften – einerseits mit der Gemeinde, andererseits mit Investoren der freien Wirtschaft. Wir als Privatnutzer nehmen uns da zurück. Mein Interesse ist es, ein national bedeutsames Gebäude zu erhalten.

Auf welche Fördertöpfe wollen Sie zugreifen – und wie viel Prozent der gewünschten Fördersumme sind schon gedeckt?

Fugger: Wir haben unterschiedlichste Anträge für unterschiedliche Maßnahmen gestellt. Teils haben wir schon Rückmeldung bekommen, teils noch nicht. Das ist ein Prozess, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Mittel des Bundes und des Entschädigungsfonds sollen aber den Löwenanteil beider Bauabschnitte abdecken.

Im Juli wurde in Berlin ein Zuschuss in Höhe von 350 000 Euro in Aussicht gestellt. Ist das ein Tropfen auf den heißen Stein?

Göppel: Dieser Zuschuss aus Bundesmitteln gilt nur für den ersten Bauabschnitt des Hauses Fugger. Für die Zuschüsse, die dem Markt Babenhausen bisher in Aussicht gestellt wurden, sind wir dankbar. Sie müssen aber teilweise noch beschieden werden, wenn eine Planung vorliegt. Ein wichtiger Baustein für die Finanzierung durch den Bund fehlt uns aber noch – ohne den wären die Maßnahmen für die Gemeinde nicht finanzierbar. Derzeit kann man sagen, dass wir uns auf einem guten Weg befinden, aber auf eine Unterstützung der Bundespolitik angewiesen sind.

Fugger: Mit der Finanzierung ist das ein bisschen wie mit dem Henne-Ei-Problem. Manche Gelder fließen erst, wenn andere fließen. Es geht um das Paket.

Göppel: Richtig, das Paket muss passen. Erst dann können wir den Beschluss fassen, diesen Weg zu gehen.

Beim Fugger’schen Zehentstadel spielt die Gemeinde eine wichtige Rolle. Herr Göppel, wo soll es hingehen?

Göppel: Was uns fehlt, ist ein großer Veranstaltungsraum – sei es für Hochzeiten, Versammlungen, Feiern der Unternehmen, Messen oder Konzerte. Wir haben im Moment das Theater mit 250 Sitzplätzen, da sind die Möglichkeiten begrenzt. Auch die Schulaula haben wir bisher genutzt. Die ist aber eigentlich ein Notnagel, weil sie für schulische Veranstaltungen gebaut ist. Für einen Ort mit der Größe von Babenhausen wäre ein Gemeindesaal, ein Kulturzentrum, wünschenswert.

Fugger: Die Anbindung durch die A96, A7 und auch A8 trägt auch dazu bei, um überregional Menschen zu motivieren, nach Babenhausen zu kommen.

Derzeit liegt der Fugger’sche Zehentstadel brach. Es gibt jedoch Pläne, das Gebäude mit den vielen Dachgauben zum Kulturzentrum umzubauen.
Bild: Alexander Kaya

Herr Göppel, wie ist aus Ihrer Sicht die Stimmung bei den Bürgern: Pro oder Contra Gemeindesaal?

Göppel: Wenn die Rahmenbedingungen – zum einen die Finanzierung, zum anderen das, was drumherum noch kommt – passen, dann glaube ich, dass die überwiegende Mehrheit dafür sein wird, dass wir das Projekt gemeinsam anpacken. Mein Eindruck ist, dass ein Bewusstsein in der Bevölkerung vorhanden ist: Nämlich, dass es eine gemeinsame Aufgabe ist, das Zentrum von Babenhausen weiterzuentwickeln.

Es gab aus CSU-Reihen den Vorwurf, vieles würde beim Zehentstadel hinter verschlossenen Türen besprochen…

Göppel: Das Problem ist: Ich kann erst an die Öffentlichkeit gehen und Dinge ansprechen, wenn Fakten da sind. Solange die Vorarbeiten zu leisten sind, ist es wenig sinnvoll, über den aktuellen Stand zu informieren – außer den Gemeinderat natürlich. Das Schloss steht seit hunderten Jahren, da sind zwei Jahre ein vergleichsweise kurzer Zeitraum. Ich kann nachvollziehen, dass die Bürger gewisse Hoffnungen und Erwartungen haben. Dass sie ungeduldig sind. Aber man muss realistisch sein: Es braucht Zeit, bis man etwas hat, das man nach außen kommunizieren kann. Es wird sicher Infos geben, bevor alles festgezurrt ist.

Fugger: Uns ist an einer guten Kommunikation mit dem Gemeinderat und den Bürgern gelegen. Sobald die Umsetzbarkeit geklärt ist, ist es uns wichtig, eine Informationsveranstaltung abzuhalten. Es wird nicht so sein, dass plötzlich der Bagger anrollt und die Anwohner sich fragen: Was passiert da oben? Wir werden an die Öffentlichkeit gehen und den Plan erläutern. An diesem Punkt sind wir schlichtweg noch nicht – so gern ich es wäre.

Herr Göppel, im Juli war der bayerische Finanzminister zu Besuch. Danach gab es im Marktrat Unmut wegen Ihrer für manche überraschenden Äußerungen zum eventuellen Bau einer Tiefgarage am Schloss ...

Göppel: Den Zeitpunkt des Besuchs, habe nicht ich bestimmt. Ich habe die Gelegenheit aber wahrgenommen, um das Thema anzusprechen, nachdem wir kurz zuvor mit dem möglichen Investor über die Parkplatzsituation gesprochen hatten. Nach Aussage des Ministers haben wir die Chance, eine Städtebauförderung für öffentliche Parkplätze zu bekommen. Aber das alles ist noch nicht mit Zahlen hinterlegt und bedarf einer Planung.

Bei dem Treffen war auch von einer Gastronomie samt Hotel in ehemaligen Wirtschaftsräumen und dem Bräustüble die Rede ...

Fugger: Ich habe in den letzten Jahren mit einigen potenziellen Nutzern über die Zukunft des Schlossareals gesprochen. Aktuell sind wir im Gespräch mit jemandem, der unserer Meinung nach perfekt hier reinpassen würde. Es gibt noch nichts, das unterschriftsreif ist. Da steht erst einmal eine Intention im Raum, angesichts derer wir in die nächste Phase der Gespräche gehen wollen. Es wäre kontraproduktiv, jetzt einen Namen zu nennen. Sonst entsteht Druck – und es wäre das Allerschlechteste, wenn die Gespräche wegen Spekulationen scheitern, bevor sie angefangen haben.

Weihnachtsmarkt am Schloss: Offen für Gespräche

Mehr wollen Sie nicht verraten?

Fugger: Wir wollen jemanden, der Erfahrung mitbringt. Der sagt: Eine Kombination von Gastronomie, Zehentstadel und Parkmöglichkeiten als Tourismus-Paket ist aus kaufmännischer Sicht attraktiv. So jemanden haben wir – und das ist sicher auch ein Grund, warum wir größer denken können.

Das Bräustüble hätte schon einmal eine neue Nutzung erfahren können: als Pfarrzentrum.

Göppel: Ich bedauere, dass es mit dem Braustüble nicht geklappt hat. Ich denke, es wäre der ideale Standort für das Pfarrzentrum gewesen.

Fugger: Zu diesem Thema haben mein Vater und ich im Grunde alles gesagt. Wir wollen jetzt in die Zukunft schauen: Wir arbeiten hier an etwas, das ein großer Wurf für Babenhausen wäre – und haben noch viel zu tun.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Findet der Weihnachtsmarkt künftig am Schloss statt?

Göppel: Der Markt soll in diesem Jahr noch einmal unten vor dem „Rössle“ stattfinden. Das macht auch Sinn, solange man nicht weiß, was am Schloss passiert. Es wären wohl auch Investitionen nötig, etwa für die Stromversorgung der Buden.

Fugger: Das wäre natürlich eine Belebung des Areals. Der Platz wäre da. Es hat bereits Gespräche gegeben – und wir sind für weitere offen.

Zur Person: Alexander Graf Fugger-Babenhausen, 36, ist der Nachfolger von Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen. Er verwaltet Immobilien und den Forstbetrieb. Otto Göppel, 55, ist Bürgermeister der Marktgemeinde Babenhausen.

Weitere Berichte zum Babenhauser Fuggerschloss und Zehentstadel lesen Sie hier:

Entsteht am Fuggerschloss bald eine Tiefgarage?
Wann tut sich was am Babenhauser Zehentstadel?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

30.09.2018

Kann mir sehr gut vorstellen, dass man mit dem Fuggerschloss durchaus auch etwas für den Allgäuer Tourismus tun kann. Auf gehts!

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren