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Kellmünz

05.10.2019

Gut durch den Winter: Wenn kleine Igel Hilfe brauchen

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3 Bilder
Igelmütter und Jungtiere sind im Winter besonders gefährdet.

Unsere Mitarbeiterin Zita Schmid aus Kellmünz hat eine Igelfamilie in ihrem Garten entdeckt und bereitet die sie nun auf den Winter vor. Wie man die Tiere unterstützen kann.

Es war an einem frühen Sonntagabend Mitte September. Da sahen wir unsere stachligen, kleinen Gartenbewohner zum ersten Mal. Ein Igelweibchen war mit zwei ihrer Jungen hinterm Haus bei der Regentonne unterwegs. Das war überraschend. Erwachsene Igel hatten wir im Herbst schon öfter im Garten. Aber eine Igelfamilie mit solch kleinem Nachwuchs hatten wir hier noch nie gesehen.

Mit Kamera und Handy schlichen wir heran. Ein paar Bilder gelangen dann auch, aber bald waren sie unter der mit Efeu bewachsenen Regentonne verschwunden. Dort unten vermuteten wir ihr Nest. Da die Igelkinder noch sehr klein waren, machten wir uns schon Gedanken, ob sie wohl noch genügend wachsen und Winterspeck bekommen würden. Schnecken, Käfer und Würmer gibt es in unserem Bio-Garten schon. Aber reicht das, wenn Eis und Schnee heuer früh kommen sollten? Wir könnten ihnen zusätzlich Katzenfutter geben, meinte hier unsere Tochter. Dann war das Thema zunächst mal von Tisch und wir freuten uns über die drolligen Tierfotos.

Gleich fünf kleine Igel machen den Garten unsicher

Am Mittwoch darauf wollte ich am Nachmittag den Rasen mähen. Als ich hinausging, staunte ich nicht schlecht: Im ganzen hinteren Gartenbereich tummelten sich kleine Igel und zwar nicht nur zwei, sondern fünf an der Zahl! Ohne ihre Mama waren die Mini-Igel, die nicht mal so groß wie eine Handfläche waren, unterwegs und schnüffelten mit ihren kleinen Schnauzen den Boden nach Fressbarem ab. Doch wie sollte ich jetzt Rasenmähen? Was, wenn ich die gut getarnten kleinen Wesen dabei unter einem Strauch übersah? Da kam mir eine Idee: Menschenkinder schlafen unter anderem dann gut, wenn sie satt sind. Wieso sollte das nicht auch für Tierkinder gelten? Also holte ich Katzenfutter aus dem Haus – das haben wir für unseren Kater Camillo immer vorrätig. Da es Trockenfutter war, gab ich etwas Wasser dazu.

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Katzenfutter eignet sich auch als Nahrung für Igel. Auf gar keinen Fall sollte man den Tieren jedoch Milch geben. Das kann für sie tödlich enden.

Dann zog ich Handschuhe an. Vorsichtig nahm ich einen der Igelchen und trug ihn zum Futternapf. Seine spitzen Stacheln spürte ich sogar durch die Handschuhe. Die übrigen Igel wurden daher auf einer kleinen Gartenschaufel transportiert. Behutsam setzte ich den Igel, der sich natürlich wieder einrollte, darauf. So transportierte ich einen nach dem anderen zur Futterstelle. Hier ließen sie sich dann nicht lange bitten. Kaum hatten sie das Futter mit ihrer feinen Nase gerochen, vertilgten sie es schmatzend. Und der Plan ging auf: Als sie genug gegessen hatten, verzogen sich alle fünf nacheinander in ihr Nest unter der Regentonne und ließen sich auch die nächsten Stunden nicht mehr blicken. So waren sie vor dem Rasenmäher sicher.

Die Baby-Igel sollen selbstständig werden

Inzwischen sind ein paar Wochen vergangen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass kleine Igel im Garten zu jeder Tages- und Nachtzeit herumlaufen können und wir darauf achten müssen. Sie haben inzwischen auch zugelegt und sind kräftiger geworden. Weiterhin füttere ich sie regelmäßig – ohne es damit zu übertreiben. Denn sie sollen ja lernen, wie sie selbst Nahrung finden.

Ein Tierarzt hat mir inzwischen bestätigt, dass ich mit Katzenfutter alles richtig mache. Wobei er mir idealerweise Nassfutter für Katzenkinder nahegelegt hat. Auch hat er mir angeboten, die Kleinen gegen Würmer, Zecken und Flöhe zu behandeln. Gedanken mache ich mir, dass ich die Igelmutter seit diesem Sonntag nicht mehr gesehen habe. Auch darüber, wo die Igelkinder hingehen, wenn das Nest für alle vielleicht mal zu klein wird. Gibt es genügend Unterschlupf für sie? Und wenn die Jungen unseren Garten verlassen und auf die Straße laufen? Wenn ich könnte, würde ich ihnen auch noch beibringen, dass Einrollen bei Autos nichts bringt.

Expertentipps:

Der Biologe Ralf Schreiber vom Landesbund für Vogelschutz erklärt, wie man hilfsbedürftige Igel erkennt und was man für sie tun kann:

  • Ein gesunder, erwachsener Igel sieht wohlgenährt-rundlich aus und ist rein nachtaktiv. Wenn der Igel mager ist, braucht er menschlich Hilfe. Ob das Tier zu wenig wiegt, kann auch ein Laie an einer Einbuchtung hinter dem Kopf erkennen.
  • Ist ein Igel sehr geschwächt und kann nicht mehr selber laufen, ist echte „Erste Hilfe“ notwendig. Sie besteht darin, ihm mit einer Einwegspritze (ohne Nadel) warmes Wasser, Fenchel- oder Kamillentee ins Maul zu tröpfeln. Danach kann man ihm Futter anbieten. Dafür eignet sich Katzenfutter, das mit Weizenkleie oder Haferflocken gemischt werden kann, ungewürzte gekochte Eier oder ungewürztes angebratenes Hackfleisch.
  • Auf keinen Fall darf man Igeln Milch geben. Das kann bei den Tieren einen tödlichen Durchfall auslösen. Auch Obst, Gemüse, Nüsse oder Rosinen sind für die Fleischfresser ungeeignet.
  • Hat der Igel einen birnenförmigen Körper und stehen seine Augen nicht halbkugelig hervor, sondern sind eingefallen, ist er vermutlich krank. Verdächtig ist auch, wenn das Tier tagsüber nach Futter sucht, röchelt oder hustet, torkelt oder apathisch herumliegt. Solche kranken oder offensichtlich verletzte Igel sollten zum Tierarzt gebracht werden.
  • Schwache oder kranke Igel sind oft unterkühlt und müssen aufgewärmt werden. Dazu eignet sich eine mit lauwarmem Wasser gefüllte Wärmflasche.
  • Sichtbare Zecken und Flöhe können mit einer Pinzette entfernt werden. Aber Achtung: Präparate, die bei Hund und Katze eingesetzt werden, sind für Igel nur bedingt verträglich!
  • So baut man eine Notunterkunft: In einen großen Karton als Nest einen kleineren Karton (mit Loch als Eingang) legen und eine in kleine Fetzen gerissene Zeitung, Holzwolle oder trockenes Laub als Nestmaterial dazugeben.
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