Illertissen

01.04.2014

Handy-Fasten

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Am Montag konnten die Schüler ihre Handys in der Fastentruhe deponieren, die bis Freitag in der Obhut des Sekretariats bleibt. 

Kollegsschüler geben ihr Mobiltelefon für fünf Tage ab

Wer die Fastenzeit wörtlich als Aufruf zum Verzichten versteht, hat heute – über die traditionelle Reduzierung des Speiseplans hinaus – viele Möglichkeiten, sich freiwillig eine Zeitlang einzuschränken. Einige Schüler am Kolleg in Illertissen verzichten von Montag bis Freitag auf ihr Handy – und gewinnen dafür eigener Einschätzung nach fast einen Tag Zeit.

Als Schulgeistlicher wollte Pater Christian Jugendliche dazu ermuntern, in der Fastenzeit auf etwas zu verzichten. Die eigentliche Idee hatte dann Anja Rothdach vom Elternbeirat, indem sie vorschlug, für eine gewisse ohne Handy auszukommen. Ein Vorschlag, der manchen Schüler- oder auch Lehreralltag auf den Kopf stellen kann, wie vergangenen Montag beim Abgeben der Mobiltelefone zu beobachten war. Der Reli-Lehrer selbst ging mit gutem Beispiel voran, musste aber einräumen: „Es fällt mir schon etwas schwer.“

Leichten Herzens hingegen hat Lehrer-Kollegin Elfriede Gehring ihr Handy abgegeben. Um Familie und Bekannte „zu erziehen“, wie sie schmunzelnd sagt, weil sie für alle wie selbstverständlich erreichbar ist: „Das ist dann wie fünf Tage Urlaub.“ .

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Der Abgabestand mit Fastentruhe und Schulsekretärin Michaela Schindler als Hüterin der sorgfältig eingewickelten und beschrifteten Handys ist im Flur direkt an den Ausgängen aufgebaut. Wer in die Pause will, wird mit der Fastenaktion direkt konfrontiert. Dazu gibt ein farbiges Plakat Info-Daten und Gedanken zum Fasten-Thema bekannt: „Schaffe das Unmögliche..., und gewinne Zeit“, ist es überschrieben.

Viele bleiben stehen, halten das Handy-Fasten für eine gute Idee, um letztlich doch weiter zu gehen. Nicht so Luca Stetter, 17, der mitmacht in dem Wissen, sein Telefon „eher zu häufig“ zu benützen. Und Bojan Bozinoski, 11, verzichtet für fünf Tage auf Handy-Unterstützung bei Schule, Spaß und Klarinettenunterricht. Der dreizehnjährige Tilmann Tausch hat sich selbst einen kritischen Umgang mit dem Handy verordnet und ist deshalb gerne dabei. Yannic Bachmann macht mal Handy-Pause und verzichtet damit auf die vielfach genutzte Kontaktmöglichkeit zuFreunden, und Maxi Kempter hat das Gerät schlichtweg vergessen und sich deshalb fest vorgenommen: „Ich werde es daheim extra weit weg legen, um nicht in Versuchung zu geraten“.

Die Ausbeute umfasst etwa 25 Handys und Pater Christian zeigt sich zufrieden, als er die Truhe abschließt: „Es hat sich bewahrheitet, der Handy-Verzicht ist nichts für Softies.“ Wie weit die Abhängigkeit gehen könne, mache die Selbsteinschätzung der Schüler deutlich. Bei einem siebentägigen Handy-Fasten würde sich der gefühlte Zeitgewinn auf einen ganzen Tag summieren, hat der Reli-Lehrer im Unterricht erfahren. „Umgerechnet wären das etwa drei Stunden pro Tag“, so der Pater, „das ist nicht ganz unrealistisch.“ Die gewonnene Zeit eröffne neue Spielräume, „um sich anderen Menschen zu widmen oder auch den eigenen Draht nach oben zu polieren“. Zumindest bis Freitag, weil da die Geräte wieder abgeholt werden.

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