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Illertissen

01.04.2013

Historie des Leidens und Sterbens Jesu

Markus Hubert, sein Kammerchor und die Solisten Manuel Krauß, rechts, Evangelist und Tobias B. Freund, Christus, links, sorgten in St. Martin für eine eindrucksvolle Aufführung der Matthäus-Passion von Heinrich Schütz.
Bild: Otto Mittelbach

Matthäus-Passion von Heinrich Schütz ein würdiger Konzertbeitrag zum Karfreitag in St. Martin Illertissen

Erstmals erklang in St. Martin in Illertissen die großartige Matthäus-Passion von Heinrich Schütz, die bedeutendste Vertonung des Textes vor der des 100 Jahre später geborenen Johann Sebastian Bach. Wenn ein Vergleich erlaubt ist, dann ließe sich sagen, dass der Thomaskantor ein farbenreiches Tongemälde schuf, während sich sein Vorgänger in Dresden auf einen prägnanten Holzschnitt beschränkte. In seiner responsorischen Passion spart er nicht nur instrumentale Begleitung aus – die war bei den Aufführungen in den Hofgottesdiensten nicht erlaubt – auch beim Rezitationston selbst begnügt er sich mit kleinerem Tonumfang. Und doch verbindet er mit der gregorianischen Grundtonart Mollanklänge und somit zwei Strömungen der Musikgeschichte.

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Für die gewichtigen Solopartien hatte Kirchenmusiker Markus Hubert zwei kompetente Sänger verpflichtet, die selbst bereits, neben solistischer Tätigkeit, als Stimmbildner und Lehrkräfte wirken und mit reifen Leistungen überzeugten.

Manuel Krauß, Bariton, verkündete den Evangelistentext mit gemessenem Ausdruck und klarer, leicht ansprechender Stimme. Vom geschilderten Geschehen zeigte er sich an gewichtigen Stellen selbst sichtlich berührt, was sich in besonderem Tonfall bei Worten wie „sie wurden sehr betrübt“ oder hektischen Akzenten bei „da zerriss der Hohepriester seine Kleider“ ausdrückte. Höhepunkt des Vortrags war die Schilderung des Geschehens um die neunte Stunde, da Jesus laut schrie und der Vorhang im Tempel zerriss. Tobias B. Freund setzte als Christus angenehm timbrierte sonore Klangmittel ein und vereinte glaubhaft menschliche und göttliche Züge in seinem Part, der von erhabener Größe, aber auch von Todesangst zeugte und im berühmten, dreifach aufsteigenden „Eli, lama asabthani“ kulminierte.

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Für die Turba-Chöre der Jünger, der Hohepriester, der Schriftgelehrten und Ältesten des Volkes, für die Kriegsknechte und „den ganzen Haufen“ fand Heinrich Schütz äußerst knappe, in ihrer sprachlichen Deutung als motettische Form oder Annäherung an die frühe italienische Oper unterschiedlichste musikalische Übertragungen. Der sehr gut vorbereitete Kammerchor bot sie prägnant, wobei sich, durch Huberts Vorliebe für zügige Tempi be-dingt, Hohn, Spott, Grausamkeiten mit besonderer Schärfe ausdrückten. Auch die übrigen Solopartien des Kaiphas, Petrus, Pilatus, der „zween Zeugen“, die sich aufgeregt im Kanon hervortaten, die der Mägde und anderer wurden von Mitgliedern des Chores gekonnt ausgefüllt, wobei die hoch liegende Tenorpartie des Judas eine Frauenstimme übernahm.

Die letzte Strophe des Passionsliedes „Ach, wir armen Sünder“, „Ehre sei dir Christe, der du littest bittre Not“, einzige Zutat Schützens zum Evangeliumstext, beendete den würdevollen Vortrag dieses einzigartigen Meisterwerkes.

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