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Illertissen

15.05.2019

Humoristische Lesung im Klepper-Haus begeistert Zuhörer

Monika Bothe, Karl-Heinz Wieland und Bettina von Westphalen illustrieren Texte von Eugen Roth.
Bild: Langhans

In Illertissen geht es um Musik und Lyrik. Das zieht auch jüngere Besucher an.

Es mag nicht jedermanns Sache sein, in Selbstironie die eigenen Schwächen bloßzustellen. Doch in den geschliffenen Reimen Eugen Roths (1895 bis 1976), zumeist mit dem unverbindlichen Titel „Ein Mensch“, waren sie ein gern gehörtes Thema in der Reihe „Musik und Lyrik“ im evangelischen Jochen-Klepper-Haus in Illertissen. Pfarrerin Susanne Scharrer freute sich über den vollen Saal, darunter zahlreiche „jüngere Gesichter“, wie sie feststellte: „Schön, dass der Humorist und Lyriker uns nach über 60 Jahren noch etwas zu sagen hat.“

Und tatsächlich: Die dezent szenisch vorgetragenen Texte von Bettina von Westphalen und Karl-Heinz Wieland, unterbrochen von schwelgerischen Melodien auf dem Akkordeon mit Monika Bothe und Renate Wiese, erreichten das Publikum. Schließlich hat der Autor die ganze Palette an Gemütsregungen, Befindlichkeiten oder Momenten im Leben eines Menschen poetisch aufgearbeitet – und dabei so unverbindlich wie spitzfindig aufgespießt. Auch interessant, ist diese kulturelle Veranstaltung: Aufführung der historischen Marienvesper fasziniert das Publikum

Lesung in Illertissen: Warten auf Pleiten und Pannen

„Ein Mensch...“, so beginnen die meisten Gedichte und das Publikum ist gespannt auf Pleiten oder Pannen. Sei es, dass sich der Mensch nicht zwischen zwei Warteschlangen entscheiden kann und am Ende nirgends dran kommt. Oder aus Höflichkeit die Tram verpasst, weil er seinen Freund trifft. Der aber steigt bedauerndernden Blickes in die Bahn ein, die er keinesfalls verpassen will. Ertappt fühlen können sich Geizige, wenn sie aus Sparsamkeit auf Qualität verzichten und Angeber, indem sie Versprechen nicht einlösen. Mancher Vers will trösten, etwa Albtraum-Geplagte: „Was nützt der schönste Schrecken, kann er zur rechten Zeit nicht wecken.“ Die Vortragenden weisen sich auch innerhalb der Texte Sprecherrollen zu, was dem Ganzen Dramaturgie verleiht. Dabei gilt: „Ein Mensch“ ist stets der andere – selbst wenn in dessen Fehlern das eigene Spiegelbild aufgezeigt wird. Es „menschelt“ bei Eugen Roth, und das sorgt für Beifall. Dazu passte das luftige Hin- und Herjonglieren der Musiker: Swing, Blues, Jazz oder Musette, immer mit Passion.

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