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Vöhringen

11.10.2011

„Ich wollte, dass er leidet“

In Memmingen stand eine Vöhringerin vor Gericht wegen versuchter Anstiftung zum Mord.

Justiz Zweifache Mutter wegen versuchter Anstiftung zum Mord verurteilt

Von Stephanie Sartor

„Die Katze liegt im See“ – das hätte der Code sein sollen, wenn beim Mord am Vater ihrer Tochter alles glatt gelaufen wäre. Eine 23-jährige Vöhringerin hatte einen Freund aufgefordert, ihren Ex-Mann aus dem Weg zu räumen und ihr danach Bescheid zu geben. Den Sekt, den sie dann trinken wollte, hatte sie schon bereitgestellt. Aber es kam anders. Denn statt zum geplanten Mordopfer zu gehen, fuhr der Freund der jungen Frau nach Hause. Nach einer schlaflosen Nacht ging der 27-Jährige zur Polizei. Deswegen saß die Vöhringerin gestern wegen versuchter Anstiftung zum Mord vor dem Memminger Schwurgericht.

Angst, dass das Kind nach Pakistan entführt wird

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Gleich zu Beginn der Verhandlung gab die Frau alles zu: „ Ich war einfach total neben der Spur“, sagte sie unter Tränen. 2006 habe sie ihren damaligen Mann kennengelernt, 2008 wurde eine gemeinsame Tochter geboren. Doch die Ehe zerbrach. „Ich konnte nicht mit ihm leben.“ Er sei gewalttätig gewesen und habe sie sogar vergewaltigt. Das konnte dem Mann aber nie nachgewiesen werden. Vor Gericht wurde er freigesprochen. „Ich hatte außerdem Angst, dass er mein Kind nach Pakistan entführt. “ Ihr Ex-Mann sagte vor Gericht aus, er habe seiner Frau nie Gewalt angetan. Und einen Grund zu flüchten hatte er auch nicht. „Ich bin seit 2000 in Deutschland und möchte hier bleiben.“ Was folgte, waren zähe Verhandlungen vor dem Familiengericht wegen des Umgangsrechts mit der Tochter. Dass er das Kind sieht, wollte die Mutter um jeden Preis verhindern.

Doch das waren nicht die einzigen Sorgen der jungen Vöhringerin, die weder die Hauswirtschaftsschule noch eine Lehre zur Bäckerin beendete. 2009 lernte sie in einer Sendener Disko ihren neuen Freund kennen – eben jenen Mann, den sie im März 2011 anstiften sollte, ihren Ex-Mann zu ermorden. Auch von ihm wird sie schwanger. Und auch mit ihm gibt es Streit um das Sorgerecht. „Er ist nicht gut für meine Tochter.“ Ihr damaliger Freund kann das nicht verstehen. „Sie ist ein schwieriger Mensch, launenhaft und hysterisch. Aber ich wollte ihr ein Halt in schwierigen Situationen sein“, sagte er im Gerichtssaal. Diese Gefühle ihres Freundes, mit dem sie zwar nicht mehr zusammen war, aber immer noch sexuellen Kontakt hatte, hat die junge Frau nach Ansicht von Richterin Brigitte Grenzstein ausgenutzt, als sie ihn gebeten hatte, ihren Ex-Mann zu ermorden. Außerdem wusste sie, dass er über 30000 Euro Schulden hatte, als sie ihm 8000 Euro für die Tat anbot. Das Geld, insgesamt 33000 Euro, stammt aus der Lebensversicherung ihres Vaters. Um weiterhin Hartz IV beziehen zu können, ließ die Frau das Geld auf das Konto ihrer Mutter überweisen, die es abhob und ihrer Tochter gab. Die versteckte es dann in ihrer Kommode, weshalb sie gestern zudem wegen Betrugs verurteilt wurde.

Aus dieser Kommode habe sie einen Umschlag mit 500-Euro-Scheinen geholt, als sie ihn zum Mord an ihrem Ex-Mann anstiften wollte, erinnert sich ihr ehemaliger Freund. „Ich hatte Angst, dass sie mich austricksen will. Also bin ich zum Schein auf ihr Angebot eingegangen. Aber ich habe ihr gesagt, dass sie mir das schriftlich geben soll.“ In einer E-Mail schreibt die Vöhringerin: „Ich will, dass er leidet. So wie ich gelitten habe.“ Die Tötung solle nicht schnell erledigt sein, er solle gequält werden.

Für Staatsanwältin Susanne Fritzsche, die eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten forderte, war der Fall klar: „Hier liegt ein schweres Verbrechen vor. Glücklicherweise ist nichts Schlimmeres passiert.“ Verteidiger Karl-Heinz Seidl stellte zwar infrage, ob ihr Ex-Mann tatsächlich unschuldig sei, wie das Gericht glaubte, forderte aber auch drei Jahre und acht Monate Haft für seine Mandantin.

Richterin Brigitte Grenzstein verurteilte die Frau schließlich zu drei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe. „Sie erhalten jetzt in der Haft die Chance, an ihren Problemen zu arbeiten und danach eine verantwortungsvolle Mutter für ihre Kinder zu sein.“

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