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Illertissen
25.07.2019

Rabatt-Schlacht im Internet bringt Illertisser Händler in Bedrängnis

Er ist inzwischen vielen Käufern in Deutschland ein Begriff – auch in Illertissen. Gegen Rabattschlachten im Online-Handel wollen hiesige Händler nun mobil machen. Kunden können sich wohl auf einige Aktionen freuen.

Verkaufsschlager wie der weltweite „Black Friday“ machen es Kaufleuten in Illertissen schwer. Die Suche nach Gegenmaßnahmen läuft: Auch das „Schaufenster“ spielt eine Rolle.

Er lässt die Kassen klingeln und bringt EC-Karten-Lesegeräte an die Grenzen der Belastbarkeit: Der „Black Friday“ markiert in den USA den Start in das Vorweihnachtseinkaufsgeschäft. Aber längst nicht mehr nur dort: Weltweit liefern sich Händler Rabattschlachten und auch der Online-Handel boomt. Das bekommen die Einzelhändler zu spüren, auch in Illertissen. Immer mehr Menschen kaufen per Mausklick und Fingerwischen ein, lassen die örtlichen Geschäfte aber links liegen. Darum ging es bei einem Treffen der Illertisser Werbegemeinschaft. Deren Mitglieder überlegen, wie sie die Menschen in die Läden locken können. Es gibt bereits Ideen: Kunden können sich wohl auf einige Aktionen freuen.

Auer Bimmelbahn brachte Kunden in die Stadt

Die Auer Bimmelbahn ist durch Illertissen gefahren – und hat zahlreiche Menschen in die Innenstadt gebracht. Mit der Resonanz auf den Einkaufssamstag vor zwei Wochen sind die teilnehmenden Händler zufrieden, auch wenn die Einnahmen die Einbußen wegen der gesperrten Vöhlinstraße wohl nicht aufwiegen. Die Dauerbaustelle ist aber nur eine Herausforderung: Die Einzelhändler sehen sich insgesamt schweren Zeiten gegenüber. Als großes Problem wird die mächtige Konkurrenz durch den florierenden Online-Handel gesehen. Es scheint also immer wichtiger zu werden, den Kunden mehr zu bieten, als „nur“ Waren und Beratung.

Die Verbraucherschutzminister der Länder planen höhere Hürden für die Eröffnung eines Online-Shops.
Foto: Jens Büttner (dpa)

Um die Mittagszeit war das Modehaus voll: „Eigentlich untypisch für einen Samstag“, sagt Adrian Nas, der Inhaber des Modehauses Rimmele in Illertissen. Er zieht eine positive Bilanz zum Einkaufssamstag. Aus seiner Sicht ist es wichtig, den Menschen besondere Aktionen zu bieten. „Es ist gut, wenn Leben in der Stadt ist.“ Die Zeiten seien vorbei, in denen die Leute ihren Lohn gleich in der nächsten Stadt beim Einkaufsbummel ausgegeben hätten. Nas: „Heute geht es nur noch: Klick, Paket, nächster Klick, nächstes Paket.“ Die Illertisser Händler müssten gezielt junge Leute ansprechen, die über klassische Werbemedien wie Flugblätter kaum zu erreichen seien. Laut Nas könnten Videos auf angesagten Online-Portalen wie Instagram verbreitet werden. Die Beiträge ließen sich so steuern, dass sie in Illertissen und Umgebung angezeigt würden.

Textilien-Händler spüren den "Black Friday"

Bei Betten-Baumgärtner sind die Folgen des „Black Friday“ durchaus spürbar: „Bei den Textilien merken wir das“, sagt Geschäftsführer André Baumgärtner, der zweite Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Er schlägt vor, ein Video produzieren zu lassen, in dem sich die Geschäfte und Unternehmen gemeinsam präsentieren. Auch er geht davon aus, dass den Kunden etwas geboten werden muss. Entsprechende Aktionen könnten unter dem Motto „Erlebe etwas – gehe offline shoppen“ stehen. In Illertissen sei eine „lange Einkaufsnacht“ denkbar. Andernorts käme die gut an.

Am Wochenende hat sich die Illertisser Innenstadt zu einem riesigen „Schaufenster“ verwandelt. Beim Streifzug durch die Geschäfte gab es auch viel Möglichkeit zum Spielen, Toben und Klettern wie auf dem Marktplatz.
Foto: Regina Langhans

Die Liebe zwischen Kunde und Händler kann durch den Magen gehen: Darauf spielt Nicola Richter, die Leiterin des Anzeigenverkaufs unserer Zeitung und Beisitzerin in der Werbegemeinschaft, an. Ein Heft mit dem Titel „Geheimrezepte“ sei auf große Aufmerksamkeit gestoßen. Darin stellen Geschäftsinhaber ihre Lieblings-Kochrezepte vor – und gleichzeitig ihre Unternehmen. „Das ist etwas Persönliches und das kommt gut an“, so Richter. Eine Neuauflage könne vor dem „Black Friday“ in Umlauf gebracht werden. „Wenn jeder online einkauft und wir erst drei Wochen später kommen, interessiert das keinen mehr.“ Dass die potenziellen Kunden Geld ausgeben wollten, belegten immer neue Verkaufsrekorde von Handelsriesen wie Amazon.

Stadt Illertissen soll Start-Ups unterstützen

Die Händler wollen von der Stadt wissen, ob Start-Up-Unternehmen gezielt unterstützt werden könnten. Konkrete Pläne gebe es nicht, sagt dazu Henning Tatje vom Stadtmarketing. Er werde das Thema weiterverfolgen. Sein Vorschlag um weiteren Schwung ins Handelsleben zu bringen: Der Abschluss der Baustelle in der Vöhlinstraße (nach aktuellem Stand wohl im Oktober) soll mit einer Aktion gefeiert werden.

Werbegemeinschaft setzt weiter aufs "Schaufenster"

Viele Menschen nach Illertissen locken – das ist auch das Ziel der Handelsschau „Schaufenster“. Das klappt nach Einschätzung der Werbegemeinschaft gut, auch dank Bungee-Trampolin, Hüpfburg und Co. Essenziell ist aus Sicht der Händler jedoch der dazugehörige verkaufsoffene Sonntag: „Den Samstag allein kann man vergessen“, sagt etwa Baumgärtner.

Ob die Läden aber weiter am Sonntag öffnen dürfen, war zuletzt unklar. Gegner der Sonntagsarbeit hatten die Erlaubnis 2018 kurzfristig angezweifelt – und Recht bekommen. Die Veranstaltung war aber nicht mehr zu stoppen. Wie es weitergeht, will die Werbegemeinschaft nun prüfen lassen: „Wir beantragen den verkaufsoffenen Sonntag und sehen, was passiert“, sagt Vorsitzender Rainer Weikmann. Die entsprechende Satzung soll geändert werden, um rechtlichen Einwänden vorzubeugen. Geht alles glatt, sollen weitere Attraktionen zum „Schaufenster“ hinzukommen.

Bimmelbahn und volle Läden - das war beim Einkaufssamstag geboten: „Live im Sperrbezirk“: So war der Auftakt zwischen Bimmelbahn und Rock‘n‘Roll

Dürfen die Läden sonntags öffnen oder nicht - wie es um die Zukunft des Illertisser "Schaufensters" steht:

Das war das Illertisser "Schaufenster" 2018:

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