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Illertissen
21.08.2019

Schwabenbühne: Wie der Mensch zum Vampir wird

Die Maske: Um den Grafen Dracula zu geben, muss sich Josef Hutzler besonders aufwendig schminken. Es gilt, jede Gesichtsfurche schwarz nachzuziehen. Auch das Mikrofon hat er sich bereits angeklebt, wie am Kabel zu erkennen ist.
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Die Maske: Um den Grafen Dracula zu geben, muss sich Josef Hutzler besonders aufwendig schminken. Es gilt, jede Gesichtsfurche schwarz nachzuziehen. Auch das Mikrofon hat er sich bereits angeklebt, wie am Kabel zu erkennen ist.
Foto: Regina Langhans

Die Schauspieler der Illertisser Schwabenbühne lassen hinter die  Kulissen blicken. Sie erklären, welche Rolle Maske und Kostüm für ihren Auftritt spielen.

Fratzenhafte Gesichter, flatternde Gewänder, flackerndes Licht – für den gruselig-wohligen Schauer im Publikum ist der Vampirfamilie um Fürst Dracula kein Aufwand zu groß. Maske, Kostüm, Licht, das ganze Konzept ist raffiniert ausgetüftelt, um aus Menschen blutsaugende Untote zu machen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Dort geht es fast genauso spannend zu wie auf der Bühne.

So führt für die Darsteller der Schwabenbühne der Gang „hinter die Kulissen“ direkt in die alte Tenne. Da spielt sich alles ab, die Verwandlung vom Mensch zum Vampir, damit auf der Freilichtbühne die Gruselkomödie „Dracula“ spielen kann. Maske und Kostüm sind die offenkundigsten Zeichen der Verwandlung – und die zeitaufwendigsten. Josef Hutzler alias Fürst Dracula kommt gut zwei Stunden vor Beginn der Aufführung. Er nimmt sich Zeit, um in seine große Rolle zu schlüpfen.

Maskenbildnerin erzieht die Mimen zur Selbstständigkeit

Zuerst kommt das Gesicht dran. Maskenbildnerin Martina Breitruck erzieht die Mimen zur Selbstständigkeit. Hutzler erklärt: „Auf einer Gesichtshälfte macht sie uns das Schminken vor, auf der anderen malen wir nach.“ Der Grundteint für alle Untoten sei weiß, sagt er. Er legt ihn auf Gesicht, Hals und zuletzt an den Händen auf. Dann werden sämtliche Falten schwarz nachgezogen und die Mundhöhle geschwärzt. Die Lippen werden blutrot. Abschließend setzt sich Hutzler mit Haftcreme auf jeden Eckzahn eine Vampirkrone auf. Es sind Spezialanfertigungen aus dem Dentallabor. Hutzler erzählt, dass sie vergeblich andere Lösungen ausprobiert hätten: „Letztlich hat Schauspielerkollegin Daniela Dirr als ausgebildete Fachfrau von uns allen einen Zahnabdruck gemacht.“ Trotzdem erfordere das Sprechen mit dem Vampir-Gebiss gewisse Übung.

Dann kommt seine Lockenpracht dran. Ein halbes Jahre habe er dafür auf den Friseur verzichtet. Das Toupieren überlässt er Mitspielerin Eva Schneider. Zuletzt legt er schwarze Gewänder an, einschließlich Faltenrock und Halskrause. Was am schwierigsten an der ganzen Prozedur sei? „Das Schminken, zumal wir Herren nicht gewohnt sind, so lange vor dem Spiegel zu stehen“, lässt Dracula im nunmehr schon schaurigen Tonfall vernehmen.

Dennoch hat jede der Gruselgestalten so ihre Eigenheiten. Edgar Thoma fühlt sich in seine Rolle als Vampir-Opa hineinversetzt, sobald er das Gelände der Schwabenbühne betritt. Und Andrea Träger hat festgestellt: „Ich brauche meine Perücke auf dem Kopf, dann bin ich in der Rolle der Gräfin angekommen.“ Sie hält mit einem Band ihre Haare zurück, setzt den Kopfschmuck auf und steckt ihn an dem Band fest. Die Maskenbildnerin hat die Hochfrisur vorab dauerhaft zusammengesteckt.

Die Vampirzähne: Edgar Thoma, Opa der Gruselfamilie, ist bereit, zuzubeißen.

Schwabenbühne in Illertissen: Kaltweißes Licht erhöht den Gruselfaktor

Ihre Garderobe hat sich die Vampirfamilie aus dem reichen Fundus der Schwabenbühne, auf Flohmärkten und im Internet bedient. Als Kostümverwalterin fiel es Ulrike Tiefenbach nicht schwer, sich nach den Vorgaben von Regisseurin Mascha Pitz zu richten: „Flatternde, abstehende Stoffe in Schwarz, dazu Fransen, Spitzen, Tüll und Kreativität waren da gefragt.“ Und viele Accessoires wie Ketten, Gürtel, Handschuhe, Hosenträger Gürtel. Das Zusammenstellen habe allen großen Spaß gemacht hat, berichtet Tiefenbach. So gab es auch keine Hemmungen, Faltenröcke zu zerschneiden oder Miniröcke zu Halskrausen zu verarbeiten.

Bleibt noch die Kunst der Beleuchtung. Schwabenbühnen-Vorsitzender Dirk Tiefenbach kennt die Tricks und Tipps: „Strahler von der Seite machen die Konturen des Gesichts schärfer.“ Enthält das Licht viele Blautöne, wirke die Szene kälter. Umgekehrt vermittelten mehr Rotanteile Wärme. Kaltweißes Licht erhöhe beim Auftritt der Vampire den Gruselfaktor, mittels Strahler ließen sich die Blicke des Publikums lenken. Tiefenbach sagt: „Licht beeinflusst die Stimmung.“

Die Vampire wären keine solchen, zeigten sie nicht überzeugende Bühnenpräsenz. Regisseurin Pitz hat sich bei ihrem Gesamtkonzept auch dazu Gedanken gemacht, wie sie sagte. So lässt sie die Untoten auf ihrer Suche nach Blut als aufrührerisch grummelnde Horde mit stereotypen Gesten über das Bühnengelände kreisen: echt gruselig!

Termine: Weitere Aufführungen finden von Mittwoch, 21. August, bis Samstag, 24. August, jeweils um 20.30 Uhr statt.

Wie die Premiere von "Dracula" auf der Schwabenbühne lief, lesen Sie hier: Schwabenbühne: Gruselkomödie "Dracula" kann sich sehen lassen

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