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Illertissen ist nicht Wuhan

Illertissen ist nicht Wuhan
Kommentar Von Rebekka Jakob
08.05.2020

Plus Die Tierschutzorganisation Peta fordert die Abschaffung des Geflügelmarktes in Illertissen. Damit erweist die Organisation ihrer Sache einen Bärendienst.

Sind Sie für Tierschutz? Kaum einer, der diese Frage mit „Nein“ beantworten würde. Wenn sich aber die Tierschutzorganisation Peta zu Wort meldet, sieht es mit der Zustimmung meist nicht mehr so groß aus. So geschehen auch diese Woche, als die Organisation forderte: Der traditionelle Geflügelmarkt in Illertissen möge für immer geschlossen werden, forderte Peta von Bürgermeister Jürgen Eisen.

Dabei hatte sich die Organisation nicht einmal die Mühe gemacht, mit den Verantwortlichen des Geflügelmarktes, dem Illertisser Züchterverein, geschweige denn dem Rathaus Kontakt aufzunehmen. Und in Natura gesehen hat von den Peta-Sprechern mit ziemlicher Sicherheit auch noch keiner die Illertisser Traditionsveranstaltung. Warum eigentlich? Zwar ist der Geflügelmarkt derzeit coronabedingt nicht geöffnet, doch in den vergangenen Jahrzehnten war er praktisch jeden Sonntag offen zugänglich.

Kritik am Geflügelmarkt: Warum gerade jetzt?

Dass die Tierschutzorganisation ausgerechnet jetzt, in einer Zeit, in welcher der Markt ohnehin seine Tore geschlossen halten muss, mit der Forderung nach einem endgültigen Aus um die Ecke kommt, wirkt irgendwie so, als ob auch bei Peta durch die derzeitigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens ein wenig Flaute ist, was die Themen angeht. Normalerweise fällt Peta nämlich dadurch auf, dass Zirkusbetreiber für ihre Tierhaltung kritisiert werden oder Hobbyangler bei ihren Jahresversammlungen beim Königsfischen besonders große Exemplare aus dem Wasser gezogen haben. Doch Zirkusse können derzeit ebenso wenig ihre Manegen öffnen wie Fischereivereine ihre Gemeinschaft pflegen. Ist also das der Grund, dass man sich bei den Tierschützern ausgerechnet Illertissens Geflügelzüchter herausgepickt hat? Es war halt gerade nichts anderes da, wogegen man protestieren könnte.

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Und weil bei der Coronakrise ein Tiermarkt in China als Ausgangspunkt der Pandemie gilt, lag der Vergleich mit dem kleinen schwäbischen Züchtermarkt nahe – zumindest aus der Sicht von Peta. Doch Illertissen ist nicht Wuhan – dafür hätte schon ein einziger Blick auf den ehrenamtlich geführten kleinen Markt gereicht. Es gibt es in der Region ganz andere Probleme, die Tierschützer eigentlich viel hellhöriger werden lassen sollten. In Nordholz nimmt ein Unbekannter einfach so ein Kälbchen von einer Weide mit. In Dietenheim schießt ein Täter mit einem Luftgewehr auf eine Katze. Und in Altenstadt tötet ein Tierquäler ein Zwergkaninchen. Alles Fälle dieser Woche.

Peta hat aufs falsche Pferd gesetzt

Wenn es den Verantwortlichen von Peta darum geht, grundsätzlich mehr für den Tierschutz zu tun, setzen sie mit ihren scheinbar plakativen Aktionen aufs falsche Pferd. Denn die Angriffe gegen Zirkusbesitzer, Angelfreunde oder jetzt Geflügelzüchter ernten in der Regel mehr Kopfschütteln als Zustimmung. Und sie sind nicht geeignet, die Menschen grundsätzlich zu mehr Achtung und Respekt vor Lebewesen zu bewegen. Ein bisschen weniger plakative Forderungen, die nicht aufgehen – und ein bisschen mehr hinterfragen und Basisarbeit würden nicht nur der Tierschutzorganisation guttun – sondern vielleicht sogar reales Tierleid verhindern helfen, wie es diese Woche in der Region passiert ist. So aber hat Peta seiner eigenen, guten Sache einen Bärendienst erwiesen.

Was die Verantwortlichen des Illertisser Marktes zu der ganzen Sache sagen, lesen Sie hier:

Tierschützer fordern Schließung des Geflügelmarktes in Illertissen

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