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Illertissen

11.10.2019

Illertisser Kindergartenleiter spricht über Klischees im Job

Michael Rotter leitet die neue Kindertagesstätte „Stadtpiraten“ in Illertissen. Übergangsweise befindet sie sich im alten Gebäude der Lechwerke.
Bild: R. Langhans

Michael Rotter leitet die neue Kindertagesstätte „Stadtpiraten“ in Illertissen. Was der Boxer und Biker über Männer in Frauenberufen denkt.

Wenn die Kindertagesstätte der „Stadtpiraten“ in Illertissen an der Mozartstraße zum Jahreswechsel fertig ist, gibt es gleich zwei Gewinner: Die Stadt kann die große Nachfrage an Betreuungsplätzen besser bedienen – und Michael Rotter ist offiziell vom Erzieher zum Leiter aufgestiegen. Dabei betritt der 38-Jährige Neuland: Er ist der erste männliche Leiter eines Kindergartens in Illertissen. Er hat die Aufgabe, die Einrichtung in der Mozartstraße mit Geist und Leben zu füllen. Vorläufig steht noch das alte Haus der Lechwerke zur Verfügung.

Kindergärtner ist Michael Rotters Traumberuf

Rotter ist zwar noch nicht lange in leitender Position, doch er sitzt mit gewinnendem Lächeln da und erzählt von seinem Traumberuf. Das tut er vergleichsweise sachlich und kurz. Unvermittelt kommt seine Frage: „Was wollen Sie noch alles wissen? Typisch Mann, oder?“ Nach einer guten halben Stunde scheint alles gesagt – über Männer in Frauenberufen, über Kindererziehung und über ihn selbst.

Michael Rotter wirkt entspannt, sympathisch, aber auch zielorientiert. Er fügt sich so gar nicht in das Bild vom überfürsorglichen Pädagogen, das mancher im Kopf haben dürfte, wenn es um Männer und Erziehung geht. „Ich bin ein Mann und reagiere auch so“, sagt Rotter, wiederum lächelnd, aber ohne Umschweife. An solche Vorbehalte hat sich der Erzieher gewöhnt. Geduldig antwortet er auch auf die Fragen besorgter Eltern. Und zeigt großes Verständnis für anfängliche Bedenken: „Ich wäre vielleicht auch vorsichtig, wenn ich mein kleines Kind in die Obhut eines Mannes geben sollte.“

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Kinder brauchen Männer und Frauen

Rotter findet, dass es einen Unterschiede macht, ob eine Erzieherin oder ein Erzieher mit den Kindern arbeitet – auch wenn beide letztlich die selben Ziele verfolgen. „Zum Aufwachsen brauchen die Kleinen die Erfahrung mit Männern und Frauen.“

Rotter wurde in Weißenhorn groß und lernte zunächst den Beruf des Industriemechanikers. Als sein Arbeitgeber pleite ging, hing Rotter gewissermaßen in der Luft. Er folgte einer Empfehlung und absolvierte ein Praktikum im städtischen Kindergarten in Au. Der damals 22-Jährige entdeckte neue Seiten an sich, da wollte er weitermachen. „Es hat mir total gefallen, mit Kindern Zeit zu arbeiten.“ Rotter machte eine Ausbildung zum Kinderpfleger – als einziger Mann in seiner Klasse. Das habe sich mehr oder weniger so fortgesetzt in seiner beruflichen Laufbahn, sagt er. „Es macht mir nichts aus, in der Minderzahl oder gar der einzige Mann zu sein.“ In seinem Kollegenkreis (besser: Kolleginnenkreis) gebe es auch heute nur Frauen. Und weil mit neuen Schützlingen auch die Eltern wechseln, muss er häufig die gleichen Fragen beantworten.

Das sind Rotters Ziele für den neuen Kindergarten

Dem Liselotte-Forster-Kindergarten in Au ist Rotter bis zuletzt treu geblieben. „Schon aus Dankbarkeit“, sagt er. Dort habe er seinen Traumberuf kennengelernt und die Stadt habe ihm die beruflichen Perspektiven in Form einer Weiterbildung zum Erzieher gewährt.

Nun freut er sich auf die Arbeit mit den „Stadtpiraten“. Er denkt an eine Art Projekt-Kindergarten. Es sollen Themen gefunden werden, die die Kinder fit machen für den Schulalltag. Dass man sich Ziele setzt, hält Rotter für wichtig. Er verrät sein persönliches Credo: „Ich liebe meinen Beruf, weil es schön ist zuzusehen, wie die Kinder dazulernen und sich entwickeln.“

Was er gar nicht leiden könne, sei Mobbing in der Schule. „Ich habe das Glück gehabt, so etwas niemals erleben zu müssen.“ Die Kleinen will er stark machen, damit sie sich davor schützen können.

Einen Ausgleich zum Berufsalltag findet Rotter, der verheiratet ist und zwei Ziehkinder hat, im Motorradfahren und im Boxen. Das kommt ihm im Job zu Gute. Er sagt: „Als Erzieher tobe ich mit den Kindern ganz anders herum als meine Kolleginnen.“

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