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Babenhausen

14.09.2018

In Babenhausen herrscht Handlungsbedarf bei der Kinderbetreuung

In den Babenhauser Kindergärten ist es eng geworden – und die Nachfrage an Plätzen steigt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Die vier kommunalen Kindergärten in Babenhausen stoßen an ihre Grenzen. Eine Expertin des Landratsamts hat einen Blick in die Zukunft geworfen – und rät, zügig etwas zu ändern.

Was die Markträte schon geahnt haben, liegt ihnen nun schwarz auf weiß vor: Die Babenhauser Kindergärten stoßen an ihre Grenzen. Alle vier kommunalen Einrichtungen sind voll – manche sogar mehr als voll, zieht man die Einschätzung einer Fachberaterin vom Landratsamt Unterallgäu zurate. Sie hat analysiert, wie ausgelastet die Babenhauser Angebote zur Kinderbetreuung sind. Und vor allem: Mit welchem Bedarf in naher Zukunft (bis 2021) zu rechnen ist. Das Ergebnis ist deutlich: Es herrscht dringender Handlungsbedarf.

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen im Fuggermarkt hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Bürgermeister Otto Göppel nennt mehrere Ursachen: Einerseits steigen die Geburtenraten. Andererseits wollen oder müssen Frauen heutzutage nach der Geburt früher wieder in ihren Job einsteigen. Außerdem haben sich gesetzliche Rahmenbedingungen verändert, zum Beispiel was den Anspruch auf einen Betreuungsplatz oder eine Kostenübernahme im letzten Kindergartenjahr anbelangt.

Gleichzeitig wird die Betreuung aufwendiger. So hätten Kinder heutzutage etwa häufiger Defizite in der Entwicklung als früher. Das erfordere mehr Fachkräfte, die ohnehin sehr gefragt sind. Es sei aber wiederum auch ein Grund, weshalb weniger Plätze angeboten werden können. Die Konsequenz: Die Kosten für die Kommunen steigen. „Das ist eine Entwicklung im ganzen Landkreis, vielleicht auch im ganzen Land“, so Göppel.

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In Babenhausen kamen im vergangenen Jahrzehnt im Schnitt pro Jahr rund 55 Kinder zur Welt. Vor allem 2015 stach mit 74 Neugeborenen heraus. Und auch 2016 wurden 59 Säuglinge geboren. Die Mädchen und Buben dieser Jahrgänge kommen allmählich ins Kindergartenalter. Hinzu kommt, dass Babenhausen aufgrund neuer Baugebiete damit rechnen muss, dass sich weitere junge Familien in der Marktgemeinde niederlassen – auch während des Kindergartenjahres.

Wie viele Schützlinge in den Babenhauser Einrichtungen – ob in Krippe, Kindergarten oder Hort – betreut werden dürfen, ist in einer Betriebserlaubnis geregelt. Festgehalten ist darin auch, wie viele sogenannte „i-Kinder“ – Mädchen und Buben, die einen Integrativ-Platz bedürfen – aufgenommen werden können. Weil ein solches Kind eine Eingliederungshilfe und somit mehr Aufmerksamkeit benötigt, belegt es auf dem Papier nicht nur einen Platz, sondern zwei. 2017/18 wurden im Fuggermarkt zwölf solcher Plätze gezählt. Ebenfalls in der Betriebserlaubnis vermerkt ist die Zahl der „Notplätze“, welche die Kommune vergeben darf.

Manja Sailer vom Landratsamt hat in der Marktratssitzung eine fachliche Einschätzung zur Situation der Kinderbetreuung in Babenhausen abgegeben und Empfehlungen ausgesprochen. Im Prinzip fehle mit Blick auf die kommenden drei Jahre eine ganze Kindergarten- und eine ganze Krippengruppe – mit 25 beziehungsweise bis zu 15 Kindern. Diesen Bedarf hat das Gremium per Beschluss anerkannt.

Auch räumlich wird mehr Platz benötigt

Außerdem empfiehlt Sailer, konsequent für jedes i-Kind zwei Plätze zu berechnen. Damit würden sich die Gruppengrößen reduzieren, was sowohl für die Mädchen und Buben als auch für die Erzieher von Vorteil sei. Die Gruppen im Kindergarten sollten regulär 25 Schützlinge umfassen, diejenigen in der Krippe zwölf. Ein weiterer Ratschlag ist es, Notplätze in den Betriebserlaubnissen abzuschaffen, da diese „wirklich nur im Notfall“ besetzt werden sollten.

Was aber tun, um auch räumlich neuen Platz zu schaffen? Damit müssen sich die Markträte nun befassen. Ob es einen Neubau oder einen Anbau geben wird, ist noch nicht entschieden. Dass ein Beschluss noch aussteht, soll laut Drittem Bürgermeister Christian Pfeifer (CSU) klar kommuniziert werden.

Das Gremium ist sich jedoch darüber im Klaren, dass sich Baumaßnahmen nicht von heute auf morgen umsetzen lassen. „So etwas dauert, auch wenn wir es wollen“, sagt Zweiter Bürgermeister Dieter Miller (Freie Wähler). Diese Erfahrung hat auch Sailer gemacht. Sie entgegnet daher: „Wir sind offen für Ideen zu Übergangslösungen – die werden Sie auch brauchen.“ Andere Kommunen im Landkreis seien etwa temporär auf leer stehende Räume, Mehrzweckhallen oder Container ausgewichen. Gibt es Vorschläge aus Babenhausen, wolle die Behörde diese prüfen. Die Option, Mädchen und Buben in den Einrichtungen anderer Gemeinden unterzubringen, sei jedoch unrealistisch: „Alle Kindergärten in der VG sind voll“, berichtet Michaela Sauter, die in der Verwaltung für die Kindergärten zuständig ist.

Christian Pfeifer fasst zusammen, was die Gemeinde nun aus seiner Sicht tun muss: „Wir dürfen jetzt nichts aussitzen. Wir müssen zügig überlegen: Welchen Weg gehen wir? Und auch die bestehenden Einrichtungen müssen wir beachten und sanieren. Das können wir nicht so lassen.“ Als Beispiel nennt er das in die Jahre gekommene Haus „Guter Hirte“. Auch Josef Deggendorfer (Freie Wähler) bezeichnet diese Vorgehensweise als „alternativlos“. Er appelliert, Fördermöglichkeiten auszuloten. Sailer verweist auf Zuschüsse, die beantragt werden könnten.

Vor drei Jahren stand Babenhausen übrigens schon einmal vor einem ähnlichen Problem. Damals wurde der naturnahe Kindergarten am Fuggerweiher eröffnet, um die Nachfrage zu decken. Dieser ist seither „sehr gut nachgefragt“ – und voll belegt, wie Göppel berichtet.

Lesen Sie außerdem den Bericht "In den Babenhauser Kindergärten ist es eng " sowie den Kommentar "Auch bei der Kinderbetreuung zählt Vorsorge "

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