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Archäologie

03.11.2016

In Bellenberg tritt ein Stück Frühgeschichte des Illertals zutage

Archäologe Richard Ambs zeigt feinste Keramik aus Bellenberg: Die vier Gefäße, dünnwandig und mit Fingerkuppen verziert oder in sogenannter Spiralkeramik gefertigt, wurden in einer Grube gefunden und gelten als die schönsten in Bayern.
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Archäologe Richard Ambs zeigt feinste Keramik aus Bellenberg: Die vier Gefäße, dünnwandig und mit Fingerkuppen verziert oder in sogenannter Spiralkeramik gefertigt, wurden in einer Grube gefunden und gelten als die schönsten in Bayern.
Bild: R. Langhans

Richard Ambs erzählt anhand von Funden aus vorgeschichtlichen Zeiten

Funde zur frühen Siedlungsgeschichte des Illertals gibt es an vereinzelten Orten – in Bellenberg jedoch sind die Zeugnisse vorgeschichtlicher Bevölkerungsgruppen besonders zahlreich und interessant. Daher überschrieb Archäologe Richard Ambs seinen Vortrag, den die Volkshochschule Neu-Ulm in Bellenberg veranstaltet hat, auch mit „Bellenberg ist älter, als man denkt.“

Sein gesammeltes Wissen hat der Archäologe in dem Band „Ein bronze- und hallstattliches Siedlungsareal über dem Illertal bei Bellenberg“, Teil der Reihe „Berichte zur Archäologie im Landkreis Neu-Ulm und den angrenzenden Gebieten“ niedergeschrieben. Die Besiedlung des Illertals, so Ambs, erfolgte vom Donautal ausgehend flussaufwärts. Daher gebe es um den Mündungsbereich besonders viele Funde, aber auch in Bellenberg an der Halde auf dem heutigen Lehmabbaugebiet der Ziegelei Wiest. Auf dieser Hochterrasse zwischen Iller- und Rothtal wurden erste Siedlungsspuren aus der frühen Bronzezeit um 1700 vor Christus entdeckt. Die jüngsten Funde stammen aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Eine durchgehende Besiedelung habe es nicht gegeben, so Ambs, allerdings ließen sich in Bellenberg nach der Steinzeit alle vorgeschichtlichen Siedlungsepochen nachweisen.

Aus der älteren Bronzezeit stammen neben kultisch-rituellen Plätzen Steinwerkzeuge zum Klopfen, Wetzen, Schleifen und sogar um Nüsse zu knacken, wie Ambs erklärt. Die weit und breit ältesten und schönsten Gefäße der Mittelbronzezeit (1300-1200 v. Chr.) wurden in Bellenberg gefunden. Schon damals wurde der Lösslehm an der Halde verwertet und Fein- und Gebrauchskeramik produziert. Auf die Zeit von 1270 vor Christus datiert sind gut erhaltene Blasebalg-Düsen zur Metallverhüttung. Sodann fanden sich Brand- und Körperbestattungen aus der Spätbronzezeit (1300-1200 v. Chr.). Dabei wurden interessante Grabbeigaben entdeckt, etwa Webgewichte, wie sie vor Jahrzehnten noch in entlegenen Regionen Anatoliens oder Kretas zu finden waren. Bei den Grabungen kamen auch Wirteln für Handspindeln zutage, was bezeugt, dass damals um Bellenberg Stoffe entstanden. Noch in die Bronzezeit weisende Scherben zeigten Reste von Brei und gesäuertem Brot.

Aus der Hallstattzeit (800 bis 600 v. Chr.) lässt sich der Anbau von Emmer nachweisen, eine Getreide-Darre zum Trocknen, Backstellen, Getreidereibplatten, dazu zahlreiche Grubenhäuser. „Interessant auch“, so Ambs, „die Entdeckung von über 1000 Teile umfassenden rechteckigen Steinpackungen mitten im Lössboden.“ Vermutlich waren es Kochgruben, um darin ganze Schweine zu garen oder viele Leute zu verköstigen. Ambs vergleicht sie mit den noch heute von Ureinwohnern verwendeten Erdöfen.

Des Weiteren gab es Bronze- und Metallfunde in Bellenberg, ein Verweis auf die von Kelten im Rothtal praktizierte Eisenverhüttung.

Die frühe Besiedlung gleich östlich des heutigen Bellenbergs dürfte mit dem fruchtbaren Lössboden zusammenhängen, aber auch mit dem Vorhandensein von Quellen und die Nähe zum Tal sowie seinen Verkehrswegen. Das 16 Hektar umfassende Areal ist eines der am besten erforschten archäologisch interessanten Gebiete, doch nicht das einzig bedeutungsvolle im Umkreis. Fest steht, Bellenberg kann auf eine viel längere Geschichte zurückblicken, als die im Jahr 2002 gefeierte erste urkundliche Erwähnung vor 700 Jahren anno 1392.

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