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Weißenhorn

17.05.2020

In Masken aus Weißenhorn steckt eine besondere Filtertechnik

Masken mit hoch entwickelter Filtertechnik: Roland Jäger (links) und sein Mitarbeiter Tobias Buck der Firma Filtertechnik Weißenhorn. Die Masken zeichnen sich vor allem durch ihr besonders dichtes Material aus und schützen auch den Träger vor einer Infektion.
Bild: Alexander Kaya

Plus Roland Jäger hat sich mit seiner Firma auf Filter für Flüssigkeiten spezialisiert, jetzt stellt er Masken her. Er warnt vor unbedachtem Umgang mit Stoffmasken.

Normalerweise stellt die Weißenhorner Firma Jäger Filter für Flüssigkeiten in der Automobilindustrie her. Doch in Zeiten von Corona ist auch hier alles anders: Das Unternehmen hat jetzt eigene Gesichtsmasken entwickelt. Aus Stoff hergestellte Masken oder Schals sieht der Fachmann dagegen kritisch.

Wenn Roland Jäger über Filtertechnik spricht, wird seine Begeisterung spürbar. Mit seiner Firma in Weißenhorn hat er sich auf das Herausfiltern von Feststoffen aus Flüssigkeiten spezialisiert. „Die Genauigkeit bei der Trennung fasziniert mich“, erklärt der drahtige Unternehmer mit den blauen Augen. Jetzt hat der 58-Jährige aus Roggenburg sein Wissen genutzt, um besondere Masken zum Schutz gegen das Coronavirus herzustellen.

Filtertechnik aus Weißenhorn: Ein deutschlandweit einzigartiges Produkt

Im großen Lager der Firma reihen sich in Regalen unzählige Rollen mit weißem Stoff aneinander. Auf den ersten Blick lässt sich nicht erkennen, was es mit den unscheinbaren Rollen auf sich hat. Jäger erklärt: „Wir lagern 80 Sorten von verschiedenen Vliesstoffen.“ Diese werden in den anliegenden Räumen zugeschnitten, gefaltet und verarbeitet. Jäger hat in seiner Laufbahn bereits eigene Vliese selbst entwickelt und produzieren lassen. Durch ihre besondere Dichte können Feststoffe bis zu einem Mikrometer, das Tausendstel eines Millimeters, aus Flüssigkeiten gefiltert werden. Durch fünf verschiedene Lagen und deren Faltung entsteht so eine zehnmal so große Fläche wie bei herkömmlichen Filtern – eine deutschlandweit einzigartige Technik.

In Masken aus Weißenhorn steckt eine besondere Filtertechnik

Jägers Abnehmer sind vor allem Automobilhersteller. Sobald bei der Metallverarbeitung Partikel abgetragen werden, muss gekühlt und geschmiert werden. Durch Druck und spezielle Filter kann dieser Abrieb präzise aus dem Öl-Wasser-Gemisch herausgetrennt werden. Dadurch wird es wiederverwendbar, teilweise bis zu einem Jahr.

Wo die Filter aus Weißenhorn noch zum Einsatz kommen

Aber auch in der Solarbranche, bei der Vorfiltration für die Meerwasserentsalzung, Wohngebäuden oder in Holland bei der Heizung von Gewächshäusern wird die Technik verwendet. Essentiell für die sehr präzisen Filter ist in erster Linie ein Material: Meltblown. Das sind feine schmelzgeblasene Mikrofasern, die auch in medizinischen Schutzmasken verarbeitet werden.

Vor etwa zwei Monaten kam der Bürgermeister von Weißenhorn, Wolfgang Fendt, auf Jäger zu. Er fragte, ob die Firma Masken herstellen könnte. Jäger willigte ein. Nach der eingehenden Analyse einer medizinischen Maske aus dem Krankenhaus Weißenhorn wagte er sich mit seinen 22 Mitarbeitern an die Herstellung – und war erfolgreich. Die weißen Masken sind dreilagig, waschbar und aus Polypropylen-Meltblown. Damit sind sie doppelt so dick wie herkömmliche Schutzmasken. Durch das dichte Material wird auch der Träger vor einer Ansteckung geschützt. Unter Jägers Kunden für die Masken finden sich Firmen, Apotheken und das bayerische Finanzministerium.

Darum wirkt der Stoff so gut im Kampf gegen Corona

Wie klein die Poren der Maske sind, veranschaulicht Jäger mit einer Flasche Wasser und einem aus dem weißen, dichten Stoff Meltblown geformten Becher. Als er die Flüssigkeit hineingießt, bleibt sie darin, ohne dass der Stoff feucht wird.

Diese Eigenschaft macht den Stoff so wertvoll im Schutz vor dem Coronavirus. „Das Virus hat eine Größe von etwa 160 Nanometern“, erklärt Jäger. Zudem werden die Viren in verschieden großen Aerosolen eingebunden ausgeatmet. Die kleinsten von ihnen verdunsten im Bruchteil einer Sekunde, die großen fallen zu Boden. „Gefährlich sind die zwischen 30 und 40 Mikrometer großen Aerosole“, erklärt Jäger. Diese könnten bis zu einigen Minuten auf Kopfhöhe verbleiben und könnten von anderen Menschen eingeatmet werden.

Der Unternehmer warnt eindringlich vor einem unbedachten Umgang mit Masken aus Stoff, ebenso wie Schals. Auch bei mehreren Lagen sei ein Schutz nicht garantiert. „Die Fäden sind zu dick und die Poren sind mit 50 und 90 Mikrometern zu groß“, sagt Jäger. Darüber hinaus sei der Stoff wasseranziehend und werde schnell nass und unbrauchbar. Gefährlich werde es vor allem dann, wenn ihre Träger sich sicher fühlten: „Diese Sicherheit trügt.“

Der Ursprung der Firma Filtertechnik Jäger liegt in Roland Jägers Garagenkeller. Dort begann der gelernte Industriemeister für Metall vor 25 Jahren mit der Entwicklung von Filtergewebe und hat seine Firma über die Zeit stetig erweitert. Sobald sich die Lage beruhigt, will er zurück zur Filterherstellung. Die Faszination für das Thema hat er durch Zufall entdeckt: „Ich habe in meiner Ausbildung einen Filter genauer betrachtet und sofort gewusst: Das will ich machen.“

Unter dem Mikroskop lässt sich die dichte Struktur des Meltblown-Materials deutlich erkennen.
9 Bilder
Filtertechnik Jäger in Weißenhorn stellt jetzt Masken her
Bild: Alexander Kaya

In der Corona-Krise setzen Firmen aus der Region weitere kreative Ideen um. Mehr dazu lesen Sie hier:

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