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17.07.2010

Italienische Nostalgie auf zwei Rädern

Rollermania in hellblau: Marko bei einer Testfahrt auf dem Hof seiner Werkstatt.
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Rollermania in hellblau: Marko bei einer Testfahrt auf dem Hof seiner Werkstatt.

Vöhringen/Weißenhorn "Die Verblüffung ist ziemlich groß", lacht Marko Prijovic. Kein Wunder, wenn er mit seinem Oldtimer richtig Gas gibt und an richtigen Motorrädern vorbeidüst. Der 32-Jährige, dessen Eltern aus dem bosnischen Mostar stammen, hat sich ganz der Nostalgie auf zwei Rädern verschrieben. Und das Gerät, mit dem er für Verblüffung sorgt, hat er selbst zusammengebaut: eine gut 40 Jahre alte Lambretta.

Aber der Oldtimer hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Aus einer Schrottmaschine hat der gebürtige Weißenhorner einen flotten Roller gemacht. Der hat statt einem gemütlichen Kleinmotor nun ein Enduro-Kraftpaket mit 250 Kubikzentimetern und 45 PS. "Das Ding läuft 160 Stundenkilometer", lacht Prijovic. Schneller geht's nicht, wegen der Reifen.

Das alte Fahrwerk hätte so eine Leistung ohnehin nicht verkraftet, da hat der 32-Jährige gleich Nägel mit Köpfen gemacht und eine eigens konstruierte Aufhängung mit zentralem Federbein verwendet. Der Super-Roller ist natürlich TÜV-geprüft und wurde schon in einem englischen Fachmagazin ausführlich vorgestellt.

Marko ist in der Rollerbranche beileibe kein Unbekannter, wie Salvatore Cataldo, Organisator von Vespissimo Ulm schreibt. Das hat seinen Grund. Der Weißenhorner, gelernter Metall-Facharbeiter und Gruppenführer bei den Wieland-Werken in Vöhringen, ist schon früh vom Vespa-Bazillus befallen worden. Bereits als 18-Jähriger wollte er den kleinsten Moped-Führerschein machen, denn "ein Roller war halt am günstigsten zu fahren". Dann kam ihm aber eine Maschine mit mehr Hubraum dazwischen - eine klassische Vespa. Die hat er gleich mal zerlegt und wieder zusammengebaut. Und weil er damit offensichtlich nicht ausgelastet war, richtete Marko für seine Freundin eine 50er Vespa her. Die wurde schön rot lackiert, weil seine Freundin die Farbe am Fiat 500 so toll fand.

Italienische Nostalgie auf zwei Rädern

Anfangs hat der 32-Jährige in der elterlichen Garage geschraubt, später zwei komplette Kellerräume mit Maschinen und Zubehör belegt. Schließlich fand der Nostalgie-Fan eine Garage in Vöhringen, die er - wie seine erste Werkstatt - Rollerkeller nennt.

Was fasziniert Marko Prijovic nun so an den Oldtimern: "Einfach alles, aber besonders die tolle Form des Blechs." Außerdem sei an den Vespas viel veränderbar - der Roller lässt sich prima in ein Unikat verwandeln. Beispiele dafür stehen in dem Rollerkeller zur Genüge - mit speziellen Lenkern und Lackierungen.

Roller runderneuert

Offensichtlich gibt's genügend Fans, denen es ähnlich geht wie Prijovic. Zum Beispiel Tobias Müller und Stefanie Brandt aus Ulm. Sie haben im Internet ein Schnäppchen gefunden: Eine 80er Vespa, die zwar 14 Jahre alt ist aber erst 7000 Kilometer runter hat. Jetzt soll der Oldie-Spezialist ran und die Vespa auf Vordermann bringen - technisch überholen und optisch aufpeppen. Die beiden Ulmer freuen sich schon, wenn sie nach vier bis fünf Tagen ihren runderneuerten Nostalgieroller wieder abholen können. An die 25 verschiedene Roller hat Prijovic in seinen Garagen, darunter bereits sauber gerichtete aber auch ein paar Oldtimer, die erst noch auf ihre Restauration warten. "Ich mach' das aus Leidenschaft und weil ich viel Spaß dabei habe", meint der 32-Jährige, aber es soll nicht zum Zwang ausarten. Seinen Job bei Wieland will Prijovic nicht aufgeben.

Am morgigen Sonntag geht er mit seinem Super-Lambretta wieder auf Tour - bei der Ulmer Vespa-Ausfahrt, durch die er überhaupt erst so richtig in die Szene gekommen ist. An die 100 Teilnehmer werden dann wohl wieder dem gleichen Zweirad-Nostalgie-Fieber verfallen, wie Marko Prijovic.

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