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Kettershausen

27.01.2019

Kettershausen will das Ilg-Anwesen sanieren

Die Sanierung und Umnutzung des Anwesens Ilg mit ehemaligem Stadel und Gasthof soll in den Prozess der Dorferneuerung aufgenommen werden.
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Die Sanierung und Umnutzung des Anwesens Ilg mit ehemaligem Stadel und Gasthof soll in den Prozess der Dorferneuerung aufgenommen werden.
Bild: Zita Schmid

Der Gemeinderat hat beschlossen, das Vorhaben im Rahmen der Dorferneuerung umzusetzen. Damit ist eine Modernisierung der alten Gemeindehalle vom Tisch. Um eine Halle ging es dennoch.

Die Richtung ist festgelegt: Kettershausen will das Anwesen Ilg in den Prozess der Dorferneuerung (DE) aufnehmen. Bei der Sitzung – die wegen des großen Bürgerinteresses und aus Platzgründen im Bürgerhaus Mohrenhausen stattfand – fiel dieser Beschluss des Gemeinderats mit drei Gegenstimmen. Ausschlaggebend waren die prognostizierten hohen Fördergelder. Denn bei den derzeit veranschlagten Kosten in Höhe von rund drei Millionen Euro für die Sanierung und Umnutzung des einstigen Stadels und Gasthofes hätte die Gemeinde – bei einer optimalen Ausschöpfung der Zuschüsse – noch einen Eigenanteil von gut 640000 Euro zu stemmen. „Eine große Chance, die wohl nicht wiederkommt“, sagte Bürgermeisterin Susanne Schewetzky. Und sie ging noch weiter: Angesichts der positiven Zahlen könnte auch der Bau einer Sporthalle zur Option werden.

Die Idee, das Anwesen Ilg zur neuen Ortsmitte zu machen, stammt aus dem Gemeindeentwicklungskonzept Seither wird im Ort diskutiert, ob die Instandsetzung des Anwesens anvisiert oder ob die stillgelegte und in die Jahre gekommene Gemeindehalle saniert werden soll (Lesen Sie dazu: Wo sieht die Gemeinde Kettershausen ihre neue Mitte?). Das Interesse am Thema ist groß: Rund 70 Zuhörer kamen zur Sitzung.

Gasthof sei "wie ein kleines Geschichtsbuch"

Um das „Paket Dorferneuerung“ schnüren zu können, bedarf es einer Grundsatzentscheidung, sagte Wilhelm Daurer vom beauftragten Planungsbüro. Für die beiden Optionen – Gemeindehalle und Anwesen Ilg – liegen bereits Machbarkeitsstudien vor, die seine Kollegin in Erinnerung rief.

Zusammen mit Ideen für das Gasthofgebäude – das demnach mit Mehrzweckräumen versehen und von Vereinen genutzt werden könnte – wurden bei der Sitzung eine Kostenkalkulation vorgelegt. Die Bürgermeisterin machte deutlich, dass für eine etwaige Hallensanierung ein eher unterer Standard berechnet worden sei. Nach Abzug der möglichen, vergleichsweise niedrigen Fördergelder hätte die Gemeinde einen hohen Eigenanteil dabei zu tragen. „Durch die hohen Kosten ist eine Sanierung der jetzigen Halle für die Gemeinde keine Option“, sagte sie.

Das Anwesen Ilg dagegen biete gute Fördermöglichkeiten. Von der Denkmalförderung inklusive Entschädigungsfonds sei ein Fördersatz von rund 35 Prozent zu erwarten, sagte Michael Habres von Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Denn der einstige Gasthof mit Gaststube aus dem späten Historismus sei „wie ein kleines Geschichtsbuch“. Sensationell seien die Sparren des Dachstuhls. Eine dendrochronologisch Untersuchung ergab, dass ein Teil des verbauten Holzes im Winter 1516/17 gefällt wurde.

Es gibt auch Bedenken wegen der Kosten

Christoph Graf vom Amt für Ländliche Entwicklung wertete die Entscheidung als „wichtiges Signal“, vor allem was die Zukunft des Ortskerns anbelangt. Sollte die Sanierung des Anwesens Ilg in der DE vorangetrieben werden, könne „viel Geld zur Verfügung gestellt werden“. Auch durch die Initiative „Innen statt Außen“, die vorrangig die innerörtliche Entwicklung unterstützt, sodass von maximal 1,3 Millionen Euro an Zuschüssen ausgegangen werden könne.

Angesichts dieser Summen sahen auch Zweiter Bürgermeister Markus Koneberg und Rätin Verena Winter einmalige und große Chancen. Koneberg regte zudem an, sich Gedanken zu machen, wie die Ortsmitte in Zukunft aussehen kann, wenn man sich dem sanierungsbedürftigen Gasthof nicht annehme.

Die seit Jahren geschlossene Gemeindehalle wird nicht saniert.
Bild: Zita Schmid

Für den Dritten Bürgermeister Daniel Sonntag waren die veranschlagten rund drei Millionen Euro ein zu ungenauer Kostenansatz, da man noch nicht genau wisse, wie die tatsächliche Nutzung der Räume im Gasthof aussehe. Die Bürgermeisterin sagte dazu, dass eine genaue Planung erst durch den künftigen Vorstand der DE festgelegt werden könne. Laut Daurer beruht die Kalkulation auf Vergleichsobjekten und sei aussagekräftig.

Der Bau einer zusätzlichen Sporthalle ist eine Option

Auch die Räte Christian Allstätter und Manfred Herzog sprachen sich gegen das Anwesen Ilg aus. Die Sanierungskosten könnten nicht abgeschätzt werden und seien vermutlich auch in der Folgezeit höher als bei einem neuen Gebäude. Marcus Praschivka gab zu bedenken, dass die Gemeinde weitere große Projekte plant, etwa Maßnahmen an Tiefbrunnen und Kläranlage. Es sei zu verhindern, dass in ein paar Jahren das Geld ausgehe und die Bürger dann etwa in Form von Umlagen zur Kasse gebeten werden.

Marianne Rugel erinnerte daran, dass das Anwesen sich noch im Privatbesitz befindet und mit einem bisher nicht bezifferten Betrag erworben werden muss. So lautete auch der zweite Beschluss des Abends, dass die Bürgermeisterin zu Grundstückverhandlungen ermächtigt wird. Zudem soll ein Bauforscher beauftragt werden, um eine höhere Kosten- und Zuschusssicherheit zu erreichen. Von den Kosten, die mit 8000 bis 10000 Euro veranschlagt sind, trägt 65 Prozent das Amt für Denkmalschutz.

Die Zahlen für das Anwesen Ilg fallen positiv aus. Wie die Bürgermeisterin erklärte, könnten dort aber keine großen Veranstaltungen wie Konzerte der Musikkapelle oder Faschingsbälle stattfinden. Auch der Wunsch des Sportvereins – eine Halle – werde dadurch nicht erfüllt. Darum gebe es die Überlegung, zusätzlich eine Sporthalle zu bauen. Mit dem TSV sei schon gesprochen worden. Die Resonanz sei wohl positiv gewesen. Zuschüsse seien gegebenenfalls vom BLSV zu erwarten. Um das Vorhaben voranzubringen, soll sich eine Arbeitsgruppe formieren und sich zunächst Sporthallen in anderen Orten anschauen.

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