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Illertissen

12.11.2019

Kleines Instrument mit ganz großer Wirkung

Der Jazzer Howard Levy verbindet in genialer Weise das Spielen auf der Mundharmonika und am Klavier.
Foto: Regina Langhans

Als Jazzpianist kombiniert Howard Levy sein Klavierspiel mit Melodien auf der Mundharmonika. Virtuoser geht es kaum, finden viele im Illertisser Barocksaal.

Auf der diatonischen Mundharmonika macht Howard Levy so schnell niemand etwas vor. Und wenn der Jazzer zur Bluesharmonika noch selbst in die Klaviertasten greift, klingt es wie eine ganze Bigband. Zum Konzert von „Kultur im Schloss“ kürzlich im Illertisser Barocksaal waren etliche Musikfans nur seinetwegen gekommen.

Und staunten. „Er spielt, was eigentlich gar nicht zu spielen geht, sagte einer. Gemeint war Levys mehrstimmiges Spiel. Sei es, dass der sympathische Musiker aus Chicago Melodie und Begleitung auf dem zierlichen Instrument in einem vortrug. Oder gar mittels der Zunge und besonderer Atemtechnik noch Bordun-Töne wie beim Dudelsack dazwischen klingen ließ, was den Eindruck von Dreistimmigkeit erweckte. Sodann seine Fähigkeit, auf einer diatonischen, also nur Naturtöne enthaltenden Harmonika Halbtöne zu spielen und auf der chromatischen Tonleiter herumzuturnen. Je nach Komposition – sehr früh entschied er, nur noch eigene Stücke aufzuführen – gelangen ihm die typischen Klangfarben eines Saxofons mit spitzen hohen Tönen oder täuschend ähnlich zum Akkordeon dessen rhythmisch vibrierende Tonfülle. Der studierte Bluesharmonikaspieler begeisterte gleich zu Beginn mit rauchig hingehauchten Melodiefragmenten. In Form eines grandiosen Medleys machte er einen spannenden Streifzug durch alle Jazz- und Bluesstandards. Wunderbar perlend gelang ihm die Titelmelodie von George Gershwins „Rhapsody in Blue“. Unter Howards Lippen und Händen wurde sein drei Oktaven umdassende Instrument zur musikalischen Wundertüte. An Vielseitigkeit und technischen Effekten stand es anderen Instrumenten in nichts nach.

Konzert in Illertissen: Levys vielschichtige Musik bleibt zugänglich

Nach dieser atemberaubenden Einführung gab Howard nicht weniger eindrucksvoll ganz und gar den Jazzpianisten. Für imposante Klänge, hämmernde Basslinien oder swingende Melodien durchwanderte er die ganze Tastatur. Wenngleich mit der Präzision eines klassischen Interpreten, beinhaltete sein Spiel mehr Percussion und eine andere Art von Klang und Ausdruck. Seine vielschichtige Musik blieb trotz aller Komplexität zugänglich. Abwechselnd griff er mit der rechten oder linken Hand zur Harmonika, was ihm mindestens drei Stimmen für ein virtuoses Hin und Her zwischen Meoldie und Begleitung ermöglichte. Auch dabei gab es Anleihen aus Pop und Rock, der Blues– und Jazzszene, welche ihm so stimmig gelangen, dass das Publikum das Original nicht zu vermissen schien. Als persönliche Lieblingsstücke präsentierte Howard, der auch Filmmusik komponierte, die Titel „Amazonas“, Stephanie’s Dance“ oder „Buddy Bolden“ in Reminiszenz an die gleichnamige frühe Jazzgröße. Am Ende eines, für viele unvergesslichen Konzertabends hatte sich gezeigt: Howard ist ein Musiker ohne stilistische Grenzen, der auch imstande ist, die scheinbaren Grenzen am Instrument virtuos zu überschreiten.

In der Zugabe verabschiedete er sich, wie er begann: Mit einer Art Medley, nur aus der Klassik, indem er geläufige Anfänge berühmter Kompositionen wie von Mozart oder Beethoven anklingen ließ.

Was beim Leonhardiritt in Tiefenbach geboten war, lesen Sie hier: Leonhardiritt: Hunderte Pferdefreunde besuchen Tiefenbach

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