1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Klinik-Krise: Wandern Patienten aus dem Illertal ab?

Illertissen

21.06.2019

Klinik-Krise: Wandern Patienten aus dem Illertal ab?

Durch die angestrebte "Zwei-Haus-Lösung" mit Neu-Ulm und Weißenhorn wird der Süden des Landkreises Illertissen von der medizinische Versorgung abgeschnitten - das befürchtet man in Illertissen. Patienten könnten abwandern, heißt es.
2 Bilder
Durch die angestrebte "Zwei-Haus-Lösung" mit Neu-Ulm und Weißenhorn wird der Süden des Landkreises Illertissen von der medizinische Versorgung abgeschnitten - das befürchtet man in Illertissen. Patienten könnten abwandern, heißt es.
Bild: Lienert (Symbol)

Plus Kommt es in der Klinikfrage zur „Zwei-Haus-Lösung“ in Neu-Ulm und Weißenhorn, werden Menschen im Landkreissüden reagieren. Das glaubt der Illertisser Bürgermeister.

Der Neubau einer einzigen gemeinsamen Klinik für den Landkreis ist notwendig, um aus der finanziellen Misere mit aktuell drei Krankenhäusern zu finden – davon geht der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen weiter aus. Und stellt sich damit ebenfalls gegen die sogenannte Richtungsentscheidung von Kreispolitikern, die auf eine „Zwei-Haus-Lösung“ mit den Kliniken in Neu-Ulm und Weißenhorn setzen. Das war kürzlich von den vier Illertisser Stadtratsfraktionen in einer gemeinsamen Presseerklärung kritisiert worden. Man befürchtet negative Auswirkungen für den Landkreis allgemein – und für den Süden im speziellen. Die hat auch Bürgermeister Eisen im Blick.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Bau einer neuen Klinik als richtige Strategie

Wie die Stadträte hält der Rathauschef den Bau einer neuen Klinik für die richtige Strategie: „Alles andere wird nicht funktionieren.“ Im Zuge der Zwei-Haus-Lösung würden Abteilungen nämlich doppelt vorgehalten, was Kosten entstehen lasse. Dass es politische Hoffnung für einen Neubau gibt, hält Eisen für fraglich. Zwar müsse der gefasste Vorsatz noch durch den Kreistag. Große Hoffnungen setzt Eisen darauf aber nicht: „Es wird wohl laufen, wie so oft: Der Süden wird überstimmt.“

Die Illertalklink ist ein Zentrum für Schmerztheapie. Was sonst noch geleistet wird, zeigten Mediziner bei einem Infotag auf.
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Illertisser Geltungsdrang stecke nicht hinter den Neubau-Appellen, betont der Illertisser Bürgermeister. Anders als mancher „Südbürger“ einfordert, müsse eine neue Klinik nicht in der Vöhlinstadt gebaut werden. „Das Wichtigste ist, dass die Menschen gut versorgt sind.“ Ein geeigneter Standort sollte seiner Ansicht nach über einen Bahnanschluss über die Illertalbahn (der auch neu gebaut werden könnte) verfügen, dazu über eine Autobahnabfahrt und über zahlreiche Parkplätze. Somit käme für diesen Bau der Bereich zwischen Senden und Vöhringen oder zwischen Vöhringen und Bellenberg in Betracht. Innerorts oder an den bestehenden Klinikstandorten sei so ein Neubau aus Platzmangel nicht möglich, glaubt Eisen. „Der muss auf die grüne Wiese.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Medizinische Versorgung konzentriert sich im Norden

Doch nun sehe es so aus, als konzentriere sich die klinische Versorgung bald im Norden des Landkreises. Eisen hält das für falsch: „Das Illertal wird abgeschnitten.“ Viele Menschen in Illertissen und der Umgebung würden als Patienten dann wohl nach Memmingen abwandern – den Landkreis also verlassen. „Ist das das Ziel des Landrats?“, fragt Eisen. „Ich glaube nicht, dass das richtig ist.“ Zudem sei offen, wie das Klinikum Memmingen auf die wohl steigenden Patientenzahlen reagieren werde.

Mit der sogenannten „Richtungsentscheidung“ zur Zukunft der Kreiskliniken beginnt das Bangen um das Illertisser Krankenhaus erneut – das sagen hiesige Politiker. Sie werten die Reform, wie sie sich momentan darstellt, als vertane Chance.
Bild: Kaya

Der Illertisser Bürgermeister führt ein weiteres Argument gegen die Zwei-Häuser-Strategie an: Die Stadt Neu-Ulm gehe selbst davon aus, keine Klinik zu brauchen. Eisen bezieht sich auf eine Stellungnahme von Oberbürgermeister Gerold Noerenberg zur abgelehnten Kreisfreiheit (von Anfang Juni). Dort heißt es: „Auch, wenn die Stadt Neu-Ulm kein Krankenhaus benötigt, um die Gesundheitsversorgung der Neu-Ulmerinnen und Neu-Ulmer zu gewährleisten, wäre sie bereit gewesen, einen Teil des Defizits der Klinik entsprechend der Bevölkerungsverhältnisse zu übernehmen, um ihren Beitrag an einer positiven Entwicklung beizusteuern.“ Tatsächlich sei die bayerische Donaustadt durch die Nähe zu den Ulmer Klinken gut versorgt, glaubt Eisen. Und die Bürger im Umland könnten die Krankenhäuser in Langenau oder Günzburg gut erreichen.

Was wurde aus der "Portalklinik"?

Dass viele Menschen in Illertissen und der Umgebung angesichts der Entwicklung der Illertalklinik enttäuscht seien, könne er nachvollziehen, sagt Eisen. Die Entscheidungsträger hätten schon viel versprochen. Die sogenannte „Portalklinik“ etwa. Oder den Fortbestand des Krankenhauses in Illertissen. Allerdings sei ein Abbau spürbar: Der zeige sich an der Geburtshilfe-Station und an der kürzlich offiziell geschlossenen Notaufnahme. Eisen vermisst eine klare Haltung der Verantwortlichen, auch von Landrat Thorsten Freudenberger. Zum Beispiel die eindeutige Aussage, dass der Süden des Landkreises kein Krankenhaus brauche. „Das wäre zumindest mal ein Standpunkt.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren