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Neu-Ulm/Unterallgäu

21.02.2021

Kommt es in Neu-Ulm und im Unterallgäu zu einem Ansturm auf Fahrschulen?

Ab 22. Februar öffnen die Fahrschulen in Bayern wieder ihre Türen. Viele Betreiber rechnen mit einem Ansturm an Fahrschülern.
Bild: Pförtner, dpa (Symbolfoto)

Plus Am Montag dürfen bayerische Fahrschulen wieder ihre Türen öffnen. Auch Erste-Hilfe-Kurse sind begehrt, doch sie können noch nicht stattfinden.

Der zweite Lockdown hat Fahrschulbetreiber ab Dezember zur Schließung gezwungen – und damit zur Unterbrechung der Fahrausbildung. Ab Montag, 22. Februar, öffnen die Einrichtungen wieder. Viele Betreiber rechnen mit einem großen Andrang. Und mit einem Stau bei der Fahrausbildung. Hier ein Blick auf die Lage.

Viele junge Leute können es kaum erwarten, den Autoführerschein zu machen. Wenn sie 18 Jahre alt werden oder wenn sie das Elternhaus verlassen, wünschen sich viele auch ein eigenes Fahrzeug. Davor gilt es aber, die Führerscheinprüfung als Hürde zu meistern. Voraussetzung dafür ist wiederum die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs. Fahren lernen und die Ausbildung in Erster Hilfe gestalten sich aber in Pandemie-Zeiten schwierig. Zumindest die Fahrschulen in Bayern dürfen von Montag, 22. Februar, an wieder öffnen, Erste-Hilfe-Kurse aber finden frühestens wieder im März statt.

An einem Unfallort sollte jeder wissen, wie Erste Hilfe geleistet wird. Für Fahrschüler ist ein Erste-Hilfe-Kurs im Rahmen ihrer Führerscheinausbildung Pflicht. Wegen der Corona-Pandemie ist es aktuell aber schwierig, einen Platz zu finden.
Bild: Martin Schutt, dpa

Der zweite Lockdown in der Corona-Pandemie zwang Fahrschulbetreiber im Dezember zur Schließung ihrer Einrichtungen und damit zur Unterbrechung der Fahrausbildung. Fahrlehrer in Bayern dürfen zwar ab dem 22. Februar wieder theoretischen Unterricht und Fahrstunden anbieten, aber der Tenor ist eindeutig: Fahrschulen in der Region rechnen mit einem Stau in der Ausbildung der Fahrschüler. Die Schließung werde sich bemerkbar machen, ist sich Fahrschulbetreiber Michael Pölcher aus Babenhausen sicher: „Es kommen sowohl die Fahrschüler, die ihre Ausbildung unterbrechen mussten, als auch viele neue Leute.“

Einige Fahrschüler waren mit ihrer Ausbildung noch gar nicht fertig

Hinzu kommt, dass es für die Fahrlehrer rechtliche Vorgaben gibt. Sie dürfen am Tag maximal elf Fahrstunden durchführen. Zudem mache sich der erste Lockdown im Frühjahr 2020 noch bemerkbar, sagt auch Fahrschulbetreiber Klaus Jose aus Vöhringen. In einigen Fällen wurde die Ausbildung unterbrochen: Man habe noch nicht alle Fahrschüler aufarbeiten können. Der Fahrlehrer freut sich dennoch auf die Menge an Arbeit, auch wenn das Tragen von Masken im Theorieunterricht und während der Fahrstunden vorgeschrieben ist.

Einige der Fahrschulbetreiber versuchten die mehrmonatige Zwangsschließung ihrer Fahrschulen zu nutzen. Karl-Heinz Bäuerle aus Illertissen wollte seine Pflichtfortbildung absolvieren, die dann aber wegen Corona abgesagt wurde. Michael Plöcher renovierte Teile seiner Fahrschule und Klaus Jose bildete sich selbst in fahrschulrechtlichen Fragestellungen weiter.

Fahrschulen im Kreis Neu-Ulm kämpfen mit finanziellen Problemen

Das für die Fahrschulen größte Problem an der Schließung spielt sich aber auf finanzieller Ebene ab. So hat der Babenhauser Michael Plöcher bisher kein Geld vom Staat erhalten: „Auch andere Fahrschulen haben noch nichts bekommen“, sagt er. Dabei fielen trotz des eingestellten Betriebs weiterhin Kosten an, etwa für die Instandhaltung der Autos, verschiedene Versicherungen oder die Mietkosten der Schulungsräume, fügt Plöcher hinzu. „Das ist gerade ein großes Problem für neuere Fahrschulen und Betreiber, die keine Rücklagen auf der Seite haben“, sagt Klaus Jose aus Vöhringen.

Aber nicht nur die Fahrschulbetreiber leiden unter den Corona-Einschränkungen. Die Fahrschüler selbst trifft es wegen längerer Wartezeiten auf Fahrstunden. Zudem gibt es ein Problem bei den vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Kursen. Diese sind notwendig, um eine theoretische und praktische Führerscheinprüfung absolvieren zu dürfen. Doch auch hier gilt: Seit Dezember finden in der Region keine Kurse mehr statt. Wann sich das ändert, ist noch unklar.

Erste-Hilfe-Kurse sind wegen Corona seit Dezember eingestellt

Eva Maria Siegmann, Leiterin des Bereichs Ausbildung bei den Maltesern in Günzburg, berichtet, dass sie allen Kursteilnehmern, die sich für Januar und Februar angemeldet hatten, absagen musste. Beim Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuz in Neu-Ulm sieht es ähnlich aus. In beiden Organisationen hofft man, dass ab Anfang oder Mitte März wieder geschult werden darf.

„Ich rechne damit, dass sich viele Leute anmelden, gerade weil auch die Fahrschulen wieder öffnen“, sagt Michael Winkler vom BRK in Neu-Ulm
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

„Ich rechne damit, dass sich viele Leute anmelden, gerade weil auch die Fahrschulen wieder öffnen“, sagt Michael Winkler, Leiter des Fachgebiets Ausbildung beim BRK in Neu-Ulm. Anstatt 20 Teilnehmern werden wegen der aktuellen Hygienebestimmungen pro Kurs nur elf Personen aufgenommen. Die für den März vorgeplanten Kurse sind unter anderem deshalb schon weitestgehend ausgebucht. Im April sei aber noch Platz vorhanden, sagt Winkler.

Zusätzliche Erste-Hilfe-Kurse für Fahrschüler sind angedacht

Auch die Malteser erwarten einen Ansturm an Teilnehmern, wenn wieder Kurse möglich sind. Bis Mitte Mai seien die geplanten Erste-Hilfe-Kurse schon ausgebucht, sagt Siegmann. Speziell für Fahrschüler wolle man aber zusätzliche Schulungen anbieten. „Wir müssen dem Ansturm gerecht werden: Unser Team ist bereit, wir könnten ab morgen loslegen“, sagt Siegmann.

Die Erste-Hilfe-Kurse laufen wegen der Hygienebestimmungen dann aber anders als gewohnt ab. Zwar werden alle theoretischen Inhalt wie üblich vermittelt, der praktische Anteil muss aber aufgrund der Abstandsregelungen deutlich reduziert werden. So müssen sich die Teilnehmer etwa Druckverbände selbst anlegen und die stabile Seitenlage wird lediglich vom Ausbilder demonstriert. Film- und Bildmaterial unterstützen dabei das Gezeigte. „Wir vermitteln alle wichtigen Inhalte, nur sind wir gezwungen, einige Themenbereiche coronakonform umzumünzen“, berichtet Michael Winkler

Sowohl Eva Maria Siegmann als auch Michael Winkler betonen, wie immens wichtig ein Erste-Hilfe-Kurs speziell für Fahrschüler sei. Gerade für die 17- oder 18-Jährigen sei eine solche Schulung unerlässlich, da sie in der Regel nie zuvor Kontakt mit dem Thema Erste Hilfe hatten.

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