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Landkreis Neu-Ulm

03.12.2019

Kommunalwahl: Wo bleiben die Kandidatinnen?

Mehr Frauen sollen sich politisch engagieren – das will Cornelia Hesse, die Direktorin des Bayerischen Gemeindetags erreichen. Wie ist die Situation im Landkreis Neu-Ulm?
Bild: Ruprecht, dpa

Plus Der Bayerische Gemeindetag bemängelt: Zu wenige Bürgerinnen bekleiden politische Ämter. Auch im Landkreis Neu-Ulm haben Parteien Mühe, Kandidatinnen zu finden.

Mehr Frauen in die Kommunalpolitik – das ist ein erklärtes Ziel des Bayerischen Gemeindetags. Denn im Freistaat sind nur neun Prozent aller Bürgermeister weiblich, wie Direktorin Cornelia Hesse sagt. Auch wenn die Zahlen steigen: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern werde wohl erst um das Jahr 2050 erreicht sein. Das geht Hesse zu langsam: Vor der anstehenden Kommunalwahl sollen Frauen gezielt dazu ermutigt werden, sich politisch zu engagieren. Das ist gar nicht so einfach, wie manche Partei im Landkreis Neu-Ulm bereits festgestellt hat. Doch es gibt auch Gegenbeispiele wie die Neu-Ulmer OB-Kandidatin Katrin Albsteiger. Wie ist die Situation im Kreis Neu-Ulm? Eine Spurensuche.

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In den Rathäusern hinkt die Gleichberechtigung der Geschlechter hinterher: Simone Vogt-Keller in Bellenberg und Ursula Brauchle in Holzheim sind derzeit die einzigen Bürgermeisterinnen – ihnen stehen 15 männliche Amtskollegen in Städten und Gemeinden gegenüber. Obwohl beide nicht mehr antreten, könnte es nach der Kommunalwahl 2020 mehr weibliche Verwaltungschefinnen geben. In Bellenberg tritt Susanne Schewetzky für die CSU an, in Neu-Ulm bewerben sich Katrin Albsteiger (CSU) und Antje Esser (Pro Neu-Ulm) sowie in Senden Claudia Schäfer-Rudolf (CSU) und Maren Bachmann (SPD).

Senden: Parteien und Gruppen wollten mehr Frauen auf die Liste

Generell haben die Parteien und Gruppen in Senden vieles versucht, um mehr weibliche Namen auf die Listen für den Stadtrat zu bekommen – und das erfolgreich. 30 Plätze sind dort zu vergeben. Die SPD hat an jede zweite Stelle der Liste eine Frau gesetzt – angefangen mit Bürgermeisterkandidatin Bachmann. Bei der CSU gehört neben Schäfer-Rudolf jeder dritte Name einer Frau. Besonders stechen die Grünen in Senden hervor: Auf deren Liste stehen neun Männer 21 Frauen gegenüber. Die Grünen haben auch im aktuellen Gremium mit zwei Frauen auf vier Sitzen eine 50-prozentige Quote. Aus Sicht des Gemeindetages also sicher nachahmenswert.

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Mehr Frauen in die Politik – das hat bei der Liste der CSU für den Illertisser Stadtrat kürzlich nicht geklappt. Die vom Landesverband ins Spiel gebrachte Frauenquote von 40 Prozent habe man jedenfalls verfehlt, stellt Ortsverbandsvorsitzender Uwe Bolkart fest: Gerade einmal drei Kandidatinnen sind unter den 24 Stadtratskandidaten. Und das obwohl man mit vielen potenziellen Bewerberinnen gesprochen habe. „Schade“ findet das Bolkart. Meistens habe man zu hören bekommen, zeitlich sei ein Mandat einfach nicht drin. 2014 habe die CSU noch acht Bewerberinnen gestellt. Mindestens so viele hätte Bolkart gerne wieder gehabt. „Aber es ist, wie es ist.“ Manche Kandidatin habe der CSU in Aussicht gestellt, für die Wahl in sechs Jahren zur Verfügung zu stehen. „Immerhin“, sagt Bolkart.

Illertissen: Erste Frau kam 1966 in den Stadtrat

Ein Job, eine Familie, dazu vielleicht ein Haus und ein Ehrenamt – viele Frauen sähen schlicht keine Zeit für ein Stadtratsmandat, glaubt der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen (CSU). „Das ist schon schwierig.“ Es gehe nicht allein um die Sitzungen – Vorbereitung und Termine seien viel zeitraubender. Eisen sähe gerne mehr Frauen im Stadtrat: Sie beurteilten Dinge anders als Männer und hätten mitunter tiefere Einblicke. In diesen Tagen sei es allgemein schwer, Bewerber für Ratsmandate zu finden: „Viele engagieren sich aus persönlicher Betroffenheit, etwa wenn eine Straße vor ihrem Haus gebaut wird. Wenn es darum geht, etwas für andere zu tun, sieht das anders aus.“

Derzeit sitzen sechs Frauen im Illertisser Stadtrat: Drei in der CSU-Fraktion, eine bei den Freien Wählern und zwei bei ÖDP/AB/Grüne. Die SPD stellt keine Rätin. Aus ihren Reihen stammte jedoch die erste Frau überhaupt in dem Gremium: Die Illertisserin Bertha Maria Poppenberger saß von 1966 bis 1972 im Stadtrat. Die Polit-Pionierin ist heuer gestorben.

Auf Kreisebene kann die CSU mit mehr Kandidatinnen aufwarten, als beispielsweise in Illertissen: 33 Prozent der 70 Bewerber für den Kreistag sind weiblich. Darunter befindet sich auch die ehemalige Bundestagsabgeordnete Katrin Albsteiger, die zudem Oberbürgermeisterin in Neu-Ulm werden will. Zur Frauenquote hat sie eine spezielle Meinung – zumindest wenn es um Aufsichtsräte von Unternehmen geht. Weil sie diese vor einigen Jahren öffentlich ablehnte, machte sie bundesweit von sich reden. Eine strikte Quote für Parteien lehnt Albsteiger genauso ab – die sei undemokratisch. „Die Wähler bekommen ja auch nicht vorgeschrieben, wie viele Frauen und Männer sie zu wählen haben“, sagt die CSU-Politikerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Eine fixe Verteilung von Listenplätzen zwischen den Geschlechtern führe dazu, dass das gewählte Gremium am Ende künstlich wirke. Allerdings sollte die Politik durchaus Ziele für eine faire Beteiligung formulieren. So werde beim Aufstellen von Listen ja auch auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Orts- und Stadtteilen geachtet.

Frauen und Politik: Katrin Albsteiger will Vorbild sein

Wie sind mehr Frauen für die Politik zu begeistern? Darauf hat Katrin Albsteiger eine Antwort: „Man muss ihnen zeigen, dass es auch trotz Beruf und Familie geht.“ Das beginne schon zu Hause: „Wenn es darum geht, wer sich politisch engagiert, und das dann der Mann macht, funktioniert das für die Frau natürlich nicht.“ Bei den Albsteigers ist das umgekehrt: Er bleibt daheim bei den zwei Kindern, sie arbeitet und ist in der CSU aktiv. Letzteres tut Albsteiger schon seit ihrer Schulzeit: Den Auslöser gab damals die geplante Einführung des achtstufigen Gymnasiums, gegen die sie sich einsetzte. Geht es nach Albsteiger, dann könnte ihr Lebensentwurf durchaus ein Vorbild für Frauen sein, die sich politisch engagieren wollen.

Auch in Kellmünz, wo bislang nur Männer im Marktrat sitzen, habe man sich bemüht, möglichst viele Frauen für die Liste der Wählergemeinschaft zu gewinnen. Bürgermeister Michael Obst schlug deshalb vor, während der Ratssitzungen eine kostenlose Kinderbetreuung anzubieten oder die Kosten zu übernehmen. In Baden-Württemberg sei das üblich, erklärt Obst. Der Vorschlag wurde von dem Gremium mit knapper Mehrheit abgelehnt. Auf der Liste der Wählergemeinschaft Kellmünz steht aktuell eine Frau. Weniger, als man angestrebt habe, sagt Obst. Es werden aber wohl noch Kandidatinnen nachnominiert, die sich erst nach der Wählerversammlung für eine Kandidatur entschieden hatten.

Luft nach oben gibt es im Neu-Ulmer Kreistag: 20 der 70 Mitgliedern sind derzeit Frauen, das sind 29 Prozent. Die höchste Frauenquote hat übrigens die FDP: Sie liegt bei 100 Prozent – das einzige Ratsmitglied der Partei ist Christina Zimmermann aus Weißenhorn.

Die Kommunalwahl 2020 wird in Landkreis Neu-Ulm spannend - hier ein Blick auf einige Bewerber(innen):

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