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Babenhausen

31.01.2020

Kunst und Kitsch sind seine Welt: Ein Trödler erzählt

Wolfgang Schütz und seine Frau betreiben zusammen „Sylvia’s Flohmarktstadel“ in Babenhausen. Ihr Fachgebiet ist der „An- und Verkauf von Kunst, Kitsch und Krempel“, wie auf der Internetseite flohmarktstadel.de geschrieben steht.
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Wolfgang Schütz und seine Frau betreiben zusammen „Sylvia’s Flohmarktstadel“ in Babenhausen. Ihr Fachgebiet ist der „An- und Verkauf von Kunst, Kitsch und Krempel“, wie auf der Internetseite flohmarktstadel.de geschrieben steht.
Bild: Sabrina Schatz

Plus Wolfgang Schütz führt mit seiner Frau „Sylvia’s Flohmarktstadel“ in Babenhausen. Er hat etliche Anekdoten parat. Etwa über skurrile Funde in fremden Wohnungen und Überraschungseier.

Die Leute sagen: „Der Trödler kommt“. Man erkennt ihn auch schnell, den Trödler, schließlich prangt schon auf dem Lieferwagen ein Bild von ihm. Mittlerweile ist der Bart zwar weißer und die Ähnlichkeit zum Weihnachtsmann größer geworden, aber nach wie vor liegt ihm dieselbe Sache am Herzen: „Altes Zeug, das fasziniert mich.“ Wolfgang Schütz betreibt mit seiner Frau Sylvia den Flohmarktstadel in Babenhausen. Dort hat sich in den 25 Jahren, in denen die beiden nun in der Marktgemeinde ansässig sind, eine ganze Menge angesammelt. „Eine Stückzahl kann ich wirklich nicht nennen“, sagt der 65-Jährige. „Ich habe eine Lagerfläche mit so 1200 Quadratmetern. Und die ist gut gefüllt.“ Ebenso sein Schatz an kuriosen Anekdoten.

Kann etwas alt riechen? Wenn ja, dann trifft das wohl auf den Laden an der Ulmer Straße zu. Ein leerer Vogelkäfig steht darin, fünf Puppen sitzen in einem Koffer, die Uhren zeigen alle unterschiedliche Zeiten an. Der „junge Nazarener“ da an der Wand, sagt Schütz und deutet auf eine geschnitzte Figur am Kreuz, sei um 1780 herum entstanden. Der Eckschrank dort drüben – wieder ein Fingerzeig – um 1830. Aber nun ja, es sei schwer geworden, diese Dinge zu verkaufen. „Das Klientel für Möbel, aus der Gründerzeit, der Biedermeierzeit, das ist nicht mehr, wie es mal war. Das ist ’ne Generationensache“, sagt Schütz und seine Herkunft aus dem Berliner Raum ist ihm anzuhören. „Was jetzt aktuell ist, sind die 70er Jahre. Das reißen’se dir aus den Händen.“ Aber diese Dinge seien nun mal nicht seins. Und diese Dinge sind es auch nicht, die er aus fremden Wohnungen mitnimmt.

Schütz: "Das Schachern liegt mir im Blut."

Der 65-Jährige entrümpelt Häuser. Er wird engagiert, wenn ein Umzug ansteht oder der Haushalt der verstorbenen Großmutter aufgelöst werden soll und die Hinterbliebenen gemerkt haben, wie viel Arbeit das ist. Im Umkreis von 50 Kilometern sei er im Einsatz, sagt Schütz. Unnützes entsorgen er und – bei größeren Aufträgen – seine Helfer. Was aber interessant und brauchbar aussieht, nimmt der Babenhauser mit in „Sylvia’s Flohmarktstadel“ und vermerkt das entsprechend auf der Rechnung.

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„Da erlebt man die verrücktesten Geschichten“, erzählt Schütz. Einmal, da habe er doch tatsächlich ein Hundeskelett in einem Puppenbett in einer Wohnung entdeckt – und erst einmal einen Schreck bekommen. Außerdem hat er erfahren, wie kreativ ältere Menschen sein können, wenn es um Verstecke für Geld geht. „Einmal ist hinter jedem Heiligenbild ein Umschlag mit Geld gewesen“, erzählt er von einem Erlebnis. Kurios – aber auch intim: Eine Wohnung Fremder auszuräumen, hat viel mit Privatsphäre zu tun, mit Vertrauen.

Eine Ähnlichkeit mit dem Weihnachtsmann kann Schütz nicht leugnen.
Bild: Sabrina Schatz

In seiner Werkstatt versucht Wolfgang Schütz auch, Möbel zu reparieren und aufzuhübschen. So war das auch bei der über 100 Jahre alten, verglasten Vitrine aus Fichtenholz, die jetzt in seinem eigenen Esszimmer steht. „Vor ein paar Jahren hätte so ein Schrank noch 1300 Mark eingebracht. Wenn heute einer 300, 400 Euro gibt, können’se sich glücklich schätzen.“

Preisdruck lastet auf der Branche, aber dem wolle er sich möglichst entziehen. Außerdem sagt Schütz von sich: „Das Schachern liegt mir im Blut, schon immer.“ Vor Jahren habe er einen Teil seines Startkapitals durch das Handeln mit Überraschungsei-Figuren zusammengebracht, für welche Sammler damals einige Scheine auf den Tisch legten, erzählt der gelernte Bäcker beiläufig. Heute sei der Kreis der Sammler, egal ob von filigranen Porzellanfigürchen oder rustikalen Zinnkrügen, weitaus überschaubarer. Dass das Interesse an Raritäten dennoch vorhanden ist, beweisen zum Beispiel gut besuchte Flohmärkte und Oldtimer-Treffen in der Region, bei denen Sylvia und Wolfgang Schütz nicht selten anzutreffen sind. Und auch Fernsehsendungen wie „Der Trödeltrupp“ und „Bares für Rares“, die ein Millionenpublikum vor die TV-Geräte locken. Mit Geschäftsmann und „Bares für Rares“-Händler Ludwig Hofmaier habe er übrigens auch selbst schon zu tun gehabt, erzählt Schütz. Und einer konnte über den anderen sagen: „Der Trödler kommt“.

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