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Weißenhorn

03.03.2020

Landkreispolitik in Wohnzimmeratmosphäre

Eine Gesprächsrunde in Wohlfühlatmosphäre: Die Moderatoren Ronald Hinzpeter (NUZ/IZ) und Matthias Stelzer (SWP) diskutierten beim gemeinsamen Zeitungspodium in Weißenhorn mit den Landratskandidaten Susanna Oberdorfer-Bögel, Ludwig Ott und Thorsten Freudenberger (von links).
Bild: Alexander Kaya

Die drei Kandidaten für das Amt des Landrats diskutieren in Weißenhorn über die Zukunft der Region – und Probleme aus der Vergangenheit.

Sofas, ein Sessel, Couchtische und sogar eine Kuscheldecke : Die Atmosphäre auf der Bühne in der Fuggerhalle war durchaus gemütlich. Auf dem Podium der Illertisser Zeitung, Neu-Ulmer Zeitung und der Südwest Presse war aber nicht nur Wohlfühlen angesagt für die drei Landratskandidaten Susanna Oberdorfer-Bögel ( Freie Wähler ), Ludwig Ott (Grüne) und Thorsten Freudenberger ( CSU ). Die Moderatoren Ronald Hinzpeter (NUZ/IZ) und Matthias Stelzer (SWP) brachten mit Fragen zur Kommunalpolitik eine lebhafte, aber sachliche Diskussion in Gang.

Der Nord-Süd-Konflikt ist beigelegt

Dabei durfte ein Thema natürlich nicht fehlen: die Schließung der Entbindungsstation in der Klinik Illertissen. Ein Thema, bei dem sich Susanna Oberdorfer-Bögel – sie machte sich vor einigen Jahren für den Erhalt stark – und Amtsinhaber Thorsten Freudenberger nach wie vor kritisch gegenüberstehen. Einen Nord-Süd-Konflikt sieht die Kandidatin darin jedoch nicht. Vielmehr glaube sie, dass sich durch die Diskussion um den Nuxit auch Orte im Norden des Landkreises abgehängt gefühlt hätten.

Drei Kandidaten wollen Landrat des Kreises Neu-Ulm werden. Vorab stellen sie sich unseren Fragen bei der Podiumsdiskussion in Weißenhorn.
16 Bilder
Die Podiumsdiskussion mit den Landratskandidaten in Bildern
Bild: Alexander Kaya

Zum Thema Geburtenstation machte Freudenberger klar: „Es wurmt jeden, dass der Bürgerentscheid nicht umgesetzt wurde.“ Allerdings habe der Landkreis das Thema nicht ausgesessen, „es war schlicht unter diesen Rahmenbedingungen nicht möglich.“ Grünen-Kandidat Ludwig Ott ist die Diskussion um das Thema zu sehr in die Vergangenheit gerichtet: Er wünsche sich, dass im Landkreis mehr über die Zukunft gesprochen werde.

Landkreispolitik in Wohnzimmeratmosphäre

Und um die Zukunft ging es natürlich auch bei der Sofarunde, in der auch die Fridays for Future-Demonstrationen thematisiert wurden. Dürften die Kinder der Kandidaten – wenn sie etwas älter sind – auch mal die Schule schwänzen, um die Welt zu retten? Für Ludwig Ott ein ganz klares Ja: Als 1991 Geborener habe er immer wieder gehört, wie faul und unpolitisch seine eigene Generation sei. Dass da jetzt jüngere Leute auf die Straße gehen, um etwas zu bewegen, und sich politisch interessieren, findet er gut. Was den Klimaschutz angehe, habe der Landkreis schließlich noch eine ganze Menge Hausaufgaben zu machen. So sieht es auch Susanna Oberdorfer-Bögel , die mit der Entsiegelung von Schulhöfen und der Begrünung von Fassaden an kommunalen Gebäuden konkrete Beispiele brachte. Auch der ehemalige Gymnasiallehrer und Landrat Thorsten Freudenberger zieht positive Aspekte aus den Demonstrationen der jungen Leute: „Das hat dazu geführt, das wir auch in der Kommunalpolitik mehr Gas geben. Und das ist gut.“

Die drei Kandidaten sind oft einer Meinung

In vielen Belangen, das zeigte die Diskussion auf dem Podium, sind die drei Kandidaten gar nicht so weit voneinander weg in ihren Ansichten. Dass der Öffentliche Personennahverkehr im Landkreis ausgebaut werden soll, finden zum Beispiel alle drei richtig. Ob allerdings eine Seilbahn oder eine Straßenbahn die richtigen Mittel dafür sind, da gingen die Meinungen auseinander: Ludwig Ott und Thorsten Freudenberger können sich zumindest vorstellen, beides zu prüfen. Für Susanna Oberdorfer-Bögel sind beide Alternativen zu starr und unflexibel, um in Zukunft funktionieren zu können.

Diese Fragen hatte das Publikum: Was die Zuhörer von den Kandidaten wissen wollten

Während gleichzeitig die Viertelfinal-Partie im DFB-Pokal zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern angepfiffen wurde, wurden in der Fuggerhalle ein ums andere Mal auch gelbe und rote Karten gezückt – immer dann nämlich, wenn die Kandidaten ihre vorgegebene Redezeit überschritten. In die Kabine geschickt wurde jedoch keiner für seinen Rotverstoß – dafür bekamen die Landratskandidaten in einer Schnellfragerunde die Gelegenheit, auch einmal ganz kurz zu antworten: zum Beispiel auf die Frage, mit wem sie lieber im Aufzug stecken bleiben würden. Susanna Oberdorfer-Bögel entschied sich dabei für Vize-Landrat Franz Clemens Brechtl und gegen Antje Esser , Ludwig Ott zog Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter vor. Und Thorsten Freudenberger würde – Nuxit-Debattte hin oder her – lieber mit Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg festsitzen als mit Bodo Ramelow.

Deutlich gemacht haben an diesem Abend aber alle drei: In diesen Aufzug wollen sie als Landrat des Landkreises Neu-Ulm steigen – denn alle drei sind überzeugt davon, die oder der Beste für den Job zu sein. Trotz Wohnzimmeratmosphäre und weicher Sofadecke: So weit ging der Kuschelkurs auf der Bühne der Fuggerhalle dann eben doch nicht.

Hier finden sie das Video zur Podiumsdiskussion zum Nachschauen: Wahlpodium zur Landratswahl im Kreis Neu-Ulm

Mehr zu den drei Bewerbern lesen Sie hier: Landratswahl im Landkreis Neu-Ulm: Die Kandidaten im Check

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