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Boos

30.01.2019

Landvolktag: Ehemaliger Abtprimas Notker Wolf sieht Herausforderungen für Europa

Der ehemalige Abtprimas Notker Wolf sprach beim Unterallgäuer Landvolktag in Boos.
Bild: Josef Diebolder

Der ehemalige Abtprimas spricht beim Unterallgäuer Landvolktag in Boos über aktuelle Entwicklungen – und zieht Vergleiche.

Zu einem Fest des Glaubens und der Begegnung ist der 46. Unterallgäuer Landvolktag in Boos geworden. Das Katholische Landvolk hat sich für zwei Jahre das Thema „Ich bin Europa – und Du auch“ auf die Fahnen geschrieben. Ziel sei es, die Beziehung zu Ländern um Deutschland herum zu vertiefen. Und so nahm sich bei einem Festgottesdienst und bei der anschließenden Landvolk-Kundgebung im Booser Dorfgemeinschaftshaus auch der frühere Abtprimas Notker Wolf diesem Thema an. Umrahmt wurde die Feier vom Ensemble „Incontro“ und der Musikkapelle aus Fellheim.

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Notker Wolf zog Vergleiche. Er betonte, dass die benediktinische Lehre seit 1500 Jahren den europäischen Kontinent präge. Jedes Kloster sei seinem Abt unterstellt und selbstständig. Als weltweiter Leiter habe er verschiedene Charaktere von Klöstern und deren Bewohnern erlebt. Überall gebe es Individualität. So ähnlich würden auch die Bürger in Europa empfinden. Die Deutschen seien dabei oftmals gefügig und würden schnell „Ja sagen“, die Engländer hingegen eigenständiger und selbstbewusster. Östliche EU-Mitglieder hätten noch immer die Last des Eisernen Vorhangs mit der Politik von oben nach unten vor Augen.

Gemeinsame Werte sollen Europa verbinden

Europa dürfe keinesfalls zentralistisch geführt werden. Im Gegenteil: Es muss laut Wolf föderalistisch sein. Sein Orden sei schließlich auch nicht dem Papst unterstellt. Wie jedes Kloster, sollte sich jedes europäische Land selbst verwirklichen. „Unglaublich vorteilhaft“ sei die Einheit Europas. Junge Menschen könnten es sich nicht mehr vorstellen, vor Grenzen zu stehen und Währungen umzutauschen. Allen Anwesenden legte der Erzabt nahe, Europa ernst zu nehmen und zu beschützen.

Landvolktag: Ehemaliger Abtprimas Notker Wolf sieht Herausforderungen für Europa

In seiner Predigt erkannte der Benediktiner, dass es in der menschlichen Natur liege, zu streiten. Dabei habe Christus gefordert: „Sucht den Frieden und jagt ihm nach.“ Deutschland dürfe keine Wagenburg um sich bauen und sich nicht von den angeblichen „Besserwissern beeinflussen lassen“. Dabei bezog er sich unter anderem auf aufkommende rechte Strömungen im Land. „Wir brauchen grundlegende Werte, die uns zusammenbinden, aber auch die Verschiedenheit respektieren.“

Den Landvolktag moderiert haben der Memminger KLB-Vorsitzende Reinhard Flock und die Zweite KLB-Bundesvorsitzende Martha Hänsler aus Lachen. Sie zitierten unter anderem den Papst: „Was ist mit dem Europa los, Heimat von Dichtern und Philosophen“.

Europa fängt bei jedem an, betonte der Booser Bürgermeister Helmut Erben. Man müsse „weg von der Ellenbogenmentalität“. Der dritte Unterallgäuer Landrat Helmut Koch empfahl: „Wir müssen alle zusammenhalten und hinter diesem Europa stehen.“ Für den ehemaligen Landwirtschaftsminister Josef Miller ist Europa die Grundlage deutschen Wohlstands.

Den Unterallgäuer Landvolktag ins Leben gerufen hat Hans Mayer, der bereits in seiner Jugendzeit zahlreiche deutsche und französische Jugendgruppen zusammenführte. Er leitete die Veranstaltung von 1974 an 40 Jahre lang.

Lesen Sie außerdem unseren Bericht über den Besuch Notker Wolfs in Illertissen:
Wenn sechs Bayern die Heimat suchen

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