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Illertissen

09.11.2017

Lehmtransporter sollen Tiefenbach und Emershofen umfahren

Der Parkplatz „Reudelberg“ an der A 7: Über diesen sollen Sattelzüge demnächst zum Ziegelwerk gelangen.
Bild: Regina Langhans

Die Autobahndirektion will den Rastplatz „Reudelberg West“ an der A7 zwischen Vöhringen und Illertissen als Ausfahrt freigeben. Das soll entlasten. Noch sind Fragen offen.

Die Situation gilt als brenzlig: Zahlreiche Lastwagen rollen auf Weg zum Ziegelwerk in Bellenberg durch die Orte Tiefenbach und Emershofen. Bürger und Stadträte beschweren sich über hohe Verkehrsbelastung und Sicherheitsrisiken. Seit längerem wird darüber debattiert. Am Landratsamt wurde deshalb ein runder Tisch aus Mitarbeitern von Behörden, Kommunalpolitikern und Verantwortlichen des Unternehmens einberufen – und sogar Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ( CSU) wurde informiert. Nun zeigen diese Bemühungen offenbar Wirkung.

Die Lastwagen könnten künftig über den Parkplatz „Reudelberg West“ zwischen Illertissen und Tiefenbach von der A7 abfahren. Zumindest hat die zuständige Autobahndirektion in Kempten „keine grundsätzlichen Bedenken“ dagegen – das geht aus einer Stellungnahme hervor, die das Landratamt Neu-Ulm veröffentlicht hat. Man erwarte durch die Maßnahme eine Entlastung der Orte Tiefenbach und Emershofen, hieß es auf Anfrage. Falls die Umgebungsstrecke über den A-7-Parkplatz tatsächlich eingerichtet wird. Denn es sind wohl noch einige Fragen zu klären.

Zum Beispiel, wer für die wohl notwendigen Ausbauten der Feldwege (zwischen dem Parkplatz und dem Ziegelwerk) aufkommt. Weitere Gespräche zwischen den Beteiligten seien wohl notwendig, war war von Seiten des Landratsamts zu erfahren.

In Illertissen wurde die Ankündigung positiv aufgenommen: Von „großer Erleichterung“ spricht Kreisrat Gerhard Leopold, der in Tiefenbach wohnt. Er selbst hat im Sommer ein unschönes Erlebnis gemacht. Als er durch den Ort radelte, habe ihn ein Laster „fast heruntergefahren“.

Der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen wertet die Umfahrung „als gute Sache“. Es sei wichtig, den Schwerlastverkehr aus den Orten herauszuhalten. In Tiefenbach und in Emershofen seien die Gehsteige teilweise sehr schmal. Deshalb bemühten sich er und sein Amtskollege Wolfgang Fendt aus Weißenhorn nun bei der Regierung von Schwaben um die Genehmigung von Tempo-30-Zonen in beiden Orten. Zu diesem Zweck soll es ein Treffen mit Regierungspräsident Karl Michael Scheufele geben. Denn bislang seien derartige Vorstöße abgelehnt worden. Aufgeben wollen Eisen und Fendt nicht: „50 Stundenkilometer ist für Lastwagen in diesen Orten zu viel“, sagt der Illertisser Bürgermeister. Die Geschwindigkeiten sollen reduziert werden: Zumindest bis die neue A-7-Abfahrt am Parkplatz in Betrieb geht.

Ab wann die Lastwagenfahrer die „neue Route“ ansteuern können, ist noch nicht klar. Genannt wurde die erste Jahreshälfte 2018. Dann müssten die aus dem Norden (von der A8 her kommenden) Schlepper nicht mehr durch Emershofen und Tiefenbach zum Ziegelwerk und zurück durch Bellenberg fahren, sondern könnten entlang der Westseite der Autobahn zum Unternehmen geleitet werden. Der Rückweg würde über den Parkplatz „Reudelberg-West“ über die A7 nach Süden zur Anschlussstelle Illertissen führen. Dort könnten die Laster in die Fahrtrichtung Ulm umkehren.

Hintergrund der Transportfahrten sind die Baustellen zum Riesenbauprojekt „Stuttgart 21“: Vom sogenannten „Boßlertunnel“ und sowie künftig auch vom Albvorlandtunnel samt Bahnstrecke beim Flugplatz Echterdingen fahren Laster Aushub zum Ziegelwerk, wo er verarbeitet wird. Ein ähnliches Problem gibt in Klosterbeuren: Auch das dortige Ziegelwerk wird von zahlreichen Lastwagen angesteuert – das erhöhte Verkehrsaufkommen ist auch im Rothtal zu spüren.

An einer Umfahrung arbeiteten Vertreter des Landratsamts, der Städte Illertissen und Weißenhorn, der Gemeinde Bellenberg und des Unternehmens seit einigen Monaten, heißt es in der Mitteilung. Nach dem runden Tisch hatten Bürgermeister Eisen und Landrat Thorsten Freudenberger das Anliegen Verkehrsminister Dobrinth vorgetragen, als dieser im Sommer bei einer Wahlkampftour in Tiefenbach war. Die Idee, eine Ersatzanfahrt über ein Feldwegenetz zu schaffen, stammt von dem Illertisser Stadtrat Dietmar Haas. Dies hatte er im Mai dieses Jahres vorgeschlagen.

Aktuell fahren maximal 100 Sattelzüge nach Bellenberg, doch die Zahl könnte steigen: Wie aus der Mitteilung des Landratsamts hervor geht, verhandelt der Ziegelproduzent mit der Deutschen Bahn über die Aufnahme von weiteren Millionen Tonnen Aushubmaterial. Aus dem sogenannten Opalinus-Ton stellt die Firma Ziegel her.

Der Parkplatz „Reudelberg-West“ müsste für die Dauer der Transportfahrten für den Autobahnverkehr gesperrt werden. Das wäre aus Sicht der Experten der Autobahndirektion „temporär vertretbar“: Es gingen nur Parkplätze für bis zu 15 Autos verloren. Die Fahrten sollen bis Ende 2019 oder 2020 weitergehen. Danach sei die Zufahrt „umgehend zurückzubauen“.

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