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Bellenberg

25.12.2019

Lesergeschichte: Aufregendes Weihnachten unterm Sofa

Eine kleine Mäusefamilie feiert Weihnachten bei Hempels unterm Sofa.
Bild: Jens Büttner/Archiv (dpa)

Bei Hempels unterm Sofa lebt eine kleine Mäusefamilie. An Heiligabend herrscht Aufregung, denn dieses Jahr hält Weihnachten nicht nur Geschenke, sondern auch eine Überraschung bereit. Am Ende feiert die Familie nicht allein.

Unsere Leserin und Kinderbuchautorin Heidi Jung aus Bellenberg hat sich eine Weihnachtsgeschichte ausgedacht. Sie handelt von der kleinen Mäusefamilie, die bei Hempels unterm Sofa lebt und von einem unerwarteten Weihnachtsbesuch überrascht wird.

Bei Hempels unterm Sofa ließ es sich trefflich wohnen. Zumindest galt das für Jack und Jenny, die mit ihren Kindern Tim und Lucy vor einem halben Jahr dort untergekommen waren. Die kleine Mäusefamilie fühlte sich rundum wohl und geborgen. Ihr Vormieter Marius, der zu seiner Freundin ins Allgäu ausgewandert war, hatte wirklich nicht zu viel versprochen, als er ihnen die Wohnung in den höchsten Tönen anpries. Schon gleich nach ihrem Einzug konnten sie sich selbst davon überzeugen. Er hatte nicht zu viel versprochen. Im Gegenteil – besser hätten sie es gar nicht treffen können. Die Wohnung war einfach perfekt.

Der Eingang – eine Runde Röhre – führte von draußen direkt unters Sofa, das von den Hempels wohl dort platziert worden war, um das Loch in der Wand zu verdecken. Und weil es sich bei der Couch um einen großen Dreisitzer handelte, war darunter genügend Platz für alle und Jenny musste die Wohnung nur noch behaglich einrichten. Ihre entfernten Verwandten, von den Menschen „Wollmäuse“ genannt, waren ihr dabei eine große Hilfe. Als die Kinder noch Babys waren, dienten sie ihnen als behagliches Nest und nun, als sie größer waren, hatten sich die Wollmäuse derart vermehrt, dass für die ganze Familie gemütliche Schlafstätten vorhanden waren.

Lesergeschichte: Aufregendes Weihnachten unterm Sofa

Aber auch ansonsten konnten sie sich nicht beklagen, denn die früher recht mühsame Nahrungssuche blieb ihnen jetzt erspart. Von den Mahlzeiten der Hempels fiel nämlich immer etwas für sie ab, – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es verging kein Tag, an dem nichts Nahrhaftes zu ihnen unters Sofa rollte. Und jetzt, kurz vor Weihnachten, wurden sie darüber hinaus auch noch mit besonderen Leckereien verwöhnt. Da kullerten Nüsse zu ihnen herunter, Rosinen, Schokoladenstreusel, Marzipankugeln und sonst noch allerlei Köstlichkeiten. Die Kinder wussten gar nicht, wie ihnen geschah bei all dem Überfluss. Und weil es ihr erstes Weihnachten war, hörten sie ihren Eltern gespannt zu, als sie ihnen erzählten, was es mit dem bevorstehenden Fest auf sich hatte.

Weihnachten, was für ein wunderbares Fest. Ihre kleinen Knopfäuglein strahlten und ihre Vorfreude wuchs von Tag zu Tag. Aufgeregt, mit zitternden Näslein lugten sie unterm Sofa hervor und sahen den Hempels zu, wie sie herrlich duftende Plätzchen buken, Weihnachtskarten schrieben, Geschenke einpackten und Strohsterne bastelten. Und als dann Herr Hempel am Vortag des Heiligen Abends den Christbaum in der Stube aufstellte und Frau Hempel ihn mit allerlei Zierrat schmückte, kamen sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. So etwas Schönes hatten sie noch nie gesehen.

Völlig aus dem Häuschen bestürmten sie ihre Eltern und bettelten: „Wir möchten auch so einen Weihnachtsbaum.“ Doch die Eltern erklärten, dass so ein Baum doch gar nicht in ihre Wohnung passen würde und außerdem bräuchten sie ja nur unterm Sofa hervorlugen und hätten so den Weihnachtsbaum immer vor Augen. Doch Tim und Lucy fanden, dass das nicht das gleiche wäre und schmiedeten heimlich einen Plan.

Als ihre Eltern schliefen, huschten sie unterm Sofa hervor und sammelten alles ein, was sie für ihr Vorhaben brauchten. Zum Glück hatten die Hempels noch nicht aufgeräumt und so wanderten nach und nach ein paar Tannenzweiglein, silberglänzendes Lametta, kleine Christbaumkügelchen und Strohsternchen unters Sofa - und als die Eltern am Morgen aufwachten, stand in ihrem Wohnzimmer ein hübsch geschmücktes Weihnachtbäumchen. Na, das war vielleicht eine Überraschung. Die Eltern staunten nicht schlecht und jetzt wurden auch sie vom Weihnachtsfieber gepackt. Der Vater musste plötzlich noch etwas Dringendes erledigen und auch die Mutter tat ganz geheimnisvoll und wollte nicht gestört werden. Und als es dann endlich Abend war, lagen für die Kinder unterm Weihnachtsbäumchen zwei kleine und ein etwas größeres Päckchen mit roter Schleife. Tim und Lucy strahlten vor Glück und stöhnten ehrfürchtig: „Schaut nur, das Christkind hat uns was gebracht.“

Mit zitternden Fingerchen packten sie ihre Geschenke aus. In den kleinen Päckchen waren eine Wollmütze, ein Schal und warme Socken und aus dem Größeren, das für beide bestimmt war, kam ein wunderbarer Mäuseschlitten zum Vorschein. Tim und Lucy jubelten und hätten ihn am liebsten sofort ausprobiert. Aber leider war es schon stockdunkel und außerdem Zeit fürs Abendessen. Auch die Hempels, die heute Besuch von ihrem Sohn, der Schwiegertochter und ihrem Enkel Benjamin hatten, tafelten schon.

Also tat es ihnen die Mäusefamilie gleich und setzte sich auch an den Tisch und schmausten und lauschten den Weihnachtsliedern, die von Hempels Radio zu ihnen herunterklang. Doch gerade als sie die letzten Bissen hinuntergeschluckt hatten, raschelte es hinter ihnen und sie bekamen ganz unerwartet Besuch von einer unbekannten Mäusefamilie. Völlig erschöpft und entkräftet schlüpften sie durch die Eingangsröhre in ihr Wohnzimmer.

Vater Jack stellte sich gleich schützend vor die Seinen und wollte die Eindringlinge davonjagen. Doch Mutter Jenny hielt ihn davon ab und machte ihn darauf aufmerksam, wie mitgenommen die Fremden waren. Tatsächlich sahen alle recht ramponiert aus. Der Vater hatte ein zerrissenes Ohr, auf dem Rücken der Mutter fehlte ein Stück Fell und auch die Kinder waren völlig durch den Wind. Und als Tim und Lucy ihren Vater daran erinnerten, dass heute doch „Heilig Abend“ wäre, gab er schließlich nach und erlaubte ihnen, sich bei ihnen auszuruhen.

Nach einer kurzen Ruhepause erzählten die Fremden dann, was ihnen zugestoßen war. „Wir haben auch unter einem Sofa gelebt“, lispelte die Mutter noch immer ganz durcheinander. „Alles war gut und wir waren sehr glücklich. Doch dann hat sich die Tochter unserer Vermieter eine Katze zu Weihnachten gewünscht und auch bekommen. Aber das Tier hatte nichts Besseres zu tun, als gleich zu uns unters Sofa zu kriechen und uns anzugreifen. Nur mit Mühe und Not konnten wir uns retten. Aber auf der Suche nach einer neuen Unterkunft hatten wir kein Glück. Von allen, bei denen wir anklopften und um Einlass baten, wurden wir davongejagt. Ihr seid die Ersten bei denen wir uns ausruhen dürfen.“

Vater Jack, der eigentlich ein gutes Herz hatte, sah seine Frau beschämt an und als sie ihm aufmunternd zuzwinkerte entschuldigte er sich bei der Mäusefamilie. „Es tut mir leid, dass ich euch so angeschnauzt habe. Ihr könnt natürlich so lange bei uns bleiben bis ihr eine neue Wohnung gefunden habt.“ Na, das war vielleicht ein Jubel. Die obdachlose Familie bedankte sich tausendmal und Tim und Lucy waren so stolz auf ihren Vater, dass sie ihn stürmisch umarmten. Mutter Jenny richtete derweil schon das Nachtlager für die Gäste. Zum Glück war genügend Platz vorhanden und Wollmäuse gab es auch genug. Doch etwas anderes machte ihr Sorgen. Sie hatten nämlich heute recht üppig zu Abend gegessen und nun befürchtete sie, dass die Reste für ihre Gäste nicht reichen würden. Aber ihre Sorge war unbegründet, denn gerade als sie zu den anderen ins Esszimmer zurückkam, plumpste etwas von Hempels Tisch und ein großer Knödel, der für alle reichte, rollte zu ihnen unters Sofa.

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