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Babenhausen

30.01.2019

Lesestoff in Babenhausen: Er bringt die Schmöker unters Volk

Für seine 50. Literaturstunde hat sich der Schauspieler Fred Strittmatter etwas Besonderes einfallen lassen.
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Für seine 50. Literaturstunde hat sich der Schauspieler Fred Strittmatter etwas Besonderes einfallen lassen.
Bild: Claudia Bader

Fred Strittmatter veranstaltet seine 50. Literaturstunde für den Verein „Bürger unterstützen Senioren“ in Babenhausen. Wie alles begann und was er sich fürs Jubiläum überlegt hat.

Die Frage nach seiner Lieblingsliteratur kann Fred Strittmatter nicht beantworten. „In jedem Text, den ich lese, ist etwas, das ich liebe“, sagt der Schauspieler. Während der vergangenen zehn Jahre hat er den Menschen, die seine Literaturabende im Babenhauser Café Fahrenschon und danach die Literaturstunden des Vereins „Bürger unterstützen Senioren“ (BuS) besucht haben, eine großeVielfalt an Schreib- und Dichtkunst nähergebracht. Für seine 50. BuS-Literaturstunde am Mittwoch, 6. Februar, hat sich Strittmatter etwas Besonderes einfallen lassen.

Die Literaturstunden finden im Gasthaus Rössle in Babenhausen statt.
Bild: Felicitas Macketanz (Archivbild)

Unter dem Motto „Das Beste aus 49“ wird der Schauspieler von 14 bis 15 Uhr im Roten Saal des Gasthauses Rössle an der Schrannenstraße eine Auswahl der schönsten und interessantesten Texte der zurückliegenden Veranstaltungen lesen und erzählen. Die Auswahl durften die Besucher in einer vorangegangenen Literaturstunde treffen. Zur Jubiläumslesung sind – wie auch zu den anderen Veranstaltungen – alle Interessierten herzlich willkommen, sagt Strittmatter. Der Eintritt ist frei.

Im Café Fahrenschon hieß es: Strittmatter liest und erzählt

Strittmatter selbst bekennt sich als „Liebhaber der Literatur, der andere Leute daran teilhaben lässt“. Der gebürtige Schweizer hat die Schauspielschule in Zürich besucht und ist im Alter von 24 Jahren nach Deutschland gezogen. Drei Jahrzehnte lang ist er in festen Engagements quer durchs Land getingelt. Seit 15 Jahren lebt er mit seiner Ehefrau – der bekannten Malerin Gretel Salzgeber – in Fürbuch bei Breitenbrunn. Im Jahr 2008 übernahm das Paar das traditionsreiche Café Fahrenschon in Babenhausen. „Es gibt uns freischaffenden Künstlern eine Existenzgrundlage, die uns die Möglichkeit bietet, unsere Berufe unabhängig voneinander auszuüben“, erklärt Strittmatter diesen Schritt. Während seine Frau Malkurse gibt, ist er oft für Theater-Engagements unterwegs.

An seinen ersten Literaturabend im Café kann sich Strittmatter noch gut erinnern. „Ursprünglich wollten drei unserer Bekannten aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen. Als sich zum Schluss nur noch einer bereit erklärt hat, bin ich kurzerhand eingesprungen“, berichtet er.

Jede Menge literarische Werke waren Thema.
Bild: Rumpenhorst, dpa (Symbolbild)

Weil auch seine später mit Märchen und Balladen gestalteten Lesungen gut angekommen sind, entwickelten sich daraus die Literaturabende, die fortan einmal im Monat stattfanden. Wenn es hieß „Fred Strittmatter liest und erzählt“ kamen die Besucher teilweise von weither ins Café Fahrenschon.

Wegen des zeitlichen Aufwands hat der Schauspieler die Veranstaltungsreihe nach der 72. Auflage eingestellt. „Die Qualität, die ich geboten habe, war mit der Zeit, die mir zur Verfügung stand, nicht mehr möglich“, blickt er zurück. Doch Liebhaber von Literatur kamen weiterhin auf ihre Kosten.

Die Besucher wollen nicht nur "leichte Kost" hören

Auf Einladung hat Strittmatter bei der Jahresversammlung des Babenhauser Vereins „Bürger unterstützen Senioren“ sein Ein-Mann-Theater „Kneipp-Solo“ aufgeführt. Der gelungene Auftritt bildete den Auftakt für die BuS-Literaturstunden, die seit Mai 2014 an jedem ersten Mittwoch des Monats im Roten Saal des Gasthauses Rössle stattfinden.

„Anfangs habe ich gedacht, ich dürfe den älteren Leuten nur leichte Kost servieren und habe deshalb aus Balladen, Liebesgedichten oder Werken von Hermann Hesse, Wilhelm Busch, Eugen Roth oder Erich Kästner gelesen“, erinnert sich der Schauspieler. „Das war aber ein Irr-tum!“ Schon nach der achten Veranstaltung hat er sein Konzept geändert. Das große Interesse und die Aufmerksamkeit haben ihm signalisiert, dass die Besucher auch anspruchsvolle Literatur, zum Beispiel von Nelly Sachs, Franz Kafka, Johannes Mario Simmel oder Ingeborg Bachmann, hören wollen. „Jetzt wähle ich meistens die Literatur, die mich selbst fesselt“, sagt Strittmatter. Manchmal frage er die Leute auch nach ihren Wünschen. „Wenn die gewählten Werke zu umfangreich sind, mache ich zwei Literaturstunden daraus. Dann freuen sich meine Zuhörer schon auf die Fortsetzung.“

Lesen Sie zum Verein "Bürger unterstützen Senioren":

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