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Senden / Neu-Ulm

30.01.2019

Mann geht im Drogenrausch auf Polizisten los

Einen Polizeieinsatz direkt aus dem Gerichtssaal ordnete heute ein Landsberger Richter an.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Bei einem Handgemenge am Sendener Bahnhof verletzt ein 34-Jähriger eine Beamtin. Der Fall landet vor Gericht.

Immer öfter ist von Angriffen auf Polizeibeamte zu hören, die Hemmschwelle scheint zu sinken – deshalb werden Straftaten wie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und tätliche Angriffe seit einiger Zeit strenger bestraft als früher. Das musste ein Mann aus dem Raum Vöhringen erfahren, er hatte sich in Senden mit der Polizei angelegt. Nun musste er sich vor dem Amtsgericht Neu-Ulm verantworten. Allein gegen vier hieß es dabei, wie nun im Prozess deutlich wurde. Noch dazu war der Mann betrunken und stand auch unter dem Einfluss von Drogen.

Vier zu null für die Polizei

„Da steht es doch vier zu null für die Polizei“, sagte Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer an die Adresse des 34-jährigen Angeklagten, der sich voriges Jahr am Sendener Bahnhof in einen Kampf mit den Ordnungshütern stürzen wollte. Auslöser war offenbar eine Kontrolle gewesen: Die Polizisten wussten, dass gegen den Mann ein Beförderungsverbot der Bahn vorlag, weil jener mehrfach beim Schwarzfahren erwischt worden war. Der augenscheinlich zugedröhnte Angesprochene ließ sich von den Beamten zunächst nicht beeindrucken, sondern lief weiter in Richtung Gleise. Diese riefen Verstärkung und eröffneten dem Mann eine „Ingewahrsamnahme zu seinem eigenen Schutz“, wie es im Behördendeutsch heißt. Es habe die Gefahr bestanden, dass der 34-Jährige vor einen einfahrenden Zug stürzen könnte.

Mann wehrt sich mit Händen und Füßen

Der Mann wehrte sich mit Händen und Füßen – und warf noch dazu mit Beleidigungen um sich, als ihn sechs Polizisten gefesselt in den Streifenwagen bringen wollten. So wurde die Situation im Gerichtssaal geschildert. Eine Polizistin wurde leicht verletzt und besonders übel beleidigt, hieß es. Mit vereinten Kräften sei es in den Haftraum gegangen, wo der Delinquent nach dem Abnehmen der sogenannten „Spuckhaube“ um sich gespuckt habe. Nur „mit erheblichem Kraftaufwand“ habe eine Blutprobe veranlasst werden können. In ihr fanden sich reichlich Alkohol (1,9 Promille) und diverse Drogenwirkstoffe – wohl die Ursache für den Kontrollverlust. Der Mann sei seit fast 20 Jahren abhängig von Alkohol und Heroin, vielfach vorbestraft und habe auch schon einen Entzug gemacht – offenbar erfolglos. Mit seiner ebenfalls süchtigen Lebensgefährtin habe er ein fünf Monate altes Baby, das seit drei Monaten in einer Entzugsklinik behandelt werde, war im Gerichtssaal zu erfahren. „Das Kind kann für sein Leben lang geschädigt sein“, warf Richter Mayer dem Angeklagten vor. Zur Anklage wegen Widerstandes kam noch hinzu, dass er in einer Sendener Arztpraxis eine Helferin mit dem Tod bedroht haben soll. Sie hatte sich wohl gemäß der Weisung ihres Chefs geweigert, dem Mann ein Rezept für Drogenersatzstoffe auszustellen.

Zeugin macht Aussage unter Tränen

Die Frau trat als Zeugin unter schützender Begleitung einer Justizbeamtin auf. Sie brachte ihre Aussage weinend vor, obwohl der Richter versicherte, sie brauche keine Angst zu haben. Dem Angeklagten stehen noch zweimal je eineinhalb Jahre Haft aus einschlägigen Delikten bevor, über deren Berufung die Landgerichte Ulm und Memmingen demnächst verhandeln werden. Er selbst bat darum, in den „Maßregelvollzug“, also in eine mit Entzug kombinierte Haft zu kommen, weil er vor allem wegen des Kindes seine Sucht endlich loswerden wolle. Ob das klappt, ist fraglich: Möglicherweise muss der Mann psychiatrisch begutachtet werden, weil er schon eine Entzugskur auf eigene Verantwortung abgebrochen hatte. Oberstaatsanwalt Markus Schroth beantragte ein Jahr und acht Monate Haft. Verteidiger Alfred Nübling hielt eine Gefängnisstrafe von neun Monate für angemessen. Das Urteil lautete schließlich auf ein Jahr und zwei Monate. Sollten die Vorstrafen in Ulm und Memmingen bestehen bleiben, würden sie dazugerechnet.

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