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Landkreis Neu-Ulm

19.02.2021

"Mehr geht nicht": Das sagt der Schulamtsleiter zum Samstagsunterricht

Am Montag soll wieder Präsenzunterricht an den Grundschulen und für die Abschlussklassen stattfinden. Politiker fordern, dass künftig auch samstags unterrichtet wird.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Soll Unterricht am Samstag die durch Corona entstandenen Lücken füllen? Ansgar Batzner, Leiter des Schulamts im Kreis Neu-Ulm, hat sich jetzt dazu geäußert.

Es war ein Vorschlag, der bei den Betroffenen auf wenig Gegenliebe stößt: Josef Kraus, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbands, aber auch Politiker verschiedener Parteien fordern, dass im zweiten Schulhalbjahr Unterricht und Prüfungen an Samstagen und in den Ferien nachgeholt werden sollen, die durch Homeschooling ausgefallen sind. Jetzt hat sich Ansgar Batzner, Leiter des Staatlichen Schulamts im Landkreis Neu-Ulm, dazu geäußert.

Als Dienstvorgesetzter für rund 800 Lehrkräfte im Schulamtsbezirk Neu-Ulm sieht sich Batzner in der Fürsorgepflicht für seine Kollegen, wenn er dem Vorschlag energisch entgegentritt. Batzner argumentiert: "Es ist kein Schulausfall, wenn Distanzunterricht stattfindet." So stehe es auch in der Bayerischen Schulordnung nachzulesen.

Ansgar Batzner ist der Leiter des Schulamts im Landkreis Neu-Ulm.
Bild: Sammlung Batzner

Von einem Ausfall des Unterrichts ist aus seiner Sicht also keine Rede, im Gegenteil: Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet das derzeitige Modell einen gewaltigen Zusatzaufwand. "Die vielen tausend Lehrkräfte in der Region Donau/Iller leisten eine Arbeit, die deutlich mehr abverlangt als vor Corona: Digitale Bildung, Erklärvideos, Sprachnachrichten als digitaler Startschuss am Morgen, tägliche Videokonferenzen mit Schülerinnen und Schülern, Notbetreuung, Elterngespräche, Telefonate mit den Kindern und Jugendlichen, Arbeitspakete und so weiter kommen zu den herkömmlichen Aufgaben der Unterrichtsgestaltung und der Korrekturen hinzu.

Unterricht am Samstag: Das sagt der Leiter des Schulamts Neu-Ulm dazu

Batzner verweist außerdem auf die Faschingsferien in Bayern, die diese Woche eigentlich stattfinden sollten und nach Beschluss der Staatsregierung durch Distanzunterricht ersetzt wurden. "Bei Ferien geht es auch um die Erholungsphasen für die Schüler/innen, die in der Regel die Angebote des Distanzunterrichts gut annehmen. Dass es leider Schüler/innen gibt, die abgehängt werden, darf nicht sein und hat Gründe, die nicht in der Lehrerschaft zu suchen sind."

Im Distanzunterricht sieht Batzner keine verlorene Zeit und keinen Schulausfall. Dennoch sei Präsenzunterricht – sofern infektionstechnisch möglich - die bessere Form. Lehrkräfte, Schüler und Eltern seien froh, dass am Montag zumindest wieder für die Grundschüler sowie die Abschlussklassen aller Schularten Wechselunterricht gelte. Auch dieser ist eine Herausforderung für die Lehrkräfte, wie Batzner betont: So halten die Lehrerinnen und Lehrer beim Wechselunterricht in Präsenz den Unterricht für einen Teil der Klasse und unterrichten oft zusätzlich digital den anderen Teil. Darüber hinaus werden Lehrkräfte in der Notbetreuung eingesetzt. An manchen Schulen im Landkreis Neu-Ulm nehmen diese laut Schulamt über 30 Prozent der Kinder in Anspruch.

Batzner: Beamtinnen und Beamte schaffen genug

Was Batzner gewaltig ärgert an der Diskussion: "Zu sagen, die Beamtinnen und Beamten würden nicht genug schaffen, ist einfach unwahr. Glaubt denn irgendjemand, dass in der Staatsregierung, in den Verwaltungsebenen und in den Landratsämtern Menschen sind, die nicht alles in ihrer Verantwortung Mögliche tun, um möglichst schnell und mit möglichst wenig Kollateralschäden diese Pandemie zu bewältigen?"

Beamtinnen und Beamte aus dem Landratsamt, aus dem Schulamt und die Schulleitungen seien nun dabei, freiwillige und kostenlose Testungen für Schüler und Lehrkräfte sowie weiteres schulisches Personal zu organisieren. Es brauche in Zeiten der Corona-Pandemie ein Miteinander, ein Zusammenstehen und Wertschätzung. Und die Anstrengungen seien bereits enorm. Batzner: "Mehr geht nicht, zumindest gilt das für die meisten Beamtinnen und Beamten, damit es nicht irgendwann vor Erschöpfung heißt: Es geht nicht mehr."

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