Wenn Schauspieler, wie zuletzt im Stück „Talisman“, auf der Bühne des Landestheaters Schwaben in Memmingen eine Rückwärtsrolle machen müssen, dann ist das auch für die Maskenbildnerin Katja Glückler eine Herausforderung. Denn die Schminke darf nicht verwischen und die Perücke nicht verrutschen. Das geht nur mit „sehr, sehr viel Haarspray, und sehr vielen Haarnadeln“, sagt die 25-Jährige lachend.
Die Perücke festzustecken ist sowieso eine kleine Kunst für sich: Zuerst müssen die echten Haare der Schauspieler „geschneckelt“, also gekringelt, werden. Dann wird die Perücke mit Nadeln festgesteckt – aber so, dass sie dem Träger nicht wehtun. Die Perücken stellen Glückler und ihre Kollegin Ilka von Wnuk Lipinski meist selbst her. An einem Exemplar sitzen sie schon mal ein bis zwei Wochen, bei einem Acht-Stunden-Tag. „Aber gekaufte Perücken passen oft nicht so gut auf den Kopf“, erklärt Glückler.
Unter den Darstellern heißt es immer: „Die Maske weiß alles“
Mit Haaren kennt sich die Bad Saulgauerin ohnehin gut aus: Sie hat eine dreijährige Friseurlehre gemacht. Danach ging sie ein Jahr auf eine Maskenbildner-Schule. Bevor sie ans Landestheater kam, wirkte sie als Maskenbildnerin bei Musicals in Köln („Bodyguard“) und Stuttgart („Tanz der Vampire“) mit. Auch wenn die Friseurausbildung heute keine Voraussetzung mehr für den Beruf als Maskenbildnerin darstellt, ist Glückler froh, sie gemacht zu haben: „Es hat mir sehr geholfen. Ich habe das Frisieren gelernt, den Umgang mit Lockenwicklern, aber auch den Umgang mit Leuten.“ Und ein Gespür für Menschen braucht sie: Denn wer bei ihr auf dem Stuhl sitzt, der sitzt oft eine ganze Weile. Da komme man schon mal über private Dinge ins Gespräch, erzählt sie. Unter den Darstellern heiße es immer, „die Maske weiß alles.“
Doch genau das macht ihr so Spaß an der Arbeit. „Es ist sehr familiär – jeder ist für jeden da.“ Außerdem mag sie an ihrem Beruf, dass er so abwechslungsreich ist. „Am meisten Spaß habe ich, wenn ich kreativ werden kann“, sagt sie. Zwar geben die Kostümbildner vor, wie sie sich die Figuren im Stück in etwa vorstellen. Dazu fertigen sie Figurinen an, die sie den Maskenbildnern vorstellen. Glückler überlegt sich dann aber anhand dieser Zeichnungen, wie das Resultat einmal genau ausschauen soll. „Die Kostümbildner sagen mir zum Beispiel, sie möchten einen böse schauenden Wolf für ein Märchenstück. Ich entwerfe dann eine entsprechende Maske.“ Außerdem sagt sie den Kostümbildnern, was tatsächlich möglich ist und was nicht: „Ich kann zum Beispiel nicht für zehn Leute in zwei Wochen je eine Perücke herstellen. Da gibt es dann Grenzen.“
Manche Schauspieler müssen vor der Aufführung nur abgepudert werden, andere bekommen ein aufwendiges Bühnen-Make-up oder eine Maske. Es ist daher wichtig, dass Glückler einen guten Überblick behält und die Schauspieler rechtzeitig zu sich in die Maske bestellt. Sie erstellt einen Plan, wer wann kommt und wie lange bleibt. Bei einem Theaterstück wie dem „Talisman“, in dem viele Perücken im Spiel sind, fängt sie mit ihrer Kollegin schon fast zwei Stunden vor der Aufführung an, die Schauspieler zurechtzumachen. Sie muss dabei im Hinterkopf behalten, dass das Bühnenlicht viel Farbe schluckt. Hinzu kommt, dass viele Zuschauer relativ weit weg von der Bühne sitzen. „Dann muss ich kräftiger schminken und die Untertöne an die Lichtfarbe anpassen“, sagt sie. „Außerdem ist es durch das Licht sehr heiß auf der Bühne und die Schauspieler bewegen sich viel.“ Trotzdem muss die Schminke halten – auch wenn die Darsteller schwitzen. Gänzlich vermeiden lassen sich kleine Pannen auf der Bühne nicht. „Es passiert immer mal, dass eine Perücke rutscht oder ein Bart abfällt. Aber das sehe ich normalerweise schon bei den Proben und probiere dann etwas anderes aus. Bei der Aufführung sollte nichts mehr schief gehen.“ Falls doch, steht sie hinter der Bühne und kann das Problem rasch in Ordnung bringen.
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