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Unterallgäu

22.11.2017

Milch: Kommt im Frühjahr die nächste Krise?

Fast bis Mitternacht diskutierten die Teilnehmer der Kreisversammlung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter über aktuelle Entwicklungen.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

BDM-Bundesvorsitzender sieht bei der Kreisversammlung keinen Markt für eine Produktionssteigerung.

Nach der Krise ist vor der Krise: Unter diesem Motto hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) – 20 Jahre nach seiner Gründung – bei der Kreisversammlung in Sontheim zu einer verantwortungsvollen Milchproduktion gemahnt. Geringe Steigerungen der Menge, die über den Bedarf hinausgehen, wirken sich dem Verband zufolge gravierend auf den Weltmarkt und auf den Milchpreis aus.

Bundesvorsitzender Romuald Schaber ging auf den Milchmarkt ein: Wenn die Bauern bei den aktuell „noch“ guten Preisen so weiterproduzieren, komme im Frühjahr die nächste Krise. Nach dem Einknicken des Butterpreises von sieben auf 5,40 Euro pro Kilo seien nun die Notierungen von Käse und Frischprodukten unter Druck.

Weil Europa und vor allem Deutschland auf dem Milchsektor die entscheidende Rolle spielen, sei es fatal, bei den aktuell noch guten Milchpreisen die Produktion weiter ungezügelt zu steigern, hieß es bei der Versammlung weiter. Nach den Worten von Kreischef Manfred Gromer verfügt der Verband bereits über das Wissen und die notwendigen Instrumente: „Man muss das nur in die Köpfe hineinbringen, dass die Bauern zu Preisen wie vor 40 Jahren nicht produzieren können.“

Schaber zeigte sich „froh, dass der Bayerische Landwirtschaftsminister Brunner begriffen hat, dass es elementar wichtig ist, dass der Milchmarkt handlungsfähig bleibt“. Große Teile der BDM-Vorschläge zur Milchreduktion habe die Politik übernommen: So habe zum Beispiel das freiwillige Milchreduzierungsprogramm den Markt von einer Milliarde Kilo Milch entlastet. Für mehr Milch fehle derzeit einfach der Markt. Schaber freute sich, „dass sich der Landtag über alle Parteigrenzen hinweg für zeitlich befristete Milch-Reduktions-Maßnahmen ausgesprochen“ habe, wenn es der Markt erfordere.

Auch wenn man nicht „von heute auf morgen“ von den Direktzahlungen wegkomme: „Irgendwann müssen wir von unseren Preisen leben können“, forderte der Landwirt. Er plädiert dafür, mit dem auf 350000 Tonnen angestiegenen Magermilchpulverberg nicht die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern „kaputtzumachen“, sondern damit die Schweine zu füttern. Eine Verwertung über Biogasanlagen „wäre zwar auch möglich, brächte aber gewaltige Diskussionen“. Beim Thema Tierwohl müssten die Bauern mit einer Stimme sprechen, forderte Schaber.

Auch wenn die Verlängerung der Sperrzeiten bei der Düngerausbringung nur eine Verschlechterung für die Umwelt bringen könne, sieht er bei der „praxisfremden Düngeverordnung“ (DÜV) keine Möglichkeit, jetzt noch etwas zu ändern. Obwohl er nicht dafür verantwortlich ist, bekam Landwirtschaftsrat Josef Preis bei der Vorstellung der neuen DÜV den massiv aufgestauten Frust der Landwirte deutlich zu spüren: „Dampf ablassen ist verständlich“, sagte Gromer während der fast bis Mitternacht andauernden Diskussion – aber „nicht zielführend.“

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