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Militär
15.06.2019

Salutieren vor dem Bürgermeister

Das Ulmer Kommando kann weltweit Einsätze leiten.
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Das Ulmer Kommando kann weltweit Einsätze leiten.

Der Kellmünzer Rathauschef Michael Obst befehligt derzeit aushilfsweise den Unterstützungsverband des Ulmer Kommandos. Wie es dazu kam – und was das bedeutet

Ein Bürgermeister rückt ein: Der Kellmünzer Rathauschef Michael Obst ist in diesen Tagen weniger in Sakko und Krawatte zu sehen, dafür umso öfter in Militäruniform. Denn der 48-jährige Oberstleutnant der Reserve vertritt den Kommandeur des Unterstützungsverbands des Ulmer Kommandos. Der hat Urlaub und der direkte Stellvertreter befindet sich im Auslandseinsatz. Für zweieinhalb Wochen kehrt Obst damit in den aktiven Bundeswehrdienst zurück, ist täglich in der Wilhelmsburg-Kaserne und leitet die Geschäfte im Verband. Im Hintergrund steht die Patenschaft der Einheit mit der Gemeinde Kellmünz: Die Soldaten sind regelmäßig im Ort zu Gast und gestalten Ferienprogramm und Waldweihnacht mit. „Jetzt kann ich etwas zurückgeben“, sagt Aushilfs-Kommandeur Obst. Das ist freilich kein Job für jedermann.

Als Oberstleutnant ist der Kellmünzer Bürgermeister ein ranghoher Reservist, der gute Kontakte zum Ulmer Kommando (Multinationales Kommando Operative Führung) unterhält und sich nach eigenen Angaben nach Hunderten absolvierten Wehrübungen in der Truppe auskennt. Bis Ende Juni werden die Ulmer Soldaten vor Oberstleutnant Obst salutieren.

Eine gewisse Leidenschaft für die Bundeswehr hegte Obst schon immer. Als Kind habe er Berufssoldat werden wollen, sagt er. Der Wunsch wurde durch die Erlebnisse mit US-amerikanischen Soldaten geweckt: Die fuhren früher auf dem Weg zum ehemaligen Raketenlager in Ritzisried nämlich durch Obsts Heimatort Obenhausen – ganz zur Freude der Kinder. Die seien ganz heiß auf Geschenke wie Knicklichter und Dosenrationen gewesen. „Irgendetwas haben die Soldaten im Vorbeifahren immer aus dem Fenster geworfen“, erinnert sich Obst, der sich später als junger Mann tatsächlich als Zeitsoldat verpflichtete. Doch nach zwei Jahren kündigte er, aus privaten Gründen wie er sagt, und studierte stattdessen Lehramt. Seine Begeisterung für die Bundeswehr habe er allerdings nie verloren. Während Studienkollegen in den Semesterferien jobbten, absolvierte Obst Wehrübungen, mehr als 500 Tage sind es bis heute. „Ich habe das von der Pike auf gelernt“, sagt Obst. Er bildete sich militärisch immer weiter fort, über ihm stehen nur die Dienstgrade Oberst und General.

Seiner Reservistenlaufbahn verdanke er „viele tolle Erlebnisse“, sagt Obst. Dazu gehörten Reisen nach Ungarn, Rumänien und in die USA. Eine Erkenntnis daraus: In anderen Ländern werde der Beruf des Soldaten in der Öffentlichkeit stärker wertgeschätzt, als in Deutschland. In den Vereinigten Staaten könne es einem Soldaten in Uniform passieren, dass fremde Menschen einem auf der Straße für den Dienst danken. Oder dass ein bestellter Kaffee in einem Restaurant von einem unbekannten Spender beglichen wird. „Das ist einem dann schon fast peinlich“, sagt Obst. Ein bisschen mehr von dieser Geisteshaltung wünsche er sich hierzulande dann aber doch: Die Arbeit der Soldaten habe mehr Achtung verdient, so Obst. „Immerhin halten sie, wenn es sein muss, für unsere Gesellschaft die Köpfe hin.“ Mit seinem Einsatz für den Unterstützungsverband wolle er dahingehend ein Zeichen setzen.

Mit seiner Sollstärke von 450 Mann unterstützt der Verband das Ulmer Kommando, das seinerseits mit strategischen Planungen betraut ist. Im Auftrag der Vereinten Nationen, der Nato oder der EU kann es weltweit Einsätze koordinieren und führen. „Sie sind die Denker“, sagt Obst. Der Verband würde das Kommando absichern und auch versorgen. „Von der Zahnbürste bis zum gepanzerten Fahrzeug haben wir alles“, sagt Obst.

Derzeit ist für den Reservisten um 7 Uhr Dienstbeginn. Ähnlich wie im Rathaus steht zunächst ein Blick in die E-Mails an. Danach ist „Morgenlage“, wobei die Offiziere der verschiedenen Abteilungen (wie etwa Personal, Logistik und Material) berichten. Dann ist Obst in der Truppe unterwegs, schaut nach dem Rechten und spricht mit den Soldaten. „So in etwa wie es ein Abteilungsleiter in einem Unternehmen machen würde.“

Im Kellmünzer Rathaus ist der Kommandeur trotzdem anzutreffen: Nach Dienstschluss in Ulm tauscht er die Uniform gegen zivile Garderobe und geht abends noch ins eigentliche Büro, wo er in seiner Abwesenheit vom Zweitem Bürgermeister Helmut Rieder vertreten wird. Kaserne oder Rathaus: So unterschiedlich sei die Arbeit im Prinzip gar nicht, sagt Obst. Hier wie dort sei Teamwork gefragt, verschiedene Abteilungen arbeiten bei der Lösung von Problemen zusammen. Nur salutiert wird im Rathaus nicht.

Ein gewisser militärischer Geist ist dennoch zu spüren: Die 28-jährige Verbindung mit dem Ulmer Kommando und die mit dem Unterstützungsverband (seit 2012) sind eng und werden gepflegt. Auch über die Feste in Kellmünz hinaus. Demnächst steht etwa ein gemeinsamer Berlinbesuch an, 20 Soldaten und 30 Bürger werden dabei sein. Solch innige Kontakte zwischen Kommunen und Bundeswehr seien eher selten, sagt Obst, nicht ohne stolz. „Das ist schon etwas Besonderes.“

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