1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Mit den jungen Fuggern auf Reisen

Babenhausen

18.05.2019

Mit den jungen Fuggern auf Reisen

Barbara Kreuzpointner, die Vorsitzende des Historischen Vereins, konnte Antje Stannek (links) für einen Vortrag gewinnen.
Bild: Sammlung Settele

Antje Stannek nimmt in Babenhausen mit auf einen historischen Ausflug in die Welt der jungen Adeligen um das Jahr 1600.

Im Rahmen der Babenhauser Kulturtage „Kultur rund ums Schloss“ hat der Historische Verein unlängst einen Vortrag zum Thema „Die Kavaliersreisen der jungen Adligen, insbesondere der jungen Fugger“ initiiert. Vorsitzende Barbara Kreuzpointner hatte dazu den Kontakt zu Antje Stannek von der Justus-Liebig-Universität Gießen hergestellt und diese für einen interessanten Vortrag mit Bezug zum Haus Fugger gewonnen. Lesen Sie auch: Heimatforscher Dieter Spindler verabschiedet sich im Regen

Hintergrund des Kontakts war, dass Kreuzpointner bei einer Recherche zu einem Epitaph des Oberamtmanns Georg Müller, das in der Kirche St. Andreas angebracht ist, auf die Doktorarbeit von Stannek gestoßen war. Unter dem Titel „Telemachs Brüder: die höfische Bildungsreise des 17. Jahrhunderts“ erscheint darin auch der Name Georg Müller, Sohn des obigen Oberamtsmanns. Aus einem Fachsimpeln unter historisch Interessierten entstand schließlich die Idee, die für den Fuggermarkt spezifischen Gedanken zu den jungen Fuggern bei den Kulturtagen zu präsentieren.

Doktorarbeit: Fugger sind ebenfalls ein Thema

Aus Stanneks Doktorarbeit geht hervor, dass die jungen Adligen einst auf „Grand Tour“ geschickt wurden, um sich zu bilden. Auch die Söhne der Fugger sollten sich auf dieser Reise Bildung, höfische Umgangsformen und eine standesgemäße Sprache aneignen, aber auch den schönen Künsten und Musik zuwenden. 1598 befanden sich demnach Maximilian (elf Jahre), Jakob (zehn Jahre) und Hieronymus (14 Jahre) – die Söhne von Jacob Fugger, Herr zu Wellenburg, Babenhausen und Boos – auf „Grand Tour, begleitet von „Praeceptor Reimund Hieber aus Günzburg“. Die erste Station war die Universität Padua, wo sich die Fugger einschrieben. Mit von der Partie war auch Maximilian Müller, der nach dem Studium der Rechte Oberamtmann in Babenhausen wurde.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Lesen Sie auch: Landwirtschaft contra Wohnbebauung: Diskussion im Babenhauser Marktrat

Die Bildungsreise der drei Fuggersprösslinge führte schließlich weiter nach Spanien, wo Jakob in Madrid im Jahr 1607 starb. Maximilian trat nach diesem traurigen Ereignis die Heimreise an. Hieronymus wurde noch nach Frankreich geschickt. Er sollte eigentlich eine kirchliche Laufbahn einschlagen, kam aber zur Erkenntnis, dass dies nichts für ihn sei. Auch die Reise nach Frankreich änderte nichts an seinem Entschluss. Zurück in der Heimat heiratete er und wurde Herr zu Wellenburg und Rettenbach.

Reise in die Vergangenheit

Detailliert rekonstruierte Stannek die Medien und Instrumente der höfischen Erziehung, sofern sie zur Vorbereitung der Grand Tour von Bedeutung waren. Dabei untersuchte sie bis dahin noch nicht ausgewertetes Quellenmaterial und wurde vor allem im Hause Fugger fündig. Doch auch reisepädagogische Handbücher flossen in die Betrachtungen ein, ebenso Erkenntnisse über geltende Kleidungsvorschriften und die Finanzierung dieser Bildungsreisen.

Zur Sprache kamen zudem die durchaus von den Adligen gewollten „geschlechtsspezifischen Begegnungen“ im Ausland, speziell im höfischen Europa. Kinder aus (hoch) adeligen Familien wurden – entgegen oftmals anderer Aussagen – weder gleichgültig noch nachlässig erzogen. Vielmehr ist ein fürsorgliches Bemühen der Eltern durch zahlreiche Belege nachweisbar.

Auch interessant: Dank Spenden aus der Region: Schule in Uganda wird zehn Jahre alt

Viel Applaus im voll besetzten Roten Saal des Rössle-Gebäudes war der Dank für einen Vortrag über einen Teil der Fuggerschen Geschichte, der so noch nie in Babenhausen vorgestellt worden war.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Wappen.jpg
Babenhausen

Heimatforscher Dieter Spindler verabschiedet sich im Regen

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden