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Vöhringen

07.12.2020

Mobile Mode wird in der Vöhringer Innenstadt sesshaft

Schicke Mode bietet das neue Geschäft „Bella Senior“ in der Bahnhofstraße in Vöhringen. Die Kollektion ist weit gefächert. Im Bild sind die neuen Mieter Diana und Detlef Scholtz in den neu gestalteten Räumen zu sehen.
Bild: Ursula Katharina Balken

Plus Ins ehemalige Modehaus Ostenried in Vöhringen ist wieder ein Bekleidungsgeschäft eingezogen. Die Betreiber waren zuvor jahrelang auf vier Rädern unterwegs.

Leere Schaufenster in einer Stadt haben etwas Deprimierendes. Sie signalisieren Stillstand. Auch die Räume des ehemaligen Modehauses Ostenried in der Bahnhofstraße in Vöhringen standen geraume Zeit leer. Zwischenzeitlich hatte sich dort ein Elektrogeschäft niedergelassen, das den Standort aber wieder aufgab. Seit Monaten war kein neuer Mieter in Sicht. Wer wagt es schon, bei der heutigen Marktlage etwas Neues zu beginnen, erst recht auf dem Gebiet der Mode?

Mut, Fachkenntnisse und stilsicheren Geschmack – diese Voraussetzungen bringen Diana und Detlef Scholtz mit. Sie kommen aus der Modebranche und wagen nun einen Neustart in der Bahnhofstraße. Denn Corona bescherte ihnen von jetzt auf gleich das Aus als mobile Modeanbieter.

Bei "Bella Senior" wird modische Bekleidung angeboten, die nicht nur für Senioren entworfen wurde

Ihr Geschäft nennen sie „Bella Senior.“ Es bietet also Mode für die Frau ohne Alter. Wer das Angebot betrachtet, kommt schnell zu dem Schluss, dass modische Bekleidung geboten wird, die nicht nur für Senioren entworfen wurde, sondern auch für Frauen mit Figuren schon ab 42 plus. Die Kollektion bietet modische Kleidung, die auch Mut zur Farbe hat, was für Pullis, T-Shirts, Blusen, Hosen, Jacken und vieles mehr gilt.

Bislang fuhren Diana und Detlef Scholtz mit einem Lieferwagen durch die Lande und besuchten Altenheime, Seniorenresidenzen oder Einrichtungen für betreutes Wohnen. Dort wohnte die Klientel, für die es nicht so leicht war, Mode einzukaufen. So fanden also Modeschauen in diesen Häusern im Raum Ravensburg statt. Das Modell arbeitete nach dem Franchising-System. In Wuppertal gibt es das Unternehmen Bella senior. Franchising ist ein auf Partnerschaft basierendes Vertriebssystem, bei dem Neuunternehmer ein etabliertes Geschäftskonzept gegen eine Gebühr nutzen dürfen.

Der Franchise-Unternehmer darf für die Länge des Vertrages Namen, Design und die Geschäftsidee verwenden, um Ware zu verkaufen oder Dienstleistungen anzubieten. Die im Rheinland ansässige Firma hatte 30 Lieferwagen vollgepackt mit modischer Ware deutschlandweit im Einsatz. Das Ehepaar Scholtz wendete das Prinzip mobile Mode an und ließ in den Senioreneinrichtungen Models über den Laufsteg gehen, die aus diesen Wohnanlagen kamen. Doch über Nacht kam das Ende. Sie durften mit ihrer Ware nicht mehr in die Häuser hinein. „Es war schon bitter, wir hatten 80 Anfragen und Zusagen, wo wir überall willkommen waren. Aber dann ging nichts mehr“, erzählt das Ehepaar.

Sie hatten ihren Fokus bewusst auf ältere Menschen gelegt

Dabei hatten Detlef Scholz als ehemaliger Betriebswirt im Finanzbereich und Ehefrau Diana als gelernte Textilfachwirtin viel Spaß bei ihrer Arbeit. Sie hatten ihren Fokus bewusst auf die Kundschaft gelegt, die sich aus verschiedenen Gründen schwer mit dem Einkaufen tut. „Es fehlt oft an der richtigen Beratung und an Tipps: Was kombiniere ich mit welchen modischen Kleidungsstücken?“, sagt Scholtz. Aber das Wichtigste für die Frauen war: Sie konnten dank Bella Senior ihre Immobilität überwinden. Sie kauften dort, wo sie wohnten.

Nach vorheriger Kontaktaufnahme mit den entsprechenden Häusern rollte das Modemobil an. Die Wagen waren praktisch ausgestattet, die Kleiderständer waren auf Schienen gesetzt worden, was das Raus- und Reinfahren wesentlich erleichterte. „Viele ältere Damen waren oft nicht mehr so beweglich, sodass Umkleiden für sie manchmal etwas anstrengend war“, erzählt Diana Scholtz, die beim Probieren mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Taktgefühl den Kundinnen zur Seite steht.

Das Vöhringer Geschäft bietet auch einen Hol- und Bringdienst an

Nach dem plötzlichen Aus der mobilen Mode ging das Loslösen vom Wuppertaler Unternehmen problemlos über die Bühne. Das firmeneigene Auto war weg. Was blieb, war die frisch eingekaufte Herbst- und Winterware. Da stellte sich für das Paar die existenzielle Frage: Was tun?

Glücklicherweise ging für das Ehepaar eine neue Türe auf. „Wir haben beim Spazierengehen durch Vöhringen die leeren Geschäftsräume entdeckt. Als wir die an der Türe befestigte Telefon-Nummer anwählten, stand sofort der Hauseigentümer neben uns. Wir machten den Vertrag und wir konnten los legen“, erzählen Diana und Detlef Scholtz erfreut. Sie sind zuversichtlich, dass sich auch am festen Standort in Vöhringen ihre Spezialisierung auf eine Klientel, der sonst zu wenig Beachtung geschenkt wird, lohnt. Sie haben sich dafür noch etwas einfallen lassen: Wer nicht mehr mobil ist, kann den Hol- und Bring-Dienst in Anspruch nehmen. Interessierte können sich unter der Rufnummer 0151/20095192 melden.

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