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Weinried

25.12.2020

Nach Schicksalsschlag: Wie ein Mann aus Weinried Menschen Mut machen will

Markus Schneider

Plus Markus Schneider, Vorsitzender des Vereins Phönix Allgäu, will dem Jammern über die aktuellen Corona-Einschränkungen etwas entgegensetzen. Ein Mutmacher erzählt.

Jammern auf hohem Niveau: Diesen Spruch hat jeder schon einmal gehört oder gesagt. Für Markus Schneider aus Weinried passt er zu diesem Jahr. Denn über die Einschränkungen, die mit der Corona-Pandemie einhergehen, wurde und wird eben: viel gejammert. „Ich denke dann: Es gibt Leute, die haben das immer am Hals“, sagt der 38-Jährige. Das weiß er selbst nur allzu gut, denn er ist seit einem schweren Unfall in seiner Mobilität eingeschränkt.

Man sollte die Situation mit Corona aus einer anderen Perspektive betrachten

Da ärgert sich der eine darüber, in diesem Winter nicht Skifahren zu können, der andere, beim Einkauf Maske tragen zu müssen. Und Markus Schneider denkt sich: „Leute, seid doch froh, dass ihr gesund seid.“ Man müsse die ganze Situation auch mal aus einer anderen Perspektive betrachten, aus den Augen von alten Menschen oder solchen mit Handicap. Außerdem: Es gebe doch so viele schöne Dinge, die jeden Tag passieren.

Scheider hat viele Beispiele parat: eine Pflanze, die im Zimmer aufblüht, ein Haustier, für das man nun im Lockdown viel mehr Zeit hat als sonst. Dass man im Hobbykeller etwas basteln oder die alten Brettspiele wieder einmal aus dem Schrank kramen kann.

Schneider versucht die positive Einstellungen in seinen Vorträgen zu transportieren

Diese positive Einstellung versucht Schneider für üblich in seinen Vorträgen zu transportieren, die er seit rund fünf Jahren in Schulen oder Firmen hält. 50 Stück seien es 2019 gewesen. Heuer wollte er eigentlich noch einen drauf setzen: „Ich wäre dieses Jahr auf einem guten Weg gewesen, 60 Vorträge zu schaffen. Man muss sich immer neue Ziele setzen“, sagt er. Corona machte diesen Wunsch zunichte – doch erloschen ist er damit keineswegs.

Seine Vorgehensweise bei den Vorträgen beschreibt er so: Er versuche erst einmal, die Zuhörer „zu erden“, denn in gewisser Weise befinde sich die Gesellschaft wie in einem Höhenflug. Er zeige auf, was ihm passiert ist: 2011 krachte sein Auto gegen einen Baum. Aquaplaning. Er erlitt schwerste Kopfverletzungen mit neurologischen Schäden, die aus ärztlicher Sicht nur eine sehr geringe Heilungsprognose hatten. Ein Platz in einem Pflegeheim erschien vorprogrammiert. Doch Schneider belehrte die Welt eines Besseren.

Der Weinrieder gründete den Verein Phönix Allgäu

Vor einigen Jahren gründete der Weinrieder den Verein Phönix Allgäu, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Unfallopfer und deren Familien zu unterstützen. Alltagshilfen spielen dabei eine Rolle, Betroffene sollen ihre Selbstständigkeit zurückerlangen. Durch Gespräche will Schneider Motivation und Kraft für den bevorstehenden Weg vermitteln. Auch zu Rehabilitation, Erwerbsminderung, Pflegebedürftigkeit, Wohnraumanpassung & Co. liefert der Verein Informationen.

Wichtiger Bestandteil der Arbeit sind auch die Vorträge und Schulungen. Sie sollen soziale Kompetenz, den richtigen Umgang mit Menschen mit Handicap, die Bedeutung einer Einschränkung und Selbsterfahrungen vermitteln. In den Seminaren fragt Markus Schneider gerne in die Runde, wer denn selbst ein Handicap habe. Dann sei erst einmal Ruhe. Er findet: „Jeder hat doch irgendeine Einschränkung. Es gibt keine perfekten Menschen.“

Er will Menschen mit Selbstversuchen für Handicaps sensibilisieren

Auch mit Selbstversuchen will der Phönix-Vorsitzende sensibilisieren: Zum Beispiel, indem er zwei Teilnehmer mit Arbeitshandschuhen und einhändig Mandarinen schälen lässt. „Mal schauen, wie lange sie brauchen, bis sie zusammenarbeiten.“ Es gehe ihm darum, dem Thema die Schwere zu nehmen – und die Rückmeldungen, etwa von Eltern, bewiesen, dass das nachhaltig gelinge. Klar erreiche er nicht jeden, aber, wenn es der Fall ist, sei das ein schönes Gefühl. „Du glaubst gar nicht, wie sehr mir die Vorträge abgehen“, sagt Schneider im Gespräch über die vergangenen Monate.

Bei einem anderen Projekt ist er heuer aber sogar ein gutes Stück vorangekommen: Schneider lässt, wie berichtet, eine barrierefreie Ferienwohnung bauen. Sie soll einerseits Menschen mit Beeinträchtigungen einen angenehmen Urlaub ermöglichen, andererseits als Anschauungsobjekt dienen. Obendrein wünscht sich Schneider an der Ferienwohnung einen barrierefreien Garten, in dem Hochbeete vom Rollstuhl aus bearbeitet werden könnten.

Schneiders Botschaft: „Das Leben zwingt einen vielleicht in die Knie, aber am Boden ist es langweilig. Man muss immer wieder aufstehen.“ Um dieser Botschaft Ausdruck zu verleihen, hat er eine Idee: Die Menschen sollen in diesen Tagen eine Kerze ans Fenster stellen, die in die Dunkelheit leuchtet.

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