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Babenhausen

23.05.2019

Nach Überschwemmungen in Babenhausen: Ärger über unverlässliche Infos

Die Günz wurde südlich von Babenhausen mit Sandsäcken eingedämmt.
Bild: Claudia Bader

Nach den Ausuferungen der Günz in der Nacht zum Mittwoch spricht der Babenhauser Marktrat Josef Deggendorfer von falschen Zahlen und Unsicherheit unter den Bürgern.

Nach den Überschwemmungen entlang der Günz und des Mühlbachs in Babenhausen sind einige Bürger verunsichert. Ein Grund dafür sind offenbar nicht verlässliche Zahlen über die Pegelstände, die am Dienstagabend im Internet standen. Marktrat Josef Deggendorfer (Freie Wähler) las während der Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses am Mittwochabend einen Brief vor, in dem er „im Auftrag mehrerer betroffener Bewohner“ die Klärung einiger Fragen einforderte. Zudem kritisierte er die Vorgehensweise in Sachen Hochwasserschutz.

Wie berichtet, war die Günz in der Nacht zum Mittwoch zwischen Babenhausen und Weinried über die Ufer getreten. Rund 100 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Wasserrettung waren im Einsatz. Bis in den Mittwoch hinein bauten und überwachten sie Dämme aus Sandsäcken mit dem Ziel, nahe an der Günz und dem abzweigenden Mühlbach gelegene Haushalte vor dem Wasser zu schützen. Einzelne Keller und Straßenabschnitte standen dennoch unter Wasser, wie Kreisbrandmeister Tobias Hiller am Mittwochvormittag unserer Redaktion berichtete. Größere Überflutungen habe man allerdings verhindern können. (Mehr dazu lesen Sie hier: Drohendes Hochwasser in Babenhausen: Rund 100 Helfer nachts im Einsatz )

Deggendorfer wies in der Sitzung darauf hin, dass es sich um ein „mittleres und auch erwartetes Hochwasser“ gehandelt habe. Ihm zufolge dürften die Pegelstände im wenige Kilometer entfernten Lauben und die Abflussmengen nach bisherigen Aussagen nicht zu Überschwemmungen führen. Trotzdem sei die Günz an einer Schadstelle oberhalb eines vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) umgebauten Absturzes ausgeufert. Diese Stelle sei bereits mehrfach im Gespräch gewesen, ob beim WWA oder im Marktrat. „Durch diese Ausuferung bestand die Gefahr, dass mit länger anhaltendem Zufluss ins Günztal wieder wirtschaftliche Schäden in sechsstelliger Höhe wie im August 2002 entstehen“, sagte Deggendorfer und erinnerte an das damals verheerende Hochwasser. Um solche Schäden zu vermeiden, sei es für alle Beteiligten unabdingbar, vorzubeugen. Dafür seien verlässliche Zahlen wichtig – doch genau an denen habe es in dieser Woche gehapert.

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Die Werte, die das Bayerische Landesamt für Umwelt online gestellt hatte (nämlich 2,38 bis 2,41 Meter), sind aus Deggendorfers Sicht von den tatsächlichen Pegelständen abgewichen – und das um fast zehn Zentimeter. „Sämtliche Erkundungen der Anwohner bis nach Mitternacht“ hätten Pegelhöhen von 2,49 bis 2,50 Meter ergeben – womit Meldestufe Drei erreicht wäre. „Zehn Zentimeter können für Betroffene die Welt sein“, gab der Rat zu bedenken und forderte eine zeitnahe Klärung. Zudem fragte er: „Was sehen die Behörden und der Markt als kritisch an?“

Pläne für innerörtlichen Hochwasserschutz sollen bald vorgestellt werden

Bürgermeister Otto Göppel (CSU) stimmte zu, dass sich die Anwohner in einer „heiklen Situation“ befunden hatten. Er wisse selbst nicht, wie die niedrigeren Werte im Internet zustande gekommen waren. Er sei am Dienstagabend mit einem Flussmeister des WWA an kritischen Stellen in Babenhausen unterwegs gewesen und habe auf den innerörtlichen Ausbau zum Hochwasserschutz hingewiesen. Noch vor der Sommerpause sollen die Pläne im Marktrat vorgestellt werden. Der Ausbau solle 2020 stattfinden.

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Eindrücke der Überschwemmungen in Neu-Ulm und Wiblingen
Bild: Alexander Kaya

Zudem berichtete Göppel, dass er am Dienstag die 2018 eingerichtete Baustelle für das Rückhaltebecken in Eldern (bei Ottobeuren) besucht habe. Die millionenschwere, lange geplante Maßnahme soll der Zielsetzung zufolge ab dem Frühjahr 2020 greifen. Die Vorbereitungen zweier weiterer Becken im Günztal – in Frechenrieden und Engetried – seien seines Wissens nach mittlerweile weit fortgeschritten. Insgesamt sind fünf Rückhaltebecken im Landkreis vorgesehen.

Deggendorfer befürchtete, dass die Maßnahmen nicht ausreichen. Zudem sehe er teils Widersprüche in den unterschiedlichen Berechnungen, die den jeweiligen Plänen zugrundegelegt werden. Der Rat warb dafür, Erfahrungswerten vor Ort mehr Gewicht zu geben statt sich auf „die Berechnerei“ zu verlassen.

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