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Vöhringen

29.01.2019

Patient Iller ist auf dem Weg der Besserung

Die Iller mit ihren Kiesbänken bei Vöhringen ist wieder ein Habitat, in dem sich verschiedene Fischarten wohlfühlen und dort auch an ruhigeren Stellen laichen. Das bestätigt der Gewässerbiologe Karl Wurm.
Bild: Ursula Katharina Balken

Die Renaturierung des Flusses wird auch in diesem Jahr vorangetrieben. Bei Vöhringen zeigen sich erste positive Ergebnisse, wie ein Experte jetzt erklärte.

Die Renaturierung der Iller zeige Erfolg, der Fischbestand erhole sich – es ist eine positive Bilanz, die Gewässerbiologe Karl Wurm bei der Jahresversammlung der Fischereigemeinschaft Vöhringen gezogen hat. Seine Beobachtungen fokussierte er auf den Streckenabschnitt 14,6 bis 13,6 Flusskilometer bei Vöhringen.

„Die Arten haben sich vermehrt“, sagte Wurm. Das habe eine genaue Untersuchung dieses Flusskilometers bei Vöhringen ergeben. Die Fische hätten sich zum Teil von selbst diesen neuen Lebensraum gesucht, aber die Vermehrung des Bestandes sei auch durch Besatzmaßnahmen erfolgt. Auch Fischarten wären nun wieder in der Iller zu finden, die es seit Jahrzehnten schon nicht mehr gegeben habe. So schwimmen laut Wurm wieder Huchen, Nasen, Elritzen und Barsche in der Iller, um nur einige der Arten zu nennen. Auch Muscheln hätten sich wieder angesiedelt.

Ganz allgemein gesehen könne man sagen, so Wurm, die Habitate haben sich verbessert. Die Barbe habe von der Renaturierung der Iller mehr gewonnen als die strömungsliebende Äsche. Das liege an den Kiesbänken, die stille Wasserzonen bilden, was wiederum dem Fischnachwuchs dienlich sei. Totholz in die Iller einzubringen bringe hingegen wenig. „Die toten Bäume bilden kein Rückzugsgebiet für die Fische“, erklärte Wurm.

Die Umgestaltung der Uferbereiche sei den Fischen gut bekommen, wenngleich es auch noch Verbesserungsmöglichkeiten gebe. Als Beispiel nannte Wurm kleine Buchten, die in heißen Sommern, wie der vergangene einer war, trocken fallen. Am Auebach, der in die Iller mündet und vom Wieland-Kanal gespeist wird, sei der Niedrigstand des Wassers so alarmierend gewesen, dass man die Fische in einer Rettungsaktion in andere Gewässer umgesetzt habe, unter anderem auch in die Iller.

Renaturierung: Die Iller soll wieder begehbar sein

Die naturnahe Umgestaltung des Gebirgsflusses gehört zu dem Projekt „Agile Iller“. Aus dem zur Wasserautobahn verkommenen Fluss soll wieder ein lebendiges Fließgewässer werden. Dazu unternehmen der Freistaat Bayern und das Land Baden-Württemberg erhebliche Anstrengungen und haben für die kommenden zehn Jahre 70 Millionen Euro bereitgestellt. Im November 2017 unterzeichneten Vertreter der beiden Länder eine entsprechende Vereinbarung (wir berichteten). Das Projekt erstreckt sich auf eine Länge von rund 57 Kilometern, von Aitrach im Landkreis Ravensburg bis Wiblingen bei Ulm. Die Iller, ein rechter Nebenfluss der Donau, ist 147 Kilometer lang. Das Gewässer entsteht aus Zuflüssen von Bächen wie Breitach, Stillach und Trettach sowie der Aitrach, der wasserreichste Zufluss zur Iller.

Warum wurde in die Iller überhaupt eingegriffen?

Die jetzigen Maßnahmen zur Renaturierung der Iller sind die Konsequenzen aus der Korrektur des Flusses, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Das aber hatte seinen Grund. Der wilde Gebirgsfluss überschwemmte Jahr für Jahr Wiesen und Äcker und brachte es bei Hochwasser auf die stattliche Breite von 200 und 300 Metern und drang manchmal bis in die Wohnbebauung ein. Die „Iller-Correction“, wie es damals hieß, wurde als Jahrhundertbauwerk dargestellt und war durchaus umstritten. Schon damals erwarteten Fachleute Eintiefungen der Iller, die sich schneller als erwartet bemerkbar machten. Die Umweltschützer stellten sich gegen die Umgestaltung von Flussläufen mit dem Lineal. Sie dachten mehr an die Natur als an die Schäden, die in jedem Jahr der Landwirtschaft durch die immer wiederkehrenden Hochwasser zugefügt wurden. 1901 bereits versuchte man die Absenkung der Flusssohle in den Griff zu bekommen. Es entstanden Wehre und Sohlschwellen. Doch sie konnten die Eingrabung der Iller nicht aufhalten.

Kraftwerks-Pläne an der Iller bei Dietenheim

Erst als man feststellte, wie viel Natur durch die Begradigung der Iller verloren gegangen war, wurde mit immensem Aufwand die Renaturierung eingeleitet. In Vöhringen hat sich seitdem schon etwas getan, wie Fachmann Wurm nun bestätigte. Dennoch: Die Iller rückt immer wieder in den Mittelpunkt einiger kontroverser Diskussionen. Nicht zuletzt, weil eine Münchner Firma ein Schachtkraftwerk in ein Wehr bei Dietenheim einbauen will. Umweltschützer klagten vor Gericht dagegen – kassierten jedoch eine Niederlage.

Mehr zur Iller lesen Sie hier: Das Ende der Wasserautobahn

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