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Illertissen

30.03.2015

Pippo Pollinas Musik  sprüht vor italienischem Charme

Nur er, seine Gitarre und ganz nah am Publikum – auch so konnten die Konzertbesucher Pippo Pollina erleben.
Bild: Zita Schmid

Der Sizilianer und sein Trio reißen das Illertisser Publikum mit. Wie er auf die Bühne kam

“Wer die Sprache nicht versteht, muss sich von der Stimmung tragen lassen”, resümierte eine Konzertbesucherin. Zu diesem Zeitpunkt war die letzte Zugabe verklungen und die Besucher verließen die Festhalle des Kollegs. Während des über zweistündigen Konzertabends hatte ihnen das „Pippo Pollina Trio“ viele solcher Stimmungsmomente geboten. Denn wie der italienische Sänger und Liedermacher Pippo Pollina in einem seiner Texte sang: „Über die Grenzen trägt uns ein Lied ... „

Tatsächlich checkte der Singer-Songwriter gleich zu Anfang – wohl mehr oder weniger spaßeshalber – ab, wer von den Gästen der italienischen Sprache mächtig war. Nur wenige Arme gingen in die Höhe. Gleichwohl fesselte der italienische Charme in seinen Worten und die Leidenschaft in den Melodien das Publikum. Gleich zu Beginn wurden die Besucher davon angesteckt und ließen sich immer wieder zu begeistertem Applaus hinreißen.

Seit rund einem Jahr ist der aus Sizilien stammende Sänger mit „L´apparatenenza“ auf Europa-Tour. Die Kollegshalle war zwar nur etwa drei viertel gefüllt. Doch die vielleicht manchmal auch als klischeehaft empfundene südländische Stimmung von Meer und Sonne, von Liebe, Temperament, Melancholie und Nachdenklichkeit drang bis in die letzten Reihen. Titel wie „Oh mercie“, „Mare, Mare, Mare“, „Ci sarà“ waren zu hören.

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Pollina beeindruckte nicht nur als ausgezeichneter und facettenreicher Sänger. Er beherrschte auch das Piano, die Gitarre und das Tambourin. Virtuos präsentierte sich sein musikalischer Weggefährte Roberto Petroli. Der Keyboard-, Saxofon – und Klarinettenspieler brachte vor allem die Blasinstrumente – so der Eindruck – immer wieder schier zum Glühen. Das Trio vervollständigte Max Kämmerling, meisterhaft auf Gitarre und Bass. Mit dem hierzulande bekannteren soften Italo-Pop will Pollina wenig zu tun haben. Verwurzelt in der traditionellen sizilianischen Musik finden sich in seinen Werken auch lateinamerikanische Elemente und Rock wieder.

Vor 30 Jahren verließ der heute fast 52-Jährige seine Heimatstadt Palermo. Ausgerüstet mit Interrailticket und seiner Gitarre zog er durch Europa. Als Straßenmusiker mit dem Ziel, jeden, der gerade vorbeikommt, mit seiner Musik zu beschenken, habe er damals gelernt „für den Moment zu leben“. Freunde fürs Leben habe er in dieser Zeit gefunden. Er erzählte von dem Schweizer Liedermacher Linard Bardill. Mit ihm machte Pollina die ersten Bühnenbrett-Erfahrungen. Bardill sang auf Rätoromanisch. „Ich lernte zuerst Rätoromanisch, dann Deutsch“, erklärte er schmunzelnd. Seine zufällige Begegnung mit Konstantin Wecker führte zu der gemeinsamen „Uferlos-Tour“. Freundschaften mit Werner Schmidbauer und Martin Kälberer entstanden. Aus dem gemeinsamen Album „Süden“ stammt das wunderschöne Lied „Passa il Tempo“. „Die Zeit vergeht … das Glück gibt es nicht immer ...“, heißt es darin. Auch der Konzertabend endete. Jedoch nicht ohne Zugaben, bei dem das Publikum etwa bei „Bella Ciao“ lautstark mitsingen durfte. Das wirklich letzte Lied war „La vita è bella così come è“. Pollina sang die berührende Hymne ganz nah am Publikum, vor der Bühne, ohne Scheinwerfer und Elektrik, begleitet nur durch sein eigenes Gitarrenspiel. Er sang es zum Gedenken an die vielen unschuldigen Menschen, die weltweit durch Krieg ums Leben gekommen sind und ganz aktuell durch den Flugzeugabsturz in Frankreich. Dabei herrschte Stimmung, die unter die Haut ging.

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