Kommunalwahl

Alle Ergebnisse: Stichwahlen in der Region
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Prozess: Betrunkener greift wiederholt Polizisten an

Illertissen

21.01.2020

Prozess: Betrunkener greift wiederholt Polizisten an

Ein 36-Jähriger trat in mehreren Fällen gegen Polizisten.

Ein 36-Jähriger, der bereits 45 Mal ins Günzburger Bezirkskrankenhaus eingeliefert wurde, steht vor Gericht. Er trat, beschimpfte, schlug und bespuckte Polizisten.

An einem Illertisser Spielplatz werden Passanten an einem späten Freitagnachmittag auf einen völlig betrunkenen Mann aufmerksam. Sie rufen die Polizei – doch als die an dem Spielplatz ankommt, eskaliert die Situation. Der heute 36-Jährige beschimpft die beiden Beamten und die ebenfalls alarmierten Sanitäter aufs Übelste und droht ihnen mit erhobenen Fäusten. Einer der Polizisten sieht sich letztlich gezwungen, Pfefferspray einzusetzen. Doch auch das hilft nichts. Als der Mann auf einer Trage fixiert ist, tritt er wild um sich. Selbst bei der Ankunft im Bezirkskrankenhaus hat er sich noch nicht beruhigt. Dort stellt sich heraus: Der Angreifer hat mehr als drei Promille im Blut.

Das ist nun ein gutes Jahr her. Wegen Beleidigung, Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte musste er sich am Dienstag vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht verantworten. Doch nicht nur um jenen Vorfall im Oktober 2018 ging es während der Verhandlung – in den folgenden eineinhalb Jahren hatte der 36-Jährige zwei weitere Male Polizeibeamte heftig angegangen.

In allen Fällen war viel Alkohol im Spiel

In den weiteren Fällen war wiederum eine Menge Alkohol im Spiel. Die Beamten wurden jeweils zur Wohnung des Familienvaters gerufen: Einmal lag er besinnungslos im Treppenhaus, das andere Mal hatte er gedroht, sich aus dem Fenster zu stürzen. Wie es in der Anklageschrift heißt, trat er auch bei diesen Einsätzen nach den herbeigerufenen Polizeibeamten, beleidigte und bespuckte sie.

Prozess: Betrunkener greift wiederholt Polizisten an

Vor Gericht zeigte sich der mehrfach vorbestrafte Angeklagte reumütig: „Ich schäme mich für die Vorfälle.“ Die Taten könne er gar nicht bestreiten – denn er erinnere sich nur in Bruchstücken. Zu jener Zeit habe er mit einem starken Alkoholproblem zu kämpfen gehabt und sei bereits 45 Mal ins Bezirkskrankenhaus eingeliefert worden. Mittlerweile sei diese Phase allerdings überwunden: Im vergangenen Jahr hat der 36-Jährige nach eigenen Angaben eine Langzeit-Therapie erfolgreich abgeschlossen. Mit seiner Ex-Frau lebe er inzwischen wieder zusammen.

Angeklagter entschuldigt sich

Bei den betroffenen Polizisten, die alle Strafanzeige erstattet hatten, könne er sich nur entschuldigen. Vier von ihnen waren bei der Verhandlung als Zeugen geladen – ihre Aussagen deckten sich: Der Angeklagte sei während der Einsätze kaum unter Kontrolle zu bringen gewesen, seine Tritte habe er teilweise sogar auf die Köpfe der Beamte gerichtet. Der vorsitzende Richter Thomas Mayer bezeichnete den Angreifer als „Stammkunden“ der Illertisser Polizei. Einen derartigen Fall habe er trotz vieler Jahre Berufserfahrung noch nicht erlebt: „Sie haben über Monate die komplette Dienststelle in Anspruch genommen.“

Die Staatsanwältin forderte schließlich eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, die wegen der erfolgreichen Therapie zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Der Verteidiger forderte lediglich ein Jahr auf Bewährung. Sein Mandant habe sich bei allen Beteiligten inzwischen entschuldigt und sei während der Taten nicht voll schuldfähig gewesen. Ein Psychiater war in seinem 48 Seiten langen Gutachten zu diesem Schluss gekommen. Richter Mayer verurteilte den 36-Jährigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Bedrohung und Beleidigung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Dass der Angeklagte nicht ins Gefängnis muss, habe er seiner erfolgreichen Therapie zu verdanken. Denn seine Taten seien eine „massive Sache“ gewesen: „Ich hoffe, dass sie diese Phase nun überwunden haben“, sagte Mayer.

Auch diese Prozesse beschäftigen derzeit die Region:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren