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Illertissen

19.04.2017

Rewe verteilt teure Strafzettel an Kunden

Nur wer das Hinweisschild ganz genau liest, der erkennt, dass selbst Kunden des Supermarktes eine Parkscheibe einlegen müssen.
Bild: Jens Carsten

Wer an Rewe-Märkten rund um Illertissen die Parkscheibe nicht stellt, muss mit einem ungewöhnlich teuren Knöllchen rechnen. Betroffene sprechen von „Abzocke“ - stimmt das?

Wer in diesen Tagen nach dem Einkaufen auf dem Parkplatz des örtliches Rewe-Markts zu seinem Auto zurückkehrt, kann eine böse Überraschung erleben: Zumindest wenn er die Parkscheibe nicht gestellt hat. Denn solche Versäumnisse werden nun von einer privaten Firma mit Strafzetteln geahndet. 30 Euro sind fällig – so steht es auf den zahlreichen blauen Schildern. Und auf dem gelben Knöllchen, das eine Einkäuferin aus dem südlichen Landkreis an ihrer Windschutzscheibe vorgefunden hat. Eine stattliche Gebühr, wie die Bürgerin findet. Ähnlich verfahren weitere Supermärkte in der Region. Das beschwört Unmut herauf, von „Abzocke“ ist die Rede. Immerhin seien Verstöße auf öffentlichen Stellflächen ungleich günstiger, argumentieren Betroffene.

Parken ohne Parkscheibe kostet bei Rewe jetzt 30 Euro

Stimmt, sagt eine Mitarbeiterin der kommunalen Verkehrsüberwachung (KVÜ) mit Sitz in Illertissen. Die Einrichtung tut aktuell Dienst in der Vöhlinstadt, Senden, Vöhringen, Weißenhorn, Unterroth und Altenstadt. Bürger, die ihre Wagen auf den Parkplätzen im öffentlichen Raum ohne Parkscheibe abstellen und dabei erwischt werden, zahlten zunächst zehn Euro. Um in Illertissen auf eine Gebühr von 30 Euro zu kommen, müssten die Parksünder ihre Autos über drei Stunden stehen lassen, ohne die Scheibe zu stellen, informiert die KVÜ-Angestellte. Aber das gelte eben nur für die Parksünder auf öffentlichen Stellplätzen. Privatbesitzer könnten höhere Summen festlegen: „Sie können verlangen, was sie wollen“, sagt die KVÜ-Mitarbeiterin, die die 30-Euro-Tickets auf dem Supermarktplatz persönlich als „hoch“ empfindet. Wie es da mit dem Verbraucherschutz aussehe, sei fraglich. Zuletzt seien bei der KVÜ Beschwerden von Betroffenen eingegangen, aus Illertissen, aus Weißenhorn und aus Vöhringen. Doch zuständig sei man dafür eben nicht.

Von „Abzocke“ will Franz Mayr, der Leiter der Illertisser Polizeiinspektion nicht sprechen. Je nach dem Aufwand, der mit der Überwachung der privaten Flächen verbunden sei, könnten Kosten anfallen, die über zusätzliche Verwaltungsgebühren gedeckt werden müssten. „Es kann sein, dass die Höhe gerechtfertigt ist“, sagt Mayr. Betroffene könnten wohl versuchen, gerichtlich über einen Zivilstreit gegen ausgestellte Tickets vorzugehen. Wer sein Auto auf einen dafür vorgesehenen, privaten Parkplatz stelle, akzeptiere allerdings auch die dortigen Nutzungsbedingungen. Und die sind auf den blauen Tafeln am Illertisser Rewe-Markt aufgelistet.

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Unternehmen will vor allem Nicht-Kunden treffen

Bei dem Unternehmen verteidigt man die Vorgehensweise: Schon seit längerer Zeit gebe es Schilder, die auf die Parkscheibenpflicht hinweisen. Der Grund: Viele Fahrer nutzten die Stellflächen rund um den Markt, obwohl sie keine Kunden sind – möglicherweise wegen des nahen Bahnhofs. Einkäufer hätten sich über zu wenige freie Parkplätze beschwert, sagt eine Mitarbeiterin auf Anfrage. Die „Wildparkerei“ habe „überhand genommen“. Deshalb sei eine Stuttgarter Firma mit der Überwachung betraut worden. Deren Angestellte hätten drei Wochen lang zunächst Verwarnungen verteilt, nun würden Geldstrafen verhängt. Man sehe keine andere Möglichkeit, erklärt die Mitarbeiterin. Denn Beobachtungen hätten gezeigt: Der Parkplatz sei oft halb voll, auch wenn sich nur wenige Kunden im Markt aufhielten.

Wer jedoch einkaufe und danach einen Strafzettel am Wagen vorfinde, erhalte das Geld zurück, war weiter zu erfahren. Allerdings müsse dann ein Kassenbon zum fraglichen Zeitraum vorliegen, und zwar über einen Warenwert von über fünf Euro. Ansonsten werde dieses Verfahren ausgenutzt – „manche kaufen ein Päckchen Kaugummi und lassen ihr Auto den ganzen Tag stehen“, sagt die Mitarbeiterin. Ihr Tipp: Die Parkscheibe stellen und 60 Minuten gratis parken. Mehrere Schilder weisen auch im Supermarkt auf die Neuerung hin.

In ähnlichen Nöten sieht man sich beim Rewe-Supermarkt in Weißenhorn – wohl aufgrund der Nähe zum Freibad und der benachbarten Veranstaltungshalle. Wildparker seien ein Problem, sagt ein Mitarbeiter. Deshalb gebe es auch dort nun Kontrollen – und Hinweisschilder. Die Kunden hätten dadurch Gelegenheit, sich zu informieren.

Auch wenn bei den Ertappten einiger Unmut zurückbleiben dürfte: Die Rewe-Einkäufer müssen sich wohl daran gewöhnen – die Zeiten des unbefristeten Freiparkens scheinen vorbei.

Lesen Sie auch: 30 Euro Strafe für Supermarkteinkauf in Göggingen

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Die Diskussion ist geschlossen.

20.04.2017

Ich verstehe die Aufregung nicht. Einfach die Parkscheibe benutzen, dann gibt es keine Probleme. Dass sich die Firmen dagegen wehren dass ihr Parkplatz mißbraucht ist doch nur verständlich.

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20.04.2017

warum machen die nicht einfach eine schranke hin !! jeder der einkaufen geht bekommt den ciep zum rausfahren !! djeder andere muß automatisch 100 euro Zahlen !! warumm wenden sich die leute nicht an die gemeinde ?? (edit/mod/Beleidigungen gelöscht)

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19.04.2017

Grundsätzlich in Ordnunge.

ABER: dieses Vorhaben sollte so deutlich, z.B. am Eingang zum Markt, angebracht werden, daß man es nicht übersehen kann. Ich habe den Eindruck, daß dies nicht immer der Fall ist... .

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19.04.2017

Zu dem Thema Rewe Illertissen kann ich nur sagen,

gut so.

Ich wohne in Weilheim / Oberbayern, dort ist die Parkerei genauso. Auf den kostenlosen Parkplätzen der Supermärkte parken jede Menge Nichtkunden, die ihr Auto stundenlang dort stehen lassen und in die Innenstadt shoppen gehen/ oder auch arbeiten.

Manchmal ist es so, dass man als Kunde keinen Parkplatz mehr findet, aber das ist diesen Leuten "steht mir doch zu" völlig egal. Leider werden die Märkte hier noch nicht tätig.

Herzliche Grüße

Gerhard P.

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