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Illertissen

28.03.2014

Schegk findet geplante Toiletten auf Marktplatz "scheußlich"

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Für Städteplaner Ludwig Schegk ist völlig unverständlich, wie die Stadt erwägen kann, am Marktplatz ein öffentliches WC-Häuschen aufzustellen. Alle Gestaltungsvarianten, wie die hier dargestellte, lehnte er als „banale Kisten“ ab. Der Stadtrat übernahm jetzt mit großer Mehrheit diese Ansicht. Nun wird mit der Illertisser Zeitung verhandelt, ob im rückwärtigen Teil des Verlagsgebäudes ein WC eingebaut werden könne, und es wird ein Runder Tisch mit den anliegern gebildet. 

Stadträte wie der Planer gegen Standort auf Marktplatz. Nun wird mit der IZ verhandelt und ein Runder Tisch gegründet

Auf dem neuen Illertisser Marktplatz steht eine weitere Sommersaison mit allen Vor- und Nachteilen vor der Tür. Nur, zu einem drängenden Problem hat der Stadtrat noch nicht den richtigen Zugang gefunden: Soll es eine öffentliche Toilettenanlage auf oder am Marktplatz geben und wo soll diese eingerichtet werden? Diese Frage bleibt auch nach einer weiteren Beratung im Stadtrat unbeantwortet. Doch dafür gibt es Gründe. Derzeit liefen Verhandlungen, so informierte Bürgermeisterin Marita Kaiser, mit dem Verlag der Illertisser Zeitung, ob im rückwärtigen Teil des Zeitungsgebäudes ein Marktplatz-WC eingebaut werden könne. Außerdem sollen in einem von Jürgen Eisen vorgeschlagenen Runden Tisch mit den Marktplatz-Anliegern sowohl über das WC als auch über Verkehrsbelastung und nächtlichen Ruhestörungen dabattiert werden.

Der Marktplatz hat sich seit seinem Umbau zwar zum beliebten Treffpunkt entwickelt. Doch die Medaille besitzt auch eine Kehrseite. Die Anlieger klagen über Raser in der Tempo-20-Zone, Saufgelage und Wildpinkler, die sich gerne mal in Hauseingängen erleichtern. Letztere will der Stadtrat mit dem Angebot einer öffentlichen Toilette sozusagen von der Straße holen. Die Idee fand die Mehrheit gut, als vor einem Jahr zunächst ein Probe-WC beim Kriegerdenkmal aufgestellt werden sollte und es nach ersten Protesten mögliche WC-Gestaltungsformen für den Platz nördlich der Einmündung Ulrich-Straße zu untersuchen galt. Eine solche Anlage würde laut Verwaltung mindestens 150000 Euro kosten. Heute wissen die Stadträte, die Idee umzusetzen, wird nicht einfach. Die jetzt von der Stadt vorgelegten Gestaltungsbeispiele (Stadtrat Gerhard Reisinger: „Warum hat das ein Jahr gedauert?“) wurden von Städteplaner Ludwig Schegk als „gestalterisch unbefriedigende, banale“ Kisten beurteilt. Damit ist er nicht allein.

Zweiter Bürgermeister Josef Kränzle will ein WC mitten auf dem Platz ebenfalls nicht mehr akzeptieren – aus optischen Gründen und, weil die Anlieger, wie man jetzt wisse, es nicht vor ihrer Haustür wollten. Zum Beispiel wehren sich laut Verwaltung die Investoren Sauter und Klasar vehement gegen ein solches WC auf einem Nachbargrundstück an der Ulrichstraße, weil sie fürchten, ihre neue Tiefgarageneinfahrt daneben könne sich zu einem Treffpunkt für Saufgelage entwickelt. Kränzle sorgte deshalb in der Sitzung für Schmunzeln, als er sagte: „Wer will, findet auch nachts eine Toilette.“ Er hatte allerdings die Aktion „nette Toilette“ gemeint. Gaststätten, auch rund um den Marktplatz, gestatten den Besuch ihrer Toiletten ohne auf Einkehr zu bestehen. Angepriesen wurde von der Verwaltung die „nette Toilette“, die jetzt bis morgens früh um 5 Uhr besucht werden kann. Sie befindet sich in der Gaststätte „Oberland“. Auch ohne Beschluss waren sich die Räte einig, die „netten Toiletten“ sollten besser zu beworben und ausgeschildert werden.

Kränzle fand noch einmal Lacher, als er erklärte, er werde ein Marktplatz-WC nur akzeptieren, wenn die Stadträte, die dafür stimmten, es später auch reinigten. Dieter Baur, Befürworter dieses WCs auf dem Platz, pries seinerseits selbstreinigenden Anlagen an. Danach folgten rund 30 Wortmeldungen der 24 Räte. Stadtrat Ewald Ott warnte vor allzu großer Euphorie, was ein WC im IZ-Verlagshaus anbelange. An der Stelle befinde sich mit dem Postverteilzentrum eine sehr sensible Einrichtung. Außerdem habe man auch schon unter Saufgelagen im rückwärtigen Bereich des Hofes zu leiden. Trotzdem entschied sich der Stadtrat mit 20:4-Stimmen, die Verhandlungen mit dem Verlag abzuwarten, und mit 22:2-Stimmen, einen Runden-Anliegertisch ins leben zu rufen. Weitere Alternativvorschläge der Verwaltung, wie etwa ein Ratsbegehren zur WC-Frage, werden solang nicht weiterverfolgt.

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