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Illertissen / Bellenberg

15.04.2019

So gefährlich war die Chaosfahrt nach Bellenberg

(Symbolbild)
Bild: Alexander Kaya

Plus Ein betrunkener Lastwagenfahrer war auf der falschen Straßenseite unterwegs – das ging wohl nur durch Zufall gut. Was die Polizei im Nachhinein dazu sagt.

Plötzlich kommt auf der Landstraße ein Lastwagen auf der falschen Seite entgegen: Für viele Autofahrer dürfte das eine Horror-Vorstellung sein – zwischen Illertissen und Bellenberg ist sie wahr geworden. Dort war am Freitag ein alkoholisierter Lastwagenfahrer auf der linken Spur unterwegs. „Eine haarige Situation“ sei das gewesen, sagt der Illertisser Polizeichef Franz Mayr. Nur dem Zufall ist es wohl zu verdanken, dass bei der Irrfahrt nichts Schlimmeres passierte. Und das war knapp.

Im Angesicht des nahenden Lastwagens, steuerten die anderen Fahrer ihre Autos auf den Grünstreifen. Offenbar gerade noch rechtzeitig: Ein Wagen wurde bei einem Ausweichmanöver leicht beschädigt – mehr ist wohl nicht passiert. Bisher gebe es keine anders lautenden Meldungen von Betroffenen, sagt Mayr. Die Sache hätte auch anders ausgehen können.

Polizisten stoppten den Lastwagen in Bellenberg, wo das Fahrzeug verkehrssicher abgestellt wurde. Besitzer oder Spediteur müssen es abholen – denn der 61-jährige Fahrer wird sich wohl für längere Zeit nicht mehr hinters Steuer setzen dürfen.

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Falschfahrer hatte 1,7 Promille intus

Er hatte bei der Fahrt 1,7 Promille intus, im Führerhaus des Lastwagens lagen mehrere leere Flaschen, die alkoholhaltige Getränke enthalten hatten. Die Polizei ermittelt wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, ein Fahrverbot für den Mann werde die Folge sein, sagt Mayr. „Mindestens.“ Festgenommen wurde der Fahrer in Bellenberg nicht. Das sei das Ergebnis einer Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft gewesen. Seiner Strafe werde sich der Ungar wohl auch dann nicht entziehen können, wenn er das in seinem Heimatland versuchen sollte. Berufsfahrer seien ständig unterwegs, sagt Mayr. Immer wieder gebe es Kontrollen. Wer zur Fahndung ausgeschrieben sei, falle irgendwann bei einer Kontrolle auf.

Lastwagen: Die Polizei kontrolliert regelmäßig

Betrunken am Steuer eines Lastwagens – das kann eine verhängnisvolle Kombination sein. In der Region gibt es immer wieder Schwerpunktkontrollen, sagt Jürgen Krautwald, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schaben Süd/West auf Anfrage. „Eine unsichere Fahrweise ist bei einem tonnenschweren Fahrzeug eine große Gefahr.“ Bei den Kontrollen setzt die Polizei Spezialisten ein: „Die Kollegen rollen auch mal im Blaumann unter das Fahrzeug und schauen genau nach den Bremsen“, sagt Krautwald. Stationiert sind die Experten in Neu-Ulm und Kempten sowie in den Autobahnpolizeistationen in Günzburg und Memmingen. Die Kontrollteams seien im gesamten Bereich des Präsidiums unterwegs, der vom Bodensee bis nach Neu-Ulm reicht. Alkoholisierte Fahrer seien ein „Dauerthema“, sagt Krautwald. Aber die gibt es längst nicht nur im Führerhaus von Lastwagen, was immer wieder zu schweren Unfällen führt.

Bei 0,3 Promille kann der Führerschein weg sein

Was viele nicht wüssten: Nicht erst ab einem Pegel von 0,5 Promille gibt es Ärger mit der Polizei, schon bei einem Wert von 0,3 kann der Führerschein weg sein. Wenn Ausfallerscheinungen dazu kommen, jemand beispielsweise Schlangenlinien fährt. „Der Wert ist schnell erreicht“, sagt Krautwald. Und warnt: „Alkohol ist im Straßenverkehr ist eine Gefahr für alle.“

Am Ende gibt es noch einen Diebstahl

Der Lastwagenfahrer, der bei Bellenberg gestoppt wurde, zeigte sich offenkundig von seinem Tun wenig beeindruckt. Während der zur Polizeiinspektion nach Illertissen gebracht wurde, steckte er das Mobiltelefon einer Polizeibeamtin ein. Als diese das Gerät vermisste, wählten Kollegen dessen Nummer. Die Polizisten staunten nicht schlecht, als es in der Hosentasche des Lastwagenfahrers klingelte. Der Mann wird also mit einer weiteren Anzeige rechnen müssen - wegen Diebstahls. "So etwas dreistes erleben wir selten", sagt Polizeichef Mayr dazu. Auch wenn dieser zweite Vorfall im Nachhinein betrachtet "zum Schmunzeln" sei. Aber wohl auch nur, weil die Fahrt auf der linken Straßenseite nach Bellenberg zuvor glimpflich ausgegangen ist. Mayr: "Das war schon heftig."

Schrecken für Autofahrer zwischen Illertissen und Bellenberg - was bei der Chaosfahrt passierte: Chaosfahrt: Betrunkener drängt im Lastwagen Autos von Straße ab

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