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Serie

18.11.2017

Tambura, Ayurveda und die große Liebe

Gabriele und Lakhan Lal Sahu pflegen eine indische Tradition. Sie singen Dhrupad, die klassische indische Musik. Die Begleitung kommt von einer Tambura, einer Langhalslaute.
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Gabriele und Lakhan Lal Sahu pflegen eine indische Tradition. Sie singen Dhrupad, die klassische indische Musik. Die Begleitung kommt von einer Tambura, einer Langhalslaute.
Bild: Ursula Katharina Balken

Lakhan Lal und Gabriele Sahu lernten sich in Indien kennen. In Vöhringen haben sie ihre Wunschheimat gefunden. Von einem Leben zwischen Lederhose und indischer Musik

Mit einem Umzug über Staatsgrenzen hinweg beginnt oft ein neues Leben: Die Gründe, die Heimat zu verlassen, sind vielfältig, der Schritt ist meist gut überlegt. Doch es fällt schwer, das Gewohnte hinter sich zu lassen und in eine ungewisse Zukunft zu gehen. In unserer Serie „Angekommen“ stellen wir Menschen vor, die es trotzdem gewagt haben - und die in der Region eine neue Heimat gefunden haben. Hier geht es um ihre Geschichten, ihre Schicksale und Leidenswege.

Lakhan Lal Sahu liebt Bayern, die Tracht, die Menschen, die Landschaft und Vöhringen. Dass er dort leben kann, bedeutet für ihn Glück. Dieses wird komplett gemacht durch Gabriele, seine Ehefrau. Sie stammt aus Vöhringen und entwickelte in jungen Jahren eine Vorliebe für Indien. Im Alter von knapp über zwanzig Jahren reiste sie in das Land, um mehr über dessen Kultur zu erfahren, aber auch, um sich intensiver mit der traditionellen Heilkunst Ayurveda zu befassen.

„Ich war fasziniert, das Leben ist so ganz anders, lebendiger, bunter.“ In Indien traf sie auch auf den Mann ihres Lebens: Lakhan Lal Sahu, ein Sänger und Lehrer, der die Kunst des klassischen indischen Gesangs, Dhrupad, lehrte und pflegte. Dabei begleitet er sich auf der Tambura, ein lautenähnliches, langhalsiges Saiteninstrument. Gabriele und Lakhan Lal standen im Einklang zueinander, sie heirateten 2000 in Jabalpur, mit dem Segen der beiden Familien. 13 Jahre lang lebte das Paar in Indien.

Begegnet man heute Lakhan Lal Sahu auf der Straße, dann kann er in astreinem Schwäbisch antworten: „I woiß it“, sagt er dann. Die Schwaben findet er „einfach nett“. Das sagt er nicht nur, um sich selbst zu bestärken, dass seine Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, richtig war. „Die Menschen hier sind freundlich, sie nehmen mich an. Manche sind sogar richtig erfreut, dass ich aus Indien komme.“ Das erklärt Ehefrau Gabriele so: „Wir haben hier ja immer wieder indische Priester, die in den Pfarreien als Seelsorger tätig sind, deshalb gibt es auch keine Vorbehalte.“

Deutschland, speziell Bayern, war für Lakhan Lal schon immer ein Traumziel. Dass er dort tatsächlich einmal leben wird, sei ihm im Traum nicht eingefallen. Er schwärmt von der bayerischen Tracht. Mit einem schüchternen Lächeln erzählt er, dass er bei seiner Hochzeit in Deutschland eine Lederhose getragen hat. Und niemand habe ihn auch nur ansatzweise belächelt.

Was ihn freut: Seit 2014 hat er eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Die erlaubt ihm trotz seines indischen Passes, zu arbeiten. Derzeit absolviert er eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger in Ulm.

Ehefrau Gabriele Sahu widmete sich in Indien dem Studium der Heilkunst Ayurveda, wie sie die klassische, traditionelle Medizin nennt. Doch bevor sie überhaupt daran dachte, nach Indien zu gehen, zog sie nach Berlin und wurde nach entsprechendem Studium Sozialpädagogin. In ihrer freien Zeit widmete sie sich dem indischen Tanz, der Musik und Sprache. Hindi spricht sie inzwischen fließend. Im Fokus stand jedoch ihr Wunsch, eine Ayurveda-Praxis zu eröffnen. Dafür aber verlangt der Gesetzgeber, wie sie sagt, dass sie eine Ausbildung als Heilpraktikerin nachweist, eine „Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung“.

In Vöhringen schlechte Erfahrungen gesammelt, habe das Paar noch nie. Das sei in Berlin anders gewesen, wie Gabriele Sahu sagt. „Wir standen mal an einer Haltestelle und mit uns eine Gruppe Skinheads. Da war mir schon ganz schön mulmig.“

Wenn Gabriele Sahu mal mit einem Sari durch die Stadt geht, ein Kleidungsstück, das sie sehr möge, dann kommen oft türkische Frauen auf sie zu und fragen, woher sie das Kleidungsstück habe. Dann erklärt sie, dass sie den Sari aus Indien mitgebracht hat. „Dann bitten mich die Frauen, ihnen auch so farbenfrohe Gewänder mitzubringen.“ Das habe wohl etwas mit den Bollywood-Filmen zu tun, die überwiegend aus Mumbai (bis 1996 offiziell Bombay) kommen. Die Filme seien in der arabischen Welt heiß begehrt.

Auf die Frage, ob es für ihn ein Zurück nach Indien gibt, antwortet Lakhan Lal Sahu mit verschmitztem Lächeln: „I woiß it“. Gabriele Sahu arbeitet als Erzieherin und Lakhan Lal wird bald Heilerziehungspfleger sein und weiß schon jetzt, dass er übernommen wird und eine feste Anstellung hat. Und dann sagen beide: „Warum in die Ferne schweifen, wenn wir uns hier unsere Wunschträume erfüllen können.“ Diese Träume sind bescheiden: vielleicht mal das Haus richten lassen oder den Garten, den Eingangsbereich, den Führerschein für den Ehemann. Sie sind zufrieden mit dem, was sie haben. Hin und wieder besuchen die Lals die Verwandtschaft in Indien, kehren aber gerne wieder in ihre Heimat zurück – und die heißt Vöhringen.

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