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Babenhausen

22.10.2019

Theatergruppe Schmiere: So war die Premiere des Musicals „Barbara“

Beim Bärenwirt wird nicht nur getrunken, sondern auch getanzt – und so manches Gerücht in die Welt gesetzt. Das Foto ist bei der Premiere entstanden.
Bild: Fritz Settele

Die Babenhauser Theatergruppe Schmiere thematisiert in ihrem neuen Musical einen Fall aus dem Jahr 1827 – mit alternativen Enden.

Man schreibt den 2. September 1827, als Barbara, die schöne Tochter des Kettershauser Ziegeleibesitzers, ermordet aufgefunden wird. 192 Jahre später lehnt die Babenhauser Theatergruppe „Schmiere“ ihr Musical „Barbara – Das schöne Bärbel vom Ziegelhof“ an diesen historischen Stoff an. Jedoch bietet sie drei Alternativen für den Ausgang an. Das Musical nimmt die Zuschauer mit auf eine Zeitreise zum Anfang des 19. Jahrhunderts, mit viel Lokalkolorit, inklusive Dorftratsch und heuchlerischer Sexualmoral. Am Wochenende feierte es Premiere.

Alles beginnt mit einem Tanzabend beim Bärenwirt, an dem sich Jung und Alt vergnügen. Schon da wird deutlich, dass die Ziegelhoferin und des Küfers Frau eine herzliche Abneigung verbindet. In dieser liegt auch das Grundübel, dass sich deren Kinder, Bärbel und Thomas, nicht näher kommen sollen. Wie zu erwarten, wird genau das passieren.

Zurück zum Bärenwirt. Star des Abends ist „das schöne Bärbel“, um das die Dorfjugend buhlt. Für Wirbel sorgt ein später Gast in Gestalt eines Schlossvogts. Er nötigt den Ziegelhofer zu einem Vertrag, da seine Herrschaft den Landbesitz vergrößern will. Nur zögerlich stimmt der Ziegelhofer zu, wohl wissend, dass die geforderte Lieferung seine Kapazität übersteigt.

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Neben Barbara der zweite Protagonist des Musicals ist der Sohn der armen Küferseheleute. Thomas kehrt aus dem Krieg zurück – und rettet zuerst Bärbel, die fast zwei Banditen zum Opfer fällt. Was er als Christenpflicht sieht, die er mit einem Krankenhausaufenthalt bezahlt, führt letztendlich dazu, dass Thomas als mittelloser Ziegelknecht bei Bärbels Eltern eingestellt wird.

Als der Ziegler versucht, den Großauftrag zu stemmen, stirbt dieser an den Anstrengungen. Daraufhin übernimmt dessen Witwe und führt ein hartes Regiment, unter dem nicht zuletzt Thomas leidet. Zudem versucht sie, die Tochter mit dem Vogt zu verkuppeln. Dieser würde Bärbel sogar heiraten – obwohl sie inzwischen von Thomas schwanger ist. Als die junge Frau den Heiratsantrag des Vogts ablehnt, weiß die Ziegelhoferin nichts anderes, als das Paar zu verdammen – so wie es auch die restliche Dorfbevölkerung tut. Und die Gerüchteküche brodelt.

Nach der Pause nimmt das Musical Fahrt auf

Damit wird dem Publikum die verlogene Sexualmoral jener Zeit vor Augen geführt. Im Kontrast steht die Szene, die einen lebenslustigen Markttag in Babenhausen zeigt und die in die Pause eingebunden wird. Diese kommt etwas spät, als schon fast niemand mehr damit mehr rechnet. Das liegt wohl auch daran, dass das Stück etwas langsam in Gang kommt und für ein Musical zu lange Textpassagen enthält. Mancher Besucher hätte sich wohl gewünscht, dass während der zahlreichen Bühnenumbauten nicht längere Dunkelphasen entstehen, sondern dass diese – wie bei früheren Schmiere-Produktionen – bei offenem Vorhang erfolgen. Der Überlänge könnte begegnet werden, indem einige Eingangsszenen zumindest gekürzt würden.

Nach der Pause nimmt das Musical dann in bester Schmiere-Manier Fahrt auf. Dicht gedrängt stürmt es dem Ende entgegen. Die schöne Bärbel wird nach zunächst vergeblicher Suche gemeuchelt im Wald gefunden. Doch wer ist der Mörder? Dazu hat „Schmiere“ drei Varianten auf Lager, die von Aufführung zu Aufführung wechseln. Das erinnert an den Träger des diesjährigen Deutschen Buchpreises, Sasa Stanicic, denn auch dessen neues Werk „Herkunft“ bietet mehrere Finalversionen an. Äußerst gelungen sind die Abschlussbilder auf der Bühne.

Mit lang anhaltendem Applaus quittiert das Premierenpublikum die Aufführung. Er gilt nicht zuletzt der Autorin und Regisseurin Ellen Wildermuth, der es gelungen war, ein historisches Thema ansprechend aufzubereiten – der Tradition früherer, ähnlich gelagerter Schmierestücken wie „Schand“ oder „Zecil“ folgend. Es ist immer wieder erstaunlich, wie man eine Schar von rund 50 Akteuren auf und hinter der Bühne zu einem Ganzen verbindet. Gewiss ist es dem umfangreichen Personal geschuldet, dass die eine oder andere Szene etwas lang ausfällt und die Frage aufwirft, ob diese für den Handlungsstrang notwendig ist.

Gewohnt souverän begleitet die Schmiere-Band die Sänger. Ob als Solisten, im Duett, im Trio oder als Chor: Die musikalische Komponente ist brillant – und das alles live. Wer nun neugierig geworden sind, dem sei eine der weiteren neun Aufführungen empfohlen.

Termine: 26. und 27. Oktober sowie 2., 3., 9, 10., 16., 17. und 23. November (Beginn sonntags um 18 Uhr, samstags um 19.30 Uhr). Karten gibt es unter schmiere.de oder bei Textil-Kast (Telefon 08333/93246). Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Spielbeginn.

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