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Ulm

09.10.2017

Ulm steht an der Seite von Mesale Tolu

Sie kämpfen für die Freiheit von Mesale Tolu: Vater Ali Riza Tolu und Anwältin Kader Tonç.
Bild: Ludger Möllers

Beim Konzert für die in der Türkei inhaftierte Ulmer Journalistin steht die Musik deutlich im Hintergrund.

400 Zuhörer haben im Ulmer Kornhaus ihre Solidarität mit der in der Türkei inhaftierten, aus Ulm stammenden Mesale Tolu gezeigt. Drei Tage vor dem Prozess gegen Tolu, der am Mittwoch in Istanbul beginnen soll, forderte der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch die türkischen Behörden auf, Tolu sofort freizulassen. Der Übersetzerin und Journalistin, die nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, werden Mitgliedschaft in und Propaganda für eine linksextreme Terrororganisation vorgeworfen.

Zu dem Solidaritätskonzert haben die in Ulm lebende Familie Tolus, ihr Vater und ihre Geschwister, zusammen mit dem Freundeskreis ins Kornhaus eingeladen. Doch die Musik steht im Hintergrund. Das Schicksal der Journalistin, ihres Mannes und des zweieinhalbjährigen Sohnes sind wichtiger. Der grüne Abgeordnete Jürgen Filius, der sich beim Auswärtigen Amt um Informationen bemüht, ist unter den Zuhörern. Die frisch gewählten Bundestagsabgeordneten aus Ulm und Neu-Ulm dagegen sind der Einladung nicht gefolgt.

Tolu, die für eine Radiostation und die linksgerichtete Nachrichtenagentur Etha arbeitete, ist seit dem 5. Mai im Frauengefängnis Bakirköy in Haft. Ihr drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis, die laut Tolus Anwältin Kader Tonç gemäß den geltenden Anti-Terror-Gesetzen um weitere fünf Jahre verlängert werden könnten. Der zweieinhalbjährige Sohn Serkan lebt mit seiner Mutter im Gefängnis, der Ehemann und Vater, Suat Corlu, wurde ebenfalls verhaftet und ist seit April in Haft.

Im Kornhaus führt Frank Wiesler vom Ulmer SWR-Studio durchs Programm. Immer wieder kommt die Ohnmacht gegenüber der Türkei zur Sprache, die Willkür des Regimes. Und es gibt die Forderung, in der Donaustadt, „der internationalen Stadt“, wie Oberbürgermeister Gunter Czisch sagt, den „respektvollen und friedvollen Umgang miteinander“ zu pflegen. Neben den politischen gibt es emotionale Momente, etwa von Mesale Tolus Vater Ali Riza Tolu.

Tolu selbst betont in einer Botschaft, sie werde nicht zulassen, im Tausch gegen eine ausgelieferte Person freigelassen zu werden. Daher sei es, wie Anwältin Tonç sagt, nicht verwunderlich, dass Beweise gegen Tolu fehlen: „Seit Vorlage der Anklageschrift ist kein einziges Beweismittel mehr zu den Akten hinzugekommen“, berichtet sie. Für Tonç sind sowohl die Verzögerung der Anklageschrift als auch der Beschluss, mit geheimen Akten zu operieren, rechtswidrig und zeigen, dass ein politisches Verfahren vorläge: „Die Türkei ist ein großes Gefängnis für Journalisten.“

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