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Unterallgäu

10.10.2019

Unterallgäuer Kinderkino wird nach 25 Jahren eingestellt

25 Jahre lang begeisterte das Kinderkino  Mädchen und Buben im Unterallgäu.
Bild: Landratsamt/Vögele

Die Kreisjugendpflegerin nennt deutlich gestiegene Gema-Gebühren und rechtliche Unsicherheiten als Gründe.

25 Jahre lang hatten der kleine Rabe Socke, Mama Muh und Co. viele Mädchen und Buben im Landkreis im Rahmen des Unterallgäuer Kinderkinos in ihren Bann gezogen. Doch damit ist nun Schluss. Das Angebot, das vor allem Kinder im Grundschulalter ansprechen soll, wird nach dieser Saison eingestellt. Kreisjugendleiterin Julia Veitenhansl bedauert das Aus und hätte das Kinderkino gerne fortgeführt. Doch vor allem die gestiegenen Gebühren der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrecht (Gema) und „rechtliche Unsicherheiten“ hätten diesen Schritt notwendig gemacht.

Im Schnitt nutzten rund 2000 Kinder das Angebot. Pro Spielzeit, in der Regel zwischen September und April, wurden in bis zu 25 Gemeinden im Unterallgäu insgesamt fünf Filme gezeigt. Dabei habe man darauf geachtet, dass diese pädagogisch wertvoll sind. „Zudem wollten wir den Kindern ein Gemeinschaftserlebnis bieten. Denn so konnten sie auch gleichzeitig ihre Freunde treffen“, sagt Veitenhansl.

Ehrenamtliche bereiten das Kinderkino vor

Das Kinderkino vor Ort hatten Ehrenamtliche in den einzelnen Gemeinden vorbereitet, etwa Mütter, Großmütter oder Lehrer. „Sie hatten auch für die eine oder andere Veranstaltung Popcorn organisiert.“ Notwendige Utensilien wie DVD-Player hatte das Kreisjugendamt zur Verfügung gestellt. Kosten für Werbung, den Filmverleih und die Mitgliedschaft im Filmleihverband hat laut Veitenhansl der Landkreis übernommen. Doch das Hauptkriterium, das zur Einstellung des Angebots geführt habe, sei die drastische Erhöhung der Gema-Gebühren gewesen, von der das Kreisjugendamt im Herbst durch eine Rechnung erfahren hatte.

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„Das kam völlig überraschend“, so Veitenhansl. Eine Begründung habe es nicht gegeben. Dabei hätten sich die Kosten verdreifacht. Waren es zuvor acht Euro pro Vorführung, so seien es nun 24 Euro. „Das hört sich im ersten Moment nach nicht viel an.“ Aber wenn in kleineren Spielstätten mal nur fünf Kinder zur Vorstellung kommen, mache sich das finanziell doch bemerkbar. Denn pro Film zahlen die Kinder maximal zwei Euro, von denen ein Euro an das Kreisjugendamt geht.

Wie eine Pressesprecherin der Gema auf Anfrage bestätigt, sei der Tarif für einzelne Filmvorführungen im Oktober umgestellt worden. Es werde nun nach Nettokartenumsatz und nicht mehr pauschal nach Sitzplätzen abgerechnet – das sei für die meisten Veranstalter eine Verbesserung, da eben der tatsächliche Umsatz berücksichtigt werde und nicht der im Zweifelsfall leere Sitzplatz. „Gleichzeitig wurden die Mindestvergütungen an die Veranstaltungstarife angepasst und damit vereinheitlicht, was in Einzelfällen, wie in dem geschilderten Fall, tatsächlich zu einer Erhöhung führen kann“, gibt die Pressesprecherin zu. Da es sich beim Kinderkino um eine Veranstaltung mit sozialer Zweckbestimmung handle, schließlich verfolge der Veranstalter keine wirtschaftlichen Ziele, könne man aber einen zusätzlichen Nachlass von 15 Prozent einräumen.

Immer mehr Vorschriften für Vorführungen

Doch es gibt einen weiteren Punkt, der zur Einstellung des Kinos geführt hat. Laut Veitenhansl kommen immer mehr Vorschriften und Bedingungen beim Filmverleih hinzu – etwa, wo und wie Werbung gemacht oder wann der Film gezeigt werden darf. Nach Angaben der Kreisjugendpflegerin gibt es immer mehr „Abmahn-Anwälte“, die darauf achten, dass alle Bedingungen genauestens eingehalten werden.

Aber auch in Zukunft will das Kreisjugendamt den Gemeinden, Schulen und Kindergärten die Möglichkeit bieten, sich Filme und Equipment auszuleihen. Nach Angaben von Veitenhansl habe man in der Vergangenheit auch den einen oder anderen Film gekauft und die Lizenz, diesen vorzuführen.

Leid tut es ihr vor allem um die Freiwilligen, die sich teils seit 20 Jahren um das Kinderkino in ihrer Gemeinde kümmern. Viele seien traurig, dass es das Angebot nicht mehr geben wird. „Da steckte schon viel Herzblut dahinter.“

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