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Illertissen

23.03.2020

Unterricht in der Corona-Krise: Ohne den Systembetreuer läuft nichts

Matthias Röger im Serverraum der Illertisser Realschule. Hier kümmert sich der Systembetreuer darum, dass für die Schüler und Lehrer der Unterricht von zu Hause aus funktioniert. Ohne seine Pausen-Kaffeetasse geht dabei nichts.
Bild: Realschule

Plus Nun wird ausschließlich daheim gelernt. An der Johannes-von-La Salle-Realschule Illertissen laufen die Fäden bei Matthias Röger zusammen.

Französisch-Aufgaben per Mail, Geometriezeichnungen per WhatsApp: Die Schulen in der Region haben unterschiedliche Wege gefunden, mit den schwierigen Umständen umzugehen, unter denen im Moment der Unterricht zu den Schülerinnen und Schülern nach Hause kommen soll. Die erste Online-Schulwoche liegt auch hinter der Johannes-von-LaSalle-Realschule in Illertissen. Schulleiterin Roswitha Nodin findet: Das klappt trotz der Umstände ziemlich gut. Unserer Zeitung gab sie Einblicke in die momentane Arbeit der Lehrkräfte – in Zeiten wie diesen natürlich ebenfalls per Mail.

Das Ziel: Direkt an das Gelernte anknüpfen, wenn der Unterricht wieder in der Schule stattfindet

Die Realschule habe sich auf das Szenario vorbereitet, so Nodin: „Lehrkräfte haben sich noch vor der Schulschließung in schulinternen Lehrerfortbildungen fit gemacht für die neue Art des Unterrichtens.“ In Illertissen werden verschiedene Online-Kanäle benutzt: Statt dem Klassenzimmer oder Fachraum wird jetzt via Teams, Sway oder Youtube-Kanälen unterrichtet. „Hier bieten die Lehrer ihre Lernbausteine tagesaktuell an, sodass die Schülerinnen und Schüler von zu Hause Aufgaben bearbeiten und den Stoff lernen können.“ Notengebung ist dabei jedoch nicht gestattet. Trotzdem ist das jetzt Gelernte sehr wichtig, erklärt die Schulleiterin: „Wenn der Unterricht wieder in der Schule stattfindet, kann der Lehrer auf das erarbeitete Wissen zurückgreifen. So entstehen keine Lücken in der Abfolge des Lehrplans.“

Eine wichtige Ausrede fällt weg

Hausaufgabe zu Hause vergessen – diese Ausrede gibt es natürlich im Homeoffice für die Schüler nicht mehr. Und die Lehrer können sehr genau kontrollieren, ob die Arbeit daheim auch gemacht wurde: „Die Überprüfungs-Funktion in Teams ermöglicht es dem Lehrer, auf einen Blick zu sehen, wer die Hausaufgabe hat und wer nicht.“ Die Kommunikation mit den Schülern könne individuell geschaltet werden, je nachdem, ob der Lehrer nur schriftlich, per Video oder Stimme mit seinen Schülern verbunden sein will.

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Und wie kommt das ungewohnte Arbeiten bei den Betroffenen an? „Die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern geben uns rundum positives Feedback“, erzählt Nodin. „Sie fühlen sich mit Lernstoff gut versorgt und loben die Lehrkräfte, die als Ansprechpartner erreichbar sind und bei Schwierigkeiten über Chat oder Telefon weiterhelfen.“ Besonders gut kämen dabei Audio- und Videokonferenzen bei den Schülerinnen und Schülern an. Gerade die Zehntklässler, die vor ihren Abschlussprüfungen stehen, fühlten sich nicht alleine gelassen, sagen Eltern. Und auch den jüngeren Schülern tut die Betreuung gut: „Die Kinder merken einfach, das ist nicht nur Beschäftigungstherapie, sondern da wird geschaut, dass ich das auch mache“, heißt es von Eltern.

Der Systembetreuer ist eigentlich Lehrer für Englisch und Geschichte

Der Mann, der all das am Laufen hält, heißt Matthias Röger. Eigentlich ist Röger Englisch- und Geschichtslehrer, normalerweise unterrichtet er an der Schule aber nur noch das Fach IT. „Das ist eigentlich schade“, findet die Schulleiterin. Aber es gibt einfach viel zu wenige Fachkollegen auf diesem Gebiet – und als Systembetreuer ist Röger gerade in der momentanen Lage unverzichtbar. Täglich bekommt er ein Dutzend Anfragen. „Ohne seinen technischen Support würde unsere Vernetzung nicht funktionieren“, so Nodin.

Er selbst sagt dazu: „Systembetreuer an einer Schule. Das bedeutet ein wahrlich buntes Spektrum an Aufgaben und Verantwortungsbereichen und gerade in Zeiten von Corona einiges an Mehrarbeit: Als erster Ansprechpartner bei EDV-Problemen (First-Level-Support) für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern und nicht zuletzt die Schulleitung und Verwaltungsangestellte, braucht man viel Geduld und die Fähigkeit, komplexe technische Zusammenhänge in verständliche Sprache zu fassen und umgekehrt.“

Der Beamer geht nicht oder mit der Schulwebseite stimmt etwas nicht

Während sich Röger im Alltag typischerweise mit Fragen wie „Der Beamer geht nicht“, „Ich habe mein Passwort vergessen“, „Die Bankingsoftware spinnt“, „Das WLAN geht nicht“ oder „Mit der Schulwebsite stimmt was nicht“ befassen muss, ist er jetzt noch mehr gefragt. „Meistens wird man dann konsultiert, wenn etwas nicht funktioniert – und dann soll es natürlich schnell gehen. Man kann diesen Job nur ausfüllen, wenn man sich dazu berufen fühlt und auch einen gewissen Spaß daran findet, Probleme systematisch, pragmatisch und effektiv zu lösen und dabei die richtige Balance zwischen Bequemlichkeit und Sicherheit zu finden.“

Eine Ausbildung dafür gab es für ihn allerdings nicht: „Die wenigsten Systembetreuer an Realschulen haben Informatik studiert. Physiker und Mathematiker, die die Systembetreuung oft aufgedrückt bekommen, wollen eigentlich lieber ihren Fachunterricht halten. Aber irgendeiner muss den Job ja machen.“ Fachpersonal für die Systemadministration fehle, sagt Röger. „Eine bedenkliche Entwicklung, gerade in Zeiten, in denen die Digitalisierung in aller Munde ist und ohne Internet nicht mehr viel geht.“

Verwaltungsaufgaben wachsen - und die Arbeit als Lehrer gerät in den Hintergrund

Auch ohne Corona-Krise müssen die Schulverwaltungssoftware des Kultusministeriums, Online-Plattformen zur Eltern- und Schülerkommunikation und zum Dateiaustausch, Voice-over-IP-Telefonanlage oder digitale Elternabende bewältigt werden. Rögers Fazit: „Die Verwaltungsaufgaben werden immer mehr und die pädagogische Arbeit rückt in den Hintergrund. Und das, obwohl die Systembetreuer eigentlich primär eine pädagogische Funktion haben und sowohl das Kollegium als auch die Schülerschaft im Umgang mit den Medien ausbilden sollen.“

Der Systembetreuer würde sich wünschen, dass der Betreuung der Computersysteme an Schulen durch die Politik und die Schulträger durch Ausbildung und zusätzliche personelle Ressourcen ein größerer Stellenwert beigemessen würde. „Und das meint eindeutig nicht Einmalmaßnahmen wie die Anschaffung von immer noch mehr digitaler Technik, ohne auf die Folgen zu schauen. Denn die laufenden Kosten belasten dann die Budgets der Schulen und die Wartung landet on top bei Hausmeister und Systembetreuer.“

Wie gehen andere Schulen mit dem digitalen Lernen während der Coronakrise um? Das lesen Sie hier:

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