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Justiz

02.10.2019

Vergewaltiger Ali A. muss 14 Jahre lang in Haft

Gestern Abend ist das Urteil im Prozess um die Attacken auf Frauen in Babenhausen und Egg gefallen

Das Urteil im Prozess um die Serie von Sex-Attacken im Unterallgäu ist gefallen: Ali A. muss 14 Jahre lang in Haft. Außerdem behält sich das Gericht vor, im Anschluss an die Freiheitsstrafe eine Sicherungsverwahrung anzuordnen. Mit diesem Urteilsspruch endete gestern Abend eine Verhandlung, die viele Menschen in der Region mitverfolgt haben. Noch gut in Erinnerung haben viele die Nachrichten über die Schreckenstaten, die sich im Dezember 2018 in den Unterallgäuer Orten Babenhausen und Egg an der Günz ereignet hatten. Wie Richter Christian Liebhart bei der Urteilsverkündung sagte, besteht „kein vernünftiger Zweifel“ daran, dass der 26-jährige Eritreer für diese Übergriffe verantwortlich ist. Die Beweislast war erdrückend.

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Ali A. wurde schuldig gesprochen, innerhalb von drei Tagen zwei Spaziergängerinnen vergewaltigt und verletzt zu haben, zunächst an einem Feldweg nahe Egg an der Günz, zwei Tage später an einem Parkplatz am Babenhauser Rothdachweiher. Kurz nach der zweiten Tat griff er außerdem eine Frau an einer Umkleidekabine nahe dem Badesee brutal an, weswegen sich Ali A. auch wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung verantworten muss.

Die drei Frauen hätten Todesängste ausgestanden, sagte der Richter. Sie dächten, dass es der letzte Tag in ihrem Leben sein könnte. Über einen längeren Zeitraum habe sich das „Martyrium“ stets hingezogen, in einem Fall habe das Opfer rund eine Stunde lang aushalten müssen.

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Während der sexuell motivierten Übergriffe sei Ali A. mit einer „selten zu beobachtenden Hartnäckigkeit“ vorgegangen. Nach Aussage des Richters haben weder gutes Zureden, noch körperliche Reaktionen von Angst und Panik, noch massive Gegenwehr dem Angeklagten den Anstand gegeben, von den Frauen abzulassen. Da eine Frau an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, muss der Verurteilte 15000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Auch während der insgesamt fünf Verhandlungstage vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Memmingen hatte Ali A. keinerlei Empathie an den Tag gelegt. Er meldete sich immer wieder zu Wort, bestritt die Taten, deren Schilderungen allein für Beobachter schwer mit anzuhören waren. Über zwei der Frauen sagte er, sie nie zuvor gesehen zu haben. Ein Opfer beschuldigte er, sie habe ihn angefahren und ihm danach „ein Geldangebot“ gemacht. Am ersten Verhandlungstag Anfang September behauptete der Angeklagte zudem, „Angst vor Frauen“ zu haben.

Am Dienstag sagte noch ein letzter Zeuge aus, der dies bislang krankheitsbedingt nicht getan hatte: der Spaziergänger, der zum dritten Übergriff in der Umkleidekabine hinzugekommen war und so wohl Schlimmeres verhindert hatte. Außerdem stellte ein Sachverständiger ein psychiatrisches Gutachten vor. Dieser sprach von einem überdurchschnittlich hohen Risiko, dass Ali A. wieder straffällig werden könnte. Er habe kein stabiles Arbeitsverhältnis, keine stabilen Lebens- und Wohnverhältnisse, keine Partnerschaft – und zeige keine Einsicht. Diese Prognose schlug sich letztlich im Urteil nieder: Es beinhaltet den Vorbehalt, eine Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haftstrafe anzuordnen.

Für eine Sicherungsverwahrung – allerdings ohne Vorbehalt – hatte auch die Staatsanwaltschaft plädiert. Das berichtete Staatsanwalt Sebastian Murer nach dem Ende der Verhandlung gegenüber unserer Redaktion, denn die Plädoyers waren unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen worden. Pflichtverteidiger Werner Hamm wollte sich hingegen nicht zu seinem Plädoyer äußern. (mit dpa)"Bayern

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