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20.05.2019

Verspielt – und das mit voller Absicht

Silvia Yi und Jennifer Rüth (rechts) begeistern mit Crossover.
Bild: R. Langhans

Crossover: Klänge, Gefühle und Comedy

Unter dem ungewöhnlichen Titel „Verspielt“ haben die „Queenz of Piano“ ihr Publikum in der Kollegsaula in Illertissen mit einem Crossover von Klängen, Gefühlen und Comedy überflutet. Dabei boten Jennifer Rüth und Silvia Yi – mit Künstlernamen Ming – auf zwei Flügeln erstklassige Unterhaltung. Mehr als 400 Zuschauer waren in die Festhalle des Kollegs gekommen und erlebten, wie ernste und leicht Musik harmonisch ineinanderfließen können.

„Verspielt“, allein das Motto lässt spekulieren: Geht es um grobe Patzer oder vielleicht spielerische Raffinessen in der Musik? Aufschluss erfolgt gleich zu Beginn, indem Jennifer Rüth bekannt gibt: „Wir sind beide mit klassischer Musik aufgewachsen, den ganzen Tag Mozart, Beethoven, Bach – und nachts hörten wir dann Michael Jackson …“

Für ihr Konzert haben sich die beiden von der Musikgeschichte inspirieren lassen, Entdeckungen gemacht, Tabus gebrochen und überlegt, wie Komponisten wohl Erscheinungen der heutigen Zeit in ihre Musik hätten einfließen lassen.

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Die „Quenz of Piano“ - also Piano-Königinnen - hatten ihren eigenen Flügel mit im Gepäck, sodass ihnen mit dem kollegseigenen Flügel, zwei Instrumente zur Verfügung standen. So war es schon rein optisch ein Vergnügen zu beobachten, wie die zierlichen Klavierpartnerinnen die schwarzglänzenden bühnenvereinnahmenden Klangkörper für ihren Auftritt zu strapazieren wussten. Ihr Programm machte neugierig und sie „verspielten“ sich auch ordentlich: Indem sie etwa vom Klaviersessel auf den Boden abrutschen und virtuos „weiterklimpern“. Oder beim furiosen Spiel von Johann Sebastian Bachs Toccata in d-Moll unerwartet zu „Thunderstruck“ von ACDC übergehen. Das gab es als Zugabe zum Dank an das mitgehende Publikum.

Wie also hätte Mozart heute reagiert, wenn doch überall gespart wird? Die Pianistinnen verkürzen dessen Türkischen Marsch Akkord um Akkord bis auf einen rasant über die Tasten gezogenen Rutscher. Szenisch wie musikalisch perfekt gelingt der Bogen von der Melancholie zur „Freude schöner Götterfunken“. Und darauf: „Don’t Worry, Be Happy“. Bei Michael Jacksons „Thriller“ greifen sie direkt in die Klaviersaiten. Auch der Milchschaumschläger lässt sich verwenden. Die Queenz betreiben sozusagen Hochleistungssport, Crossover auf der ganzen Bandbreite – mit Charme und Niveau. (lor)

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