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Illertissen

30.05.2017

Viola plus Flügel ergibt ein großartiges Konzert

Die Musiker Nils Mönkemeyer (links) und William Youn überzeugten in der Illertisser Schranne mit ihrem sehr persönlichen Spiel an Viola und Flügel und traten dabei als bestens aufeinander eingestelltes Duo auf.
Bild: Regina Langhans

Nils Mönkemeyer und William Youn faszinieren mit Virtuosität und Harmonie in der Illertisser Schranne.

Virtuos dargebotene Kammermusik in ungewöhnlicher Besetzung konnte erleben, wer das jüngste Konzert der Reihe „Kultur im Schloss“ in der Illertisser Schranne besuchte: Etwa 150 Besucher waren gekommen, um den gebürtigen Bremer Nils Mönkemeyer auf der Viola zusammen mit William Youn am Flügel zu hören. Dem Bratschisten eilt der Ruf voraus, das, meist aus Orchestern bekannte, Instrument im Solospiel prominent ins Blickfeld zu rücken. Und Youn wird eine besondere Kunst des Anschlags nachgesagt.

In Illertissen war zu spüren, wie sich das Künstler-Duo aus München auf der Bühne auf gleicher Augenhöhe traf, sei es im lückenlos ineinandergreifenden Zusammenklang von Werken von Schumann (1810 bis 1856) und Brahms (1833 bis 1897) oder der Pianist im Solo bei den Brahms-Balladen, Opus 10, wovon die ersten beiden von insgesamt vier zu hören waren. Der Komponist hatte sich die düstere schottische Ballade „Edward“, in der es um Vatermord geht, zur Vorlage genommen. William Youn wusste sie mal poetisch-erzählend, mal in dramatischer Weise zu präsentieren. Er überzeugte durch technische Brillanz und beendete das Spiel mit aufwühlenden gegenläufigen Staccato-Bewegungen.

Schon optisch stand Mönkemeyer durch sein, mit dem ganzen Körper nach außen getragene Spiel im Mittelpunkt. Auf seinem Instrument – die größere Schwester der Violine mit Anklängen an das Cello – wusste er die typischen Merkmale der Beiden wunderbar zu vereinen. Und je nach Tonlage hervorzuheben: Den silbernen Klang der Geige und die dem Cello nachgesagte Wärme einer menschlichen Stimme. Mönkemeyer ließ seine Finger auf dem gewichtigen Instrument virtuos bis in die höchsten Lagen klettern. Oder er zauberte mit dem Bogen die unterschiedlichsten Klangfarben bei rasanten Strichtechniken hervor.

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Als Paradestücke eigneten sich da die „Ungarischen Tänze Nummer eins in g-Moll und Nummer 16 in f-Moll. Mönkemeyer vollführte einen Streifzug durch die Gefühlswelten, ließ mal den Bogen tanzen und die Bratsche mal melancholisch klagen. Er spielte differenziert, kein Ton glich dem andren. Auch bei Brahms förmlicher aufgebauten Sonaten (Opus 120, Nummern eins und zwei in f-Moll und Es-Dur), verlor der Geiger nicht an Temperament und Ausdruck. Von Robert Schumann gab es die, ursprünglich für Klarinette und Klavier verfassten Fantasiestücke, Opus 73 zu hören. Hierbei war das Klavier über die Rolle des Begleitens hinaus der richtige Partner für die Bratsche für ein ineinandergreifendes Spiel.

Die Charaktere beider Komponisten standen sich in der, noch mit Albert Dietrich zu dritt verfassten Frei-aber-Einsam-Sonate gegenüber. Gespielt wurden die Sätze von Schumann und Brahms, wobei Unterschiede gut hörbar waren. Dem eingespielten Duo fiel es nicht schwer, den Spannungsbogen bis zum Konzertende aufrecht zu halten. Den begeisterten Applaus belohnten die Künstler mit Brahms „Die Mainacht“ als Zugabe.

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