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Illertissen

18.11.2018

Vom Bürstengeschäft zum Modehaus: Die Geschichte des Kaufhauses Rimmele

Das Modhaus Rimmele kann in diesem Jahr auf eine 150-jährige Geschichte blicken. Auch wenn sich vieles verändert hat: Das Kaufhaus prägt bis heute das Stadtbild.
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Das Modhaus Rimmele kann in diesem Jahr auf eine 150-jährige Geschichte blicken. Auch wenn sich vieles verändert hat: Das Kaufhaus prägt bis heute das Stadtbild.
Bild: Madeleine Schuster

Plus Vor 150 Jahren gründete Jacob Riegel das heutige Kaufhaus Rimmele. Aus dem einstigen Geschäft für Seile hat sich ein modernes Modehaus entwickelt, das heute vor neuen Herausforderungen steht.

Was wäre Illertissen ohne das Kaufhaus Rimmele? Vermutlich nicht die Kleinstadt, die sie heute ist. Natürlich gehört weitaus mehr zu einer funktionierenden Wirtschaft als ein einziger Laden im Kern der Kommune. Und dennoch darf behauptet werden, dass das Kaufhaus genauso zur Geschichte der Stadt gehört, wie einst die Gewinnung von Bienengift, auf die sogar ein Patent angemeldet wurde. Schließlich werden seit 150 Jahren Waren über die Ladentheke im Geschäft an der Hauptstraße gereicht. Geändert hat sich in diesen Jahrzehnten einiges, angefangen bei den Produkten.

Denn zu Beginn wurden nicht etwa Mäntel, Hosen oder Blusen in die Tüten des Geschäfts gepackt, sondern vor allem Seiler- und Bürstenwaren. Das war im Jahr 1868 – die Geburtsstunde des Kaufhauses „Jacob Riegel“. Er war es, der als 29-Jähriger die Idee dieses Bürstenwaren-Ladens in die Vöhlinstadt brachte. Ein Platz dafür war schnell gefunden: Im Gebäude, in dem heute das Geschäft „Tally Weijl“ vor allem junge Mädchen mit Plüschjacken, engen Jeans und Accessoires versorgt, entstand das Riegel-Kaufhaus. Anfang der 1900er-Jahre übergab Riegel das Geschäft an seine Tochter Eleonore und ihren Mann Wilhelm Rettich: Die Geschäftsfläche wurde ebenso erweitert wie das Warensortiment. Unter anderem wurden Tabakwaren und Alpengras über die Ladentheke gereicht.

Kaufhaus Rimmele: So entwickelte sich das Modehaus

Erst 1945 kam der eigentliche heutige Namensgeber mit ins Boot. Die Rettichs übergaben ihr Geschäft an Tochter Lisbeth und ihren Ehemann – Otto Rimmele. Zunächst war das Kaufhaus noch unter dem Namen Riegel-Rettich-Rimmele bekannt. Abgekürzt hieß es nur RRR.

Heute gehört nicht mehr nur das einstige Riegel-Gebäude zum Rimmele-Komplex, sondern auch noch weitere Flächen an der Hauptstraße in Illertissen. Das Warenangebot hat sich bekanntermaßen ebenfalls vergrößert. Aus dem Bürstenladen wurde ein Modehaus, „peu à peu“, wie der jetzige Geschäftsführer Adrian Nas sagt. Dennoch wird das Geschäft unter dem Titel Kaufhaus geführt. Bis vor wenigen Jahren konnten Kunden noch Zigaretten und Spielwaren im Rimmele kaufen, erklärt der 36-Jährige. Doch man gehe eben dem Trend nach.

Seit 2007 arbeitet Nas im Unternehmen. In diesem Jahr kaufte er die kleine Firmengruppe von der Familie Fischbach, die zugehörigen Immobilien hat er gemietet. Der 36-Jährige ist Chef von 44 Mitarbeiterinnen. „Ich bin der einzige Mann hier“, sagt er und schmunzelt.

Geschäftsführer steht vor einigen Herausforderungen

Vor Herausforderungen stellten ihn aktuell aber nicht die vielen Frauen – es seien eher die technischen Entwicklungen. Momentan werde das Warenwirtschaftssystem des Kaufhauses überarbeitet, sagt Nas, der sich selbst als technisch versiert bezeichnet. So versucht das Unternehmen, die Geschäftsabwicklung einfacher zu gestalten, vielleicht sogar per App. Damit könne schneller und flexibler gearbeitet werden. „Wir müssen auch mehr investieren, wenn wir einen höheren Umsatz haben wollen.“

Ein weiterer Knackpunkt sei natürlich auch der Internethandel. „Illertissen hat eine schöne Innenstadt und dafür müssen die Illertisser auch etwas tun“, sagt er. Das, was Rimmele seiner Meinung nach hervorhebe, sei eben die Beratung, die es im Internet so nicht gebe. „Man wird bei uns bedient, und unsere Mitarbeiter sagen ehrlich, wenn etwas nicht gut aussieht.“ Und noch etwas: „Bei uns kann man die Kleidungsstücke fühlen, das geht im Internet nicht.“

Kaufhaus Rimmele: Dialog mit den Kunden ist dem Inhaber wichtig

Sowohl der Geschäftsführer als auch seine Mitarbeiterinnen besuchen regelmäßig internationale Modenschauen, wie beispielsweise die Fashion Week in Berlin. „Da schauen wir uns die einzelnen Marken an, vergleichen Zahlen und sehen, was es Neues gibt.“ Natürlich gebe es dort auch ausgefallene Einzelstücke – aber Nas sei eher auf der Suche nach der Kleidung für jedermann. „Mainstream eben.“

Für die Zukunft wünscht er sich, dass sich das Modehaus auch noch in etlichen Jahren in Illertissen halten kann. Und dazu gehöre der Dialog mit den Kunden. „Uns ist wichtig, dass die Illertisser mit uns reden und sagen, was sie sich wünschen“, erklärt Nas, der lange in Nürnberg gelebt und gearbeitet hat.

Vom einstigen Seilerwaren- und Bürstengeschäft ist es vielleicht auch genau das, was im Rimmele auch nach 150 Jahren noch geblieben ist: die Kommunikation zwischen Kunden und Geschäftsleuten.

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