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Vöhringen

14.01.2020

Warum der Schweizer Glacierexpress auch in Vöhringen hält

Thomas Kempf, Dieter Kühlinger, Herbert Kempf, Siegbert Stöhr und Herbert Walk (von links) bauen gemeinsam im Format 1:25 den Vöhringer Bahnhof nach.
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Thomas Kempf, Dieter Kühlinger, Herbert Kempf, Siegbert Stöhr und Herbert Walk (von links) bauen gemeinsam im Format 1:25 den Vöhringer Bahnhof nach.

Plus Die Modellbahnfreunde Vöhringen teilen ihre Leidenschaft für Züge und fürs Basteln. Derzeit entsteht etwa ein Nachbau des heimischen Bahnhofs.

Geradezu elegant schlängelt sich der Zug auf schmaler Gleisspur durch die gewaltige Gebirgslandschaft. Was da im Augenblick bei den Vöhringer Modellbahnfreunden unter der Regie von Dieter Kühlinger entsteht, ist ein Stück der Schweizer Rhätischen Bahn, auf der der berühmte Glacier Express verkehrt. Noch ist die Anlage nicht komplett. Aber sie wird ein Schmuckstück werden. Die Berge sind aus Gips modelliert. Für Kühlinger ist die Landschaft das Wichtigste: „Immerhin war sie zuerst da und dann erst kam die Eisenbahn.“ Einen Namen gemacht hat sich der Verein mit seiner stattlichen Anlage bei großen auswärtigen Ausstellungen wie etwa beim alljährlichen Vöhringer Adventsmarkt. Da flitzen zur Freude der kleinen und großen Eisenbahnfreunde ICE-Züge über die Schienen. Schon die Größe der Züge ist beeindruckend. Der Triebkopf – wie Fachleute den Antriebswagen nennen – ist rund 60 Zentimeter lang.

Den Verein gibt es seit 15 Jahren

Gegründet wurde der Verein 2005, so ist jetzt ein halbrundes Jubiläum fällig. Ihr Domizil könnte passender nicht sein. Die „Leitzentrale“ ist im Erdgeschoss des Vöhringer Bahnhofs zu finden. Angefangen hat alles durch Zufall. Fünf „Bäschtler“, wie sie sich in bestem Schwäbisch selber nennen, treffen zusammen und entdecken, dass sie alle dem gleichen Hobby zugetan sind. Sie interessieren sich für Modelleisenbahnen. Jeder bastelte so im Keller vor sich hin. Warum sich nicht zusammentun? Gedacht, getan – so entstand der Verein Modellbahnfreunde Vöhringen.

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„Einen Vorsitzenden haben wir eigentlich nicht, aber einen Sprecher“, sagt Dieter Kühlinger, 68, dem diese Aufgabe zufällt. Dass er als Fachmann in Sachen Bahn gilt, liegt an seinem Beruf. Er war 40 Jahre Fahrdienstleiter am Vöhringer Bahnhof und ist im Haus nebenan geboren worden. Signale, Schienen und Züge bestimmten sein Leben.

Die Modellbauer haben ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihren Anlagen. Während für manche die Landschaft im Mittelpunkt steht, ist es für andere die Strecke. Thomas Kempf, 48, will die Züge laufen sehen und teilt dieses Hobby mit seinen drei Söhnen. Das Takten der Züge wird heute mit elektronischer Hilfe gemacht. Da kennt sich Kempf als IT-Experte aus. Aus einem kleinen Märklin-Starterset ist eine große Bahnanlage geworden. „Denn dass beim ersten Versuch der Zug nur im Kreis fuhr, war mir zu wenig“, sagt Kempf und lacht. Also wurde nachgerüstet.

Leidenschaft für Züge wurde mit in die Wiege gelegt

Herbert Walk, 62, begann als Kind mit einem Trix-Express. „Interesse für die Bahn habe ich, seit ich geboren bin“, sagt er. Und das ist nicht übertrieben, sein Elternhaus steht rund 100 Meter vom Bahnübergang an der Memminger Straße entfernt. Vorbeirauschende Züge waren und sind für ihn Alltag: „Ich bin mit der Bahn aufgewachsen und das weckte mein Interesse.“ Der pensionierte Berufsoffizier ist zum Sammler von Loks und Waggons geworden. Auf dem Dachboden hat er sein Reich. Dort sind seine Raritäten zu bewundern. Außerdem hat er eine Fotosammlung von deutschen Bahnhöfen, die er ausstellungsreif präsentiert.

Der 69-jährige Siegbert Stöhr ist der Mann fürs Detail. Der ehemalige Kfz-Mechaniker baut filigrane Holzminiaturen wie Hochstände, Bänke, Brunnen und alles, was eine kleine Modellwelt so sehenswert macht. Die maximale Stärke der nötigen Einzelteile für Brunnen, Hochstände, Bänke und mancherlei mehr liegt bei unglaublichen zwei bis drei Millimetern. Pinzette und Sekundenkleber sowie eine spezielle Minikreissäge sind sein Handwerkszeug.

Das ist ein Modell der Schweizer Rhätischen Bahn, das fast fertig ist. Der Zug wird per Laptop gesteuert.

Herbert Kempf, 68, hat einen besonderen Plan. Er baut an der Nachbildung des Vöhringer Bahnhofes im Maßstab 1:25 und die anderen bauen mit. Dazu sollen auch typische Vöhringer Wieland-Häuser maßstabgerecht nachgebaut werden. Der Bahnhof wird die große Modellbahn bereichern. Alle fünf Bastler haben Freude an ihrem Hobby. Bemerkungen wie „ach, geht ihr wieder Eisenbahn spielen“, nehmen sie gelassen. „Was wir tun“ sagt Kühlinger, „macht vielen Menschen Freude. Es gehört Geschicklichkeit, Geduld und ausreichend Kenntnisse über Spurbreiten und was dazu gehört dazu, wenn man Modelle nachbauen will.“ Wer sich den Modellbahnfreunden anschließen oder nur schauen will, ist jeden Mittwoch von 17 Uhr an im Vöhringer Bahnhof willkommen.

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